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Atomgespräche : Amerika „von jetzt an mit am Tisch“

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Bedrohungsszenario: Die Grafik zeigt das israelische Raketenabwehrsystem gegen einen möglichen iranischen Angriff Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten nehmen künftig an Gesprächen über Irans Atomprogramm teil. Teheran wurde zu einer neuen Gesprächsrunde eingeladen und will das „konstruktive Angebot“ prüfen. Präsident Ahmadineschad eröffnete die erste Brennstoff-Fabrik.

          Die Vereinigten Staaten wollen künftig direkt an Gesprächen über Irans Atomprogramm teilnehmen. Die Regierung von Präsident Barack Obama werde „von jetzt an mit am Tisch sitzen“, wenn die Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschland mit Teheran berieten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Mittwoch (Ortszeit). „Es gibt nichts Wichtigeres, als Iran davon zu überzeugen, seine Versuche aufzugeben, Atomwaffen zu bekommen“, begründete Außenministerin Hillary Clinton den Schritt. Das gilt als weiterer Bruch Obamas mit der Iran-Politik seines Vorgängers George W. Bush, der direkte Gespräche stets verweigert hatte.

          Die Vereinigten Staaten hätten EU-Chefdiplomat Javier Solana gebeten, Iran zu einer neuen Gesprächsrunde einzuladen, sagte der Ministeriumssprecher. „Wenn Iran zustimmt, hoffen wir auf eine Gelegenheit, mit Iran ernsthaft zu beraten, wie der Stillstand der vergangenen Jahre überwunden werden kann.“ Es gelte, „kooperativ daran zu arbeiten, die bestehenden internationalen Sorgen über das Atomprogramm zu überwinden“, sagte er. „Jeder Durchbruch wäre das Ergebnis der Anstrengungen aller Seiten, einschließlich Irans.“

          „Konstruktives Angebot“

          Iran hat die Einladung zur Teilnahme an den Gesprächen zunächst positiv aufgenommen. Das „konstruktive Angebot“ werde geprüft, sagte ein ranghoher Berater von Präsident Mahmud Ahmadineschad am Donnerstag.

          Vielfältige Bündnisse: Ahamdineschad und Hugo Cahvez Anfang April in Teheran

          Ahmadineschad hatte am Mittwoch Obamas Ruf nach einer atomwaffenfreien Welt begrüßt. „Auch wir unterstützen eine weltweite atomare Entwaffnung und sind bereit, in dieser Hinsicht unseren Beitrag zu leisten“, sagte er nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Das Hauptziel müsse jedoch sein, Länder mit nuklearen Waffen abzurüsten, „nicht das Blockieren von Ländern, die ihre eigene Atomkraft erzeugen wollen“, sagte Ahmadineschad.

          Unterdessen eröffnete der Präsident am sogenannten Nuklear-Tag in der Stadt Isfahan die erste Fabrik für Nuklearbrennstoff des Landes. Das Brennstoff-Werk soll den 40-Megawatt-Forschungsreaktor in Arak unter anderem mit Brennstäben versorgen. Das Werk sei ausschließlich von iranischen Experten errichtet worden, hieß es. Das Land habe damit praktisch die letzte Stufe seines seit langem vorangetriebenen Atomprogramms erreicht und beherrscht nach eigenen Angaben nun den gesamten Prozess zur Herstellung nuklearen Brennstoffs. Der Chef des Atomprogramms, Gholamresa Aghasadeh, sagte am Donnerstag, die Islamische Republik verfüge über eine Technologie, die den Bau perfekter Zentrifugen ermögliche.

          Offiziell will Iran die Atomkraft zur Stromgewinnung einsetzen. Die Vereinigten Staaten und weitere westliche Länder befürchten jedoch, Teheran könnte seine Kenntnisse auch zur Produktion von Atomwaffen nutzen.

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