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Norden bleibt zurückhaltend : Warum Dänemark und Norwegen weiter nicht mit Astra-Zeneca impfen

Die Skepsis ist weiterhin groß: Vergangene Woche hat die Europäische Arzneimittelbehörde den Astra-Zeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung für „sicher und wirksam“ befunden. Bild: Reuters

Norwegen setzt die Impfungen mit Astra-Zeneca weiter aus. Zusätzliche Studien seien nötig, heißt es von der Gesundheitsbehörde. In Schweden wird der Impfstoff jetzt für Menschen ab 65 Jahren empfohlen.

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          Im Norden Europas bleibt die Zurückhaltung gegenüber dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astra-Zeneca weiterhin groß. Nach Dänemark hat nun auch Norwegen entschieden, die Impfungen mit dem Mittel weiter auszusetzen. Vor einer Wiederaufnahme der Impfungen müssten noch weitere Studien vorgenommen werden, teilte die norwegische Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Die Aussetzung wurde damit bis Mitte April verlängert.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die Impfungen waren zunächst in mehreren Ländern Europas ausgesetzt worden, wegen einer ungewöhnlichen Häufung von seltenen Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Präparat von Astra-Zeneca. Aufgefallen waren vor allem Sinusvenenthrombosen, ein sehr seltenes Blutgerinnsel im Gehirn. Es gab vereinzelte Todesfälle. Am Donnerstag vergangener Woche hatte die Europäische Arzneimittelbehörde Ema nach einer Überprüfung den Impfstoff aber für „sicher und wirksam“ befunden. Der Nutzen überwiege die Risiken.

          Dänemark hat weiterhin Bedenken

          Der Impfstoff sollte mit der Warnung versehen werden, dass er in möglichen seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 55 Jahren verursachen könnte. In Schweden wird ähnlich wie in Finnland und Island der Astra-Zeneca-Impfstoff jetzt für ältere Menschen ab 65 Jahren empfohlen, weil die ernsthaften Nebenwirkungen nur bei jüngeren Geimpften aufgetreten seien. Seit einer Woche wird in Deutschland wieder mit Astra-Zeneca geimpft, empfohlen wird der Impfstoff für alle Altersgruppen.

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          Dänemark hatte die Impfungen mit Astra-Zeneca als erstes Land in Europa ausgesetzt, und bereits kurz nach der Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde mitgeteilt, dass man bei der Aussetzung bleibe. Am Donnerstag teilte die zuständige dänische Gesundheitsbehörde mit, die Aussetzung um weitere drei Wochen bis Mitte April zu verlängern. Nach Gesprächen mit Experten gebe es noch immer Bedenken, teilte Søren Brostrøm, der Direktor der Behörde mit. Man werde weiter prüfen, wie hoch das Risiko für bestimmte Gruppen für die Nebenwirkungen sei.

          Heftige Immunantwort als Ursache?

          Tatsächlich scheint bislang nicht ausgeschlossen werden zu können, dass es in ganz seltenen Fällen womöglich einen Zusammenhang zwischen den Thrombosen und einer Impfung gibt. Zumindest hatte sich vergangene Woche der norwegische Mediziner Pål Andre Holme in diesem Sinne geäußert. In einem Zeitungsinterview sagte er, dass eine starke Immunantwort zu den Thrombosen führe, die höchstwahrscheinlich durch den Impfstoff verursacht werde.

          Auch Mediziner der Universitätsmedizin in Greifswald hatten nach den Untersuchungen der Blutproben betroffener Patienten vermeldet, den wahrscheinlichen Mechanismus hinter der Nebenwirkung erkannt zu haben, und auch eine Therapie empfohlen. Demnach hätten die betroffenen Patienten bestimmte Antikörper entwickelt, die sich an die roten Blutplättchen binden und diese aktivieren. Das könnte zu einer Verklumpung führen.

          Ob diese speziellen Antikörper aber durch die Impfung als solche entstehen, den spezifischen Vektor beim Impfstoff von Astra-Zeneca, oder durch eine anschließende Entzündungsreaktion, ist nicht abschließend geklärt. Andreas Greinacher, der Leiter der Transfusionsmedizin in Greifswald, hatte geäußert, man könne sagen, es werde „sehr, sehr selten jemand diese Komplikation entwickeln“, aber wenn sie auftrete, sei jetzt klar, wie diese Patienten behandelt werden müssten und wie diese Komplikation gezielt adressiert werden könnte.

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