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Asyl in Russland : „Snowden geht es gut“

  • Aktualisiert am

Eine Kopie des russischen Reiseausweis für Flüchtlinge von Edward Snowden Bild: REUTERS

Russland gewährt Edward Snowden Asyl - das sorgt international für Aufsehen. Nach „Guardian“-Angaben ist der ehemalige NSA-Mitarbeiter wohlauf. Der Republikaner John McCain spricht von einem „Schlag ins Gesicht aller Amerikaner“.

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          Edward Snowden ist nach Angaben seines Vertrauten Glenn Greenwald wohlauf. Dem 30 Jahre alten Whistleblower, der von den Vereinigten Staaten zu Fahndung ausgeschrieben ist, gehe es nach der Asylgewährung in Russland gut, sagte der „Guardian“-Redakteur Greenwald im ARD-Morgenmagazin. „Unsere nächsten Schritte werden sein, einen Weg zu finden, wie er ein anständiges und sicheres Leben führen kann, solange er in Russland ist.“

          Laut Greenwald sei es mit den Ausspähprogrammen des amerikanischen Geheimdienstes NSA möglich, Milliarden Internetnutzer detailliert und in Echtzeit auszuforschen. „Im wesentlichen ermöglicht dieses Programm, buchstäblich alle Aktivitäten von irgendeinem Nutzer im Internet zu überwachen und zu durchsuchen“, sagte der Journalist, der die Ausspähaffäre in Zusammenarbeit mit Snowden publik gemacht hat. „Die amerikanische Regierung kann behaupten, was sie will. Aber die Dokumente, die wir haben, sind eindeutig.“

          Weißes Haus: „Wir sind sehr enttäuscht“

          In den Vereinigten Staaten wurde die Nachricht des gewährten Asyls in Russland für Edward Snowden mit Missfallen aufgenommen. „Wir sind sehr enttäuscht, dass die russische Regierung diesen Schritt trotz unserer offenen wie auch vertraulichen Anfragen vollzogen hat“, gab der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, bekannt. Die Entscheidung Moskaus untergrabe eine seit langem bestehende Zusammenarbeit in der Strafverfolgung, die nach den Terroranschlägen beim Boston-Marathon einen Aufschwung erlebt habe.

          Aus dem amerikanischen Außenministerium hieß es, die Regierung sei vorab nicht über den Schritt Russlands informiert gewesen. Ob es trotzdem ein Treffen zwischen Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin im Rahmen des G20-Gipfels in St. Petersburg geben wird, muss nach Angaben Carneys noch überdacht werden. Er stellte aber bereits klar: „Dies ist keine positive Entwicklung.“

          Drastische Kritik am Kreml

          Weniger diplomatisch drückten sich einige amerikanische Senatoren aus. „Russlands heutige Tat ist eine Schande und eine absichtliche Anstrengung, die Vereinigten Staaten zu blamieren“, teilte etwa der Republikaner und ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain mit. Der Senator fordert, dass die amerikanische Regierung ihre Beziehungen zu Russlands Präsidenten Vladimir Putin fundamental überdenken müsste. Das Asyl für Snowden sei „ein Schlag ins Gesicht aller Amerikaner.“

          Der New Yorker Senator Charles E. Schumer wählte noch martialischere Worte: „Russland hat uns in den Rücken gestochen und jeder Tag, an dem Mr. Snowden erlaubt wird frei umherzulaufen, ist wie Drehen des Messers.“ Edward Snowden sei ein Feigling, der sich fürs Weglaufen entschieden habe - der Präsident sollte darüber nachdenken, den G-20-Gipfel in St. Petersburg verschieben zu lassen.

          Vater Lon Snowden Russland dankbar

          Der Aufenthaltsort Edward Snowdens ist weiterhin unklar. Sein Vater Lon erklärte derweil gegenüber dem russischen Sender Russia 24, er sei Russland sehr dankbar. Die Entscheidung seinem Sohn Asyl zu gewähren verdiene Respekt. Er liebe seinen Sohn und freue sich darauf, ein Visum für Moskau zu bekommen, um ihn zu besuchen.

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