https://www.faz.net/-gpf-a3704

Griechische Regierung zu Moria : Bislang keine Hinweise auf Todesopfer durch Brand

  • Aktualisiert am

Ein Junge blickt auf das niedergebrannte Flüchtlingslager Moria auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos. Bild: dpa

Der Großbrand habe das Zentrum der Asylbehörde mitsamt der Archive zerstört, heißt es aus Athen. Die Lage vor Ort sei weiter unübersichtlich, berichten zwei Medizinerinnen, die in Moria im Einsatz sind.

          2 Min.

          Bei dem Großbrand in und um das Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind nach Angaben der Regierung in Athen keine Menschen ums Leben gekommen. Gut 400 unbegleitete Minderjährige seien in Sicherheit gebracht worden und sollen bald zum Festland gebracht werden, teilte der stellvertretende griechische Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Athen mit. Der Brand sei am späten Dienstagabend während Protesten von Migranten ausgebrochen, die nicht in die Isolation gehen wollten, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, hieß es.

          Wie viele Menschen durch das Feuer obdachlos geworden sind, soll nach einer Inspektion bekanntgegeben werden, die auf Lesbos bereits begonnen hat, teilte Koumoutsakos weiter mit. Das Zentrum der Asylbehörde im Lager sei zerstört worden. Die Archive seien verlorengegangen, hieß es.

          Ärzte ohne Grenzen forderte Griechenland unterdessen auf, die Migranten von der Insel zu holen. Francisca Bohle-Carbonell, die für die Klinik der Hilfsorganisation in Moria verantwortlich ist, sagte der F.A.Z. am Telefon: „Unsere Klinik wurde nicht vom Brand erwischt, aber wir mussten nun alles anhalten. Wir haben viele Panikattacken gesehen, viele Leute, die Schmerzen haben.“ Die medizinische Situation habe sich nach dem Brand noch einmal verschlechtert.

          „Das kann niemand aushalten“

          Bohle-Carbonell ist zum zweiten Mal auf Lesbos. Sie sagt: „Es ist sehr dramatisch hier in Moria und es war schon vor fünf Jahren dramatisch. Von Tag zu Tag wird es schlimmer.“ So viele Menschen auf so kleinen Raum, das habe nicht gutgehen können. „Die Lebensbedingungen in Moria waren und sind extrem schlimm. Das kann niemand aushalten.“

          Moria ist das größte Flüchtlingslager Griechenlands und Europas. Es ist seit Jahren heillos überfüllt, zuletzt lebten dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12.600 Flüchtlinge und Migranten – bei einer Kapazität von gerade mal 2800 Plätzen.

          „Wir haben etwa 70 bis 80 Prozent unserer medizinischen Versorgungsmaterialien verloren“, sagte Verena Würz, die für „Kritinos Healthcare“ in Moria ist, der F.A.Z. am Mittwochnachmittag am Telefon. „Wir müssen uns organisieren, schauen, wie wir darauf reagieren können, müssen improvisieren.“ Ihre Organisation habe ihre Klinik aufgeben müssen.

          „Wir stehen hier in den Rauchschwaden des Camps und können nichts machen“, sagte die Essener Medizinstudentin. Einen genauen Überblick über die Lage habe sie noch nicht. Die meisten Menschen seien vor dem Brand geflohen. Einige suchten in den Trümmern nach dem wenigen Hab und Gut, das sie besaßen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          „Das Sterben beenden“: Soldaten vor dem Einsatz im Gesundheitsamt in Dortmund – künftig sollen sie auch in Pflegeheimen zeitlich befristet helfen.

          Bundeswehr im Pflegeheim : Bis jemandem der Kragen platzte

          Warum Soldaten Pflegeheime beim Schutz vor dem Virus unterstützen – und nicht Freiwillige, die nur darauf gewartet hatten, zu helfen. Eine Rekonstruktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.