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Atomkonflikt mit Iran : Droht ein nukleares Wettrüsten?

  • -Aktualisiert am

Iranische Rakete mit einem Bild des religiösen Führers Ajatollah Ali Chamenei in Teheran Bild: EPA

In Iran regieren die Hardliner, und es wäre für das Land wahrscheinlich nicht mehr weit zum Bau einer Atombombe. Am Ende könnte nur eine bittere Wahl bleiben.

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          Unter den vielen Rissen, die sich in der internationalen Ordnung aufgetan haben, ist der Streit über das iranische Atomprogramm einer, der zu einem wirklich großen Bruch führen könnte. Es geht hier letztlich um die Frage, ob sich in einer der konfliktreichsten Regionen der Welt ein nukleares Wettrüsten entwickelt.

          Irans Nachbarn werden nicht tatenlos zusehen, sollte sich das Regime in Teheran, das sowieso schon strategisch weit nach Arabien ausgreift, auch noch atomar bewaffnen. Seit dem Regierungswechsel ist das leider noch weniger auszuschließen als in der Vergangenheit.

          Die neue Hardliner-Regierung scheint wenig Interesse an einer Verhandlungslösung zu haben, was auch die Internationale Atomenergiebehörde zu spüren bekommt. Mit den Beständen an angereichertem Uran, die es im Land schon gibt, wäre es wahrscheinlich nicht mehr weit zum Bau einer ersten Bombe.

          Das ist in erster Linie eine Folge der  übermütigen Iranpolitik des früheren US-Präsidenten Trump. Hätte er das Atomabkommen nicht gekündigt, dann wären die militärisch nutzbaren Nuklearaktivitäten Irans noch bis 2026 eingeschränkt worden, manche sogar bis 2031.

          Seine Torheit wird vor allem Israel womöglich schon viel früher vor eine bittere Wahl stellen: zwischen einem Militärschlag mit ungewissem Ausgang und dem Vertrauen auf die Abschreckung. Mit letzterem werden sich im Fall Irans auch in Amerika und Europa viele schwertun.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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