https://www.faz.net/-gpf-8hknf

Putin in Griechenland : Athen und Moskau wollen Kooperation weiter ausbauen

  • Aktualisiert am

Hatten einiges zu bereden: Wladimir Putin und Alexis Tsipras Bild: dpa

Russlands Präsident Putin ist zu Besuch in Griechenland. Beim Treffen mit Premier Alexis Tsipras stellt er Investitionen russischer Firmen in Aussicht - und spricht auch über das angespannte Verhältnis zur Türkei.

          Russland und Griechenland setzen trotz zahlreicher Schwierigkeiten ihre Kooperation fort und wollen sie weiter ausbauen. Dies teilten am Freitag der russische Präsident Wladimir Putin und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras nach einem Treffen in Athen mit. Am Samstag will Putin die Hochburg der christlichen Orthodoxie, die Mönchsrepublik Berg Athos in Nordgriechenland, besuchen.

          Putin sagte, Russland habe die Pläne für den Bau einer Gaspipeline über das Schwarze Meer nach Griechenland und weiter nach Italien nicht aufgegeben. Der Bau einer solchen Leitung durch die Türkei war wegen russisch-türkischer Streitigkeiten gescheitert. Russland warte nach den Worten Putins nach dem Abschuss eines russischen Flugzeuges durch die türkische Luftabwehr auf Erklärungen. „Diese haben wir noch nicht bekommen (aus Ankara)“, sagte Putin.

          Der Kremlchef deutete Gesprächsbereitschaft mit der Türkei an. „Wir wollen auch die Beziehungen wieder aufnehmen“, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge. „Es waren nicht wir, die sie zerstört haben.“ Das Verhältnis zwischen Moskau und Ankara ist zerrüttet, seit das türkische Militär im November ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen hat.

          Annexion der Krim ein für alle Mal beendet

          In Europa sei die Stationierung von amerikanischen Luftabwehrraketen in Rumänien „keine gute Entwicklung“, meinte Putin weiter. Es werde Gegenmaßnahmen geben. Dies gelte auch für Polen, sagte Putin ohne zu klären, welche diese sein könnten.

          Bezüglich der Sanktionen des Westens gegen Russland, meinte Putin, sobald sie aufgehoben sind, werde Moskau entsprechende Schritte machen. Die Annexion der Halbinsel Krim sei ein für alle Mal beendet, sagte Putin.

          Russische Firmen hätten Interesse am Kauf griechischer Staatsunternehmen, erklärte Putin. Er nannte griechische Eisenbahnen und den Hafen von Thessaloniki. Nach seinen Worten wollen viele Russen nach Griechenland reisen: „Eine Million Russen werden dieses Jahr (in Griechenland) erwartet“, sagte Putin.

          „Unsere Kooperation ist von strategischer Bedeutung für Griechenland“

          Beide Staaten verbindet der gemeinsame christlich-orthodoxe Glaube. Am Samstag wird der Kremlchef zur Autonomen Mönchsrepublik Berg Athos pilgern. Sie gilt als Hochburg des orthodoxen Christentums. An den Feierlichkeiten auf dem Berg Athos wird auch der russische Patriarch Kyrill teilnehmen. Damit setze Putin seine Politik fort, die Religion für seine Innenpolitik einzusetzen, hieß es aus Diplomatenkreisen in Athen.

          Auch Tsipras hoffe, aus Putins Besuch innenpolitisch Gewinn zu ziehen, indem er sich nach Osten öffne, hieß es. Die engen Kontakte mit Putin und Russland stehen im Kontrast zu den von der EU verhängten Sanktionen wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim.

          „Unsere Kooperation ist von strategischer Bedeutung für Griechenland“, sagte Tsipras. Griechenland habe zwar tiefe Wurzeln in Europa, im Westen und der Nato, es zögere aber nicht, seine Beziehungen auch im Osten Europas auszubauen, fügte er hinzu.

          Weitere Themen

          Die da oben

          FAZ Plus Artikel: Populismus : Die da oben

          Populisten geben sich gerne als Männer und Frauen des Volkes. Am Beispiel der AfD kann man jedoch sehen: Kritiker der „Elite“ sind meist elitärer, als ihre Rhetorik vermuten lässt.

          Solidarität in der Flüchtlingsfrage?

          Migrationsgipfel auf Malta : Solidarität in der Flüchtlingsfrage?

          Auf dem Minigipfel auf Malta wird sich zeigen, ob es in der Flüchtlingsfrage eine Lastenteilung in der EU gibt oder ob es beim Widerstreit nationaler Interessen bleibt. Selbst eine Einigung könnte noch viele Probleme offen lassen.

          Topmeldungen

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Einer für alles: Aktuelle Samsung-Fernseher haben auch die Apple-TV-App installiert.

          Video-Streaming im Überblick : Was gibt es da zu glotzen?

          Netflix, Amazon, Sky und jetzt noch Apple: Video-Streaming ersetzt immer mehr das klassische Fernsehen. Das Angebot wird vielfältiger und der Zugang komfortabler.
          Stephan E. soll den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben.

          Geheimpapier : Falsche Angaben im Fall Lübcke?

          Der hessische Verfassungsschutz soll im Vorfeld mehr über Lübckes mutmaßlichen Mörder gewusst haben, als zunächst zugegeben wurde. Ein Geheimpapier belastet die Behörde.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.