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Atomkonflikt mit Nordkorea : Pjöngjang zündelt weiter

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un (Aufnahme vom 25. Juli) Bild: AFP

Nordkorea testet abermals Kurzstreckenraketen.Kim Jong-un hofft offenbar, dass er so einen Keil zwischen Amerika und Südkorea treiben kann.

          Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat Nordkorea am Mittwoch offenbar zwei Kurzstreckenraketen getestet und damit abermals gegen UN-Resolutionen verstoßen. Das südkoreanische Militär teilte mit, die beiden Geschosse seien im Morgengrauen von der Ostküste nahe der Stadt Wonsan abgefeuert worden, wo Machthaber Kim Jong-un seine Sommerresidenz hat.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Nach ersten Schätzungen seien sie etwa 250 Kilometer weit und 30 Kilometer hoch geflogen. Es handle sich um einen anderen Waffentyp als die beiden KN-23-Raketen, die vor wenigen Tagen getestet worden seien, hieß es in der Mitteilung des Militärs.

          Südkorea bekräftigte, dass „die Serie von Raketenabschüssen nicht hilft, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen“ und forderte Pjöngjang auf, dieses Verhalten einzustellen.

          „Sie haben ihre Konflikte“

          Auf einen ähnlichen Raketentest von vor einer Woche hatte der amerikanische Präsident betont gelassen reagiert. „Er hat nicht gesagt ‚Warnung an die Vereinigten Staaten‘“, sagte Donald Trump über den nordkoreanischen Machthaber. Das bezog sich auf Verlautbarungen Nordkoreas, wonach der Waffentest von vergangener Woche als „Warnung“ an „Kriegstreiber“ in Südkorea gemeint gewesen sei. Trump befand zu den Spannungen zwischen Nord- und Südkorea: „Sie haben ihre Konflikte“.

          Bei Nordkoreas „Warnung“ ging es aber um ein für August geplantes gemeinsames Militärmanöver südkoreanischer und amerikanischer Truppen sowie um die Lieferung amerikanischer Tarnkappenflugzeuge an Südkorea. Es wäre nicht das erste Mal, dass Nordkorea darauf abzielt, die Militärallianz zwischen Washington und Seoul zu schwächen und einen Keil zwischen beide Seiten zu treiben.

          In Seoul ruft die amerikanische Haltung jedenfalls ganz im Sinne Pjöngjangs Irritationen hervor. Die Zeitung „Korea Times“ warf Trump am Dienstag – also noch vor dem jüngsten Waffentest – „vorsätzliche Ahnungslosigkeit“ vor. Er „vermittelt den Eindruck, dass ihm Raketenabschüsse egal sind, solange es Kurzstreckenraketen sind und sie nicht die Vereinigten Staaten bedrohen“.

          Eine solche Haltung sei „frustrierend und gefährlich“ und könne „das falsche Signal an Nordkorea senden, dass die Vereinigte Staaten nicht einschreiten werden, solange das amerikanische Festland nicht das Ziel ist. Was ist mit amerikanischen Verbündeten in Asien?“, heißt es in dem Kommentar.

          Ärger in Pjöngjang

          Tatsächlich scheinen die Äußerungen Trumps, wonach nur ein Abschuss von Mittel- und Langstreckenraketen bedenklich sei, Nordkorea ermutigt zu haben, Kurzstreckenraketen als Mittel zu nutzen, um seinen Unmut über das geplante Militärmanöver zum Ausdruck zu bringen. Ungehalten ist man in Pjöngjang offenbar auch über den Stand der Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten und die fehlende Bereitschaft Washingtons zur Lockerung der Sanktionen.    

          Noch immer wurde keine Termin für die Wiederaufnahme der Gespräche auf Arbeitsebene bekanntgegeben, die Donald Trump und Kim Jong-un vor einem Monat bei ihrem Treffen an der innerkoreanischen Grenze vereinbart hatten. Außenminister Mike Pompeo sagte am Dienstag, es dauere „ein bisschen länger“ als erwartet.

          Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP hat Donald Trump dem nordkoreanischen Machthaber kürzlich ein Geschenk übersandt: Fotos von ihrem historischen Treffen im Waffenstillstandsort Panmunjom, aufgenommen vom Fotografen des Weißen Hauses. Der Agentur zufolge sollten sie ein Zeichen des guten Willens sein, um den Weg zu einer Wiederaufnahme der Atomgespräche zu ebnen.

          Nordkoreanische Offizielle hätten die Erwartung geäußert, dass die bilateralen Verhandlungen bald fortgesetzt würden, hieß es in dem Bericht. Einen Zeitpunkt hätten sie aber nicht genannt.

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