https://www.faz.net/-gpf-qutb

Atomkatastrophe in Japan : Wettlauf gegen die Zeit

  • Aktualisiert am

Zerstört: Reaktor Nummer 3 Bild: AFP

Der Kampf gegen einen Super-GAU in Fukushima wird immer dramatischer: Experten warnen vor einer massiven Verstrahlung, sollte es nicht bis Freitag gelingen, das Wasserniveau im Abklingbecken von Reaktor 4 zu heben. In dem Reaktor liegen die Brennstäbe offenbar völlig frei. Mit einer provisorischen Stromleitung wollen die Betreiber die Kühlsysteme wieder in Gang bringen.

          4 Min.

          Nach dem Erdbeben und dem Tsunami kämpft Japan weiter verzweifelt gegen die immer bedrohlicher werdende Atomkatastrophe. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi mussten die Experten am Mittwoch immer wieder vorübergehend abgezogen werden, weil wegen zu starker radioaktiver Strahlung das Gesundheitsrisiko zu groß wurde.

          Am Mittwochabend (Donnerstag Ortszeit) sollte die Evakuierung der Gegend um das Kraftwerk deutlich ausgeweitet werden. Wegen der Gefahr radioaktiver Verstrahlung müssten weitere 28.000 Menschen in der Präfektur Fukushima ihre Häuser verlassen, meldete der Fernsehsender NHK. Viele Notunterkünfte in der Region seien aber schon zu überfüllt, um neue Atom-Flüchtlinge aufzunehmen. Deshalb würden die Menschen jetzt auch auf umliegende Präfekturen verteilte. Amerikanische Strahlenexperten hatten zuvor erklärt, in dem Abklingbecken in Reaktor 4 befinde sich kein Wasser mehr. Das sagte der Chef der amerikanischen Atomsicherheitsbehörde NRC, Gregory Jaczko, am Mittwoch in Washington. Über die Quelle der Information machte er keine Angaben. Die Radioaktivität vor Ort sei nach Ansicht von Experten extrem hoch, sagte Jaczko. Ohne Wasser können die Brennstäbe in dem Abklingbecken nicht mehr gekühlt werden.

          Amerika rät zu Ausweitung der Schutzzone auf 80 Kilometer

          Die amerikanische Regierung legte amerikanischen Staatsbürgern wegen der massiven Strahlung im Umkreis von 80 Kilometern um das Kraftwerk in Fukushima das Verlassen der Region ans Herz. „Auf der Basis unserer Analyse ist es das, was wir tun würden, wenn sich dieser Vorfall in den USA ereignen würde“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, in Washington. Nach Angaben des Washingtoner Außenministeriums haben die amerikanische Atomregulierungsbehörde NRC, das Energieministerium und andere Experten wissenschaftliche und technische Informationen über die Atomkatastrophe in Fukushima geprüft und auch Angaben der Regierung in Tokio in Betracht gezogen. In Übereinstimmung mit den NRC-Richtlinien für derartige Situationen in den Vereinigten Staaten empfehle man vorsichtshalber eine Evakuierung.

          Um einen Super-GAU in letzter Minute zu verhindern, wollten Techniker des Kraftwerks am Donnerstagmorgen (Ortszeit) mit der Wiederherstellung der Stromversorgung beginnen. Man versuche, eine neue Stromleitung zu legen, so dass die Kühlung wieder in Betrieb genommen werden könne, zitierte der staatliche Sender NHK einen Sprecher des Kraftwerksbetreibers Tepco auf seiner Internetseite.

          Neue Erkenntnisse von Drohne erhofft

          Weil die Lage in dem Kraftwerk weiter äußerst unübersichtlich ist, soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo ein unbemanntes Flugzeug des amerikanischen Militärs mit seinen hochauflösenden Kameras an diesem Donnerstag mehr Klarheit über das Innere der havarierten Reaktoren bringen. Die Drohne Global Hawk hat zudem Wärmebildkameras an Bord.

          Fünf Tage nach der verheerenden Naturkatastrophe wandte sich am Mittwoch (Ortszeit) der japanische Kaiser Akihito an sein Volk. In der ersten reinen Fernsehansprache seiner Herrschaft bekundete der 77 Jahre alte Monarch den Opfern sein Beileid. Die Lage in den Atomkraftwerken bezeichnete er als unberechenbar. (Siehe auch: )

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.