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Atomgespräche abgebrochen : Kim und Trump finden nicht recht zueinander

Da war die Stimmung noch gut: Kim Jong-un und Donald Trump bei ihrem ersten Gipfeltreffen in Singapur 2018 Bild: AFP

Die festgefahrenen Atomgespräche zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten sollten in Schweden wieder in Gang gebracht werden. Doch daraus wird vorerst nichts. Nordkoreas Unterhändler erklären die Verhandlung für gescheitert, die Amerikaner widersprechen.

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          Noch am Samstagnachmittag hatte sich der amerikanische Außenminister Mike Pompeo zuversichtlich gezeigt, dass nach monatelanger Funkstille zwischen der Regierung in Washington und der nordkoreanischen Führung in Pjöngjang endlich wieder Fortschritte in den Atomgesprächen erzielt werden könnten. Oder wenigstens Schritte in die richtige Richtung. Der erste Austausch zwischen amerikanischen und nordkoreanischen Gesandten sollte nach langer Pause die Grundlage für Verhandlungen „in den kommenden Wochen und Monaten bilden, um nachhaltige Fortschritte zu erreichen“, gab sich Pompeo bei seinem Besuch in Griechenland optimistisch.

          Und dann das: Am Abend folgte die ernüchternde Kunde vom Scheitern der Gespräche in Schweden, zumindest nach Darstellung der nordkoreanischen Seite. Schuld seien die Vereinigten Staaten, sagte der nordkoreanische Unterhändler Kim Myong-gil in Stockholm nach Angaben der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“. Die Gespräche hätten die „Erwartungen“ Pjöngjangs nicht erfüllt und keinerlei Fortschritte gebracht. Washington habe in den Verhandlungen an seiner „üblichen Haltung“ festgehalten. Das amerikanische Außenministerium widersprach dem am Abend, die Gespräche in Stockholm seien „gut“ gewesen, hieß es aus Washington.

          Improvisierte Pressekonferenz in Schweden: der nordkoreanische Unterhändler Kim Myong-gil

          Der „üblichen Haltung“ Amerikas dürfte auf nordkoreanischer Seite eine allerdings nicht minder „übliche Haltung“ entgegengestanden haben. Seit Monaten kommen die Gespräche zwischen den beiden verfeindeten Staaten, die seit den Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Amerikas Präsident Donald Trump auf eine Einigung hinarbeiten wollen, nicht voran. Im Juni hatten sich die beiden nach den großen medial inszenierten Friedensgipfeln in Singapur und später Hanoi in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea getroffen und neue Anläufe auf Arbeitsebene vereinbart. Die fanden nun statt – wie schon häufiger in Schweden, das über offizielle diplomatische Kanäle nach Pjöngjang verfügt und deshalb als Vermittler fungiert.

          Seit den letzten großen nordkoreanischen Raketentests 2017 und der Charmeoffensive Kims 2018, als er eine ranghoch besetzte Delegation zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea schickte, ist die koreanische Halbinsel vergleichsweise friedlich, wenn auch nicht offiziell befriedet. Doch die relative Ruhe ist brüchig: In den vergangenen Wochen ordnete Kim mehrfach Raketentests an.  Wegen seines Raketen- und Atomprogramms wird Pjöngjang seit Jahren von der internationalen Gemeinschaft mit Sanktionen belegt; der Konflikt gilt als einer der gefährlichsten weltweit.

          Die Gespräche stocken, weil Nordkorea eine zumindest teilweise Aufhebung der Sanktionen, die die internationale Gemeinschaft unter Federführung Amerikas verfügt hat, fordert – die amerikanische Seite will dies aber erst in Betracht ziehen, sollte sich das Kim-Regime zu substantiellen Abrüstungsbemühungen verpflichten. Das ist ein strategisches Dilemma, das eigentlich keine Einigung erlaubt und deshalb auf besonders kreative Vorschläge bauen muss. Genau die hatte Pompeo im Vorfeld versprochen, aus Sicht der Nordkoreaner aber offenbar nicht liefern können: Die Amerikaner „weckten Erwartungen, indem sie Vorschläge wie einen flexiblen Ansatz, neue Methoden und kreative Lösungen unterbreiteten. Sie haben uns jedoch sehr enttäuscht und unsere Begeisterung für Verhandlungen gedämpft, indem sie nichts auf den Verhandlungstisch gelegt haben“, sagte Nordkoreas Unterhändler Kim dazu.

          Wie es nun weitergeht, ist völlig unklar. Die schwedischen Gastgeber haben für eine weitere Gesprächsrunde eingeladen – die Amerikaner haben wohl zugesagt. Ob die Nordkoreaner auch erscheinen werden, ist noch nicht klar.

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