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Corona-Impfstoff : Astra-Zeneca liefert noch weniger

Die Probleme mit dem Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca reißen nicht ab. Bild: dpa

Ursprünglich wollte Astra-Zeneca der EU bis Jahresmitte 300 Millionen Dosen liefern. Mittlerweile kalkuliert der Hersteller nur noch mit 100 Millionen. Derweil reagiert auch Irland auf Zweifel an der Verträglichkeit.

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          Die Versorgung mit Covid-Impfstoff droht in der EU auch im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Das zeichnet sich ab, nachdem der schwedisch-britische Pharmakonzern Astra-Zeneca (AZ) am Wochenende ein weiteres Mal Lieferausfälle angekündigt hat. Demnach fällt das Liefervolumen im ersten Vierteljahr noch einmal um zehn Millionen Dosen hinter die ohnehin schon deutlich nach unten korrigierten Pläne zurück. Jetzt plant AZ bis Ende März noch mit einer Gesamtmenge von 30 Millionen Dosen.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Stärker ins Gewicht fällt, dass das Unternehmen seine Ausfälle - anders als zunächst angekündigt - im zweiten Quartal nicht aufholen kann, sondern fürs gesamte erste Halbjahr insgesamt nur noch mit 100 Millionen Dosen plant. Bisher war die Rede von 220 Millionen Dosen. Im Vertrag mit der EU-Kommission vom August hatte AZ ursprünglich zugesagt, bis Ende Juni nach besten Kräften („best efforts“) die gesamte Bestellmenge von 300 Millionen Dosen zu liefern.

          Der AZ-Impfstoff ist unter den von der EU bestellten der mit Abstand billigste. Einige EU-Staaten haben deshalb im vergangenen Jahr vor allem auf ihn gesetzt und aus dem EU-Gesamtkontingent weniger oder gar nichts von den teureren Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna bestellt. Diese haben sich mittlerweile nicht nur als besonders wirksam herausgestellt, sie wurden bisher auch weitgehend problemlos geliefert. Aus den übrig gebliebenen Restkontingenten der beiden teuren Stoffe haben sich einige Staaten zusätzliche Mengen beschafft. Dadurch hat sich die tatsächliche Verteilung des Impfstoffs unter den Ländern zunehmend von der vereinbarten Quote nach Bevölkerungszahl entfernt.

          Diese Ungleichverteilung dürfte sich angesichts der AZ-Lieferschwierigkeiten noch verschärfen. Deshalb protestieren jetzt jene Länder, die vor allem auf AZ gesetzt haben. Das derzeitige Bestellsystem werde bis in den Sommer zu weiteren Ungleichheiten führen, beklagen sechs Länder - Österreich, Kroatien, Slowenien, Tschechien, Bulgarien und Lettland - in einem Brief an Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel. Deshalb müsse über die „Brüsseler“ Bestellpolitik (die in Wirklichkeit von allen Mitgliedstaaten so vereinbart war) neu verhandelt werden.

          Weiter Schwierigkeiten bei der Produktion in Belgien

          Unmittelbarer Grund für die abermaligen Lieferprobleme von AZ bleiben offenbar die Anlaufschwierigkeiten bei der Produktion in einem Werk des Auftragsfertigers Thermo-Fisher in Belgien. Anders als zunächst zugesagt kann der Hersteller die Ausfälle aber nicht über Lieferungen aus Nicht-EU-Staaten kompensieren. Die Vereinigten Staaten und Indien haben de facto ein Exportverbot verhängt, in Großbritannien existierten „vertragliche Hindernisse für die Ausfuhr“ in die EU, wie der schwedische Impfkoordinator Richard Bergström im schwedischen Radio sagte. Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), kritisierte das Unternehmen am Wochenende wegen der Lieferprobleme abermals und forderte ein generelles Exportverbot für AZ-Impfstoff, der in der EU produziert wird.

          Belastet wird der Hersteller unverändert durch Zweifel an der Verträglichkeit seines Impfstoffs. Am Sonntag empfahl auch die Impfkommission Irlands, die Impfungen mit dem AZ-Vakzin auszusetzen, bis Berichte aus Norwegen über vier Fälle schwerer Blutgerinnsel nach Verabreichung des Mittels geprüft seien. Nach Berichten norwegischer Medien haben auch Italien, Österreich, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen und Luxemburg die AZ-Verimpfung ausgesetzt. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA blieb allerdings bei ihrer Einschätzung, dass der Nutzen der Verimpfung des AZ-Mittels größer sei als die Risiken.

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