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Assad und Abdullah in Beirut : Einen neuen Bürgerkrieg verhindern

Der saudische König Abdullah und Syriens Präsident Baschar al Assad bei der Ankunft in Beirut. Bild: AP

Die Staatschefs von Syrien und Saudi-Arabien sind in den Libanon gereist. Sie wollen dort einen neuen Krieg verhindern. Als 2005 der libanesische Ministerpräsident Hariri ermordet wurde, beschuldigten viele Damaskus. Jetzt deutet vieles auf die Hizbullah: Syrien scheint rehabilitiert.

          Fünf Jahre lang war das undenkbar: Der Libanon heißt Bashar al Assad, den syrischen Staatspräsidenten, willkommen. Nach dem Mord am früheren Ministerpräsidenten Rafiq al Hariri musste Syrien, das den Libanon 29 Jahre kontrolliert hatte und das in den Anschlag verwickelt gewesen sein soll, das Land mit Schimpf und Schande verlassen. Am Freitag hießen aber Spruchbänder Assad auf dem Weg vom Flughafen zum Präsidentenpalast in Vorort Baabda willkommen, eingerahmt von den Flaggen Syriens und Saudi-Arabiens sowie den Porträts Assads und des saudischen Königs Abdullah.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ausgerechnet der Mord an Hariri brachte Assad nach Beirut zurück. Denn die sich abzeichnende Anklage des Hariri-Sondertribunals gegen Mitglieder der Hizbullah hat im Libanon die Furcht vor einer neuen Runde blutiger Auseinandersetzungen heraufbeschworen. Assad und Abdullah waren gemeinsam nach Beirut gereist, um die Spannungen zu entschärfen und den inneren Frieden zu erhalten.

          Die bevorstehende Anklage gegen Mitglieder der Hizbullah mischt aber auch die Karten in der Region neu. Denn Syrien könnte sich damit einen Rivalen auf Distanz halten, und Iran könnte im Falle eines Angriffs gegen seine Atomanlagen nicht mehr wie bisher für Vergeltungsschläge gegen Israel auf die Hizbullah setzen.

          Historisches Treffen: Der libanesische Präsident Suleiman trifft mit dem saudischen König Abdullah (Mitte) und Syriens Präsident al Assad (links).

          Bevor sie aus Damaskus abflogen, hatten sich Assad und Abdullah, so die syrische Nachrichtenagentur Sana, darauf verständigt, alles zu tun, um im Libanon den Frieden zu erhalten, der mit der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit eingekehrt war. Außerdem wollen sie zwischen den Konfliktparteien eine neue Basis gegenseitigen Vertrauens schaffen. Ein Konflikt wie im Mai 2008, als die Hizbullah für wenige Tage Beirut kontrolliert und besetzt hatte, dürfe sich nicht wiederholen. Gemeinsam wollten sie diese Botschaft in Beirut überbringen.

          Ein Auftritt von hohem symbolischem Wert

          Ihr gemeinsamer Auftritt hatte einen hohen symbolischen Wert. Denn bisher stehen sie auf entgegengesetzten Seiten: Assad als Fürsprecher der Schiiten und damit der Hizbullah, Saudi-Arabien als Schutzherr der Sunniten und damit von Ministerpräsident Saad al Hariri. Im Oktober 2009 war Abdullah nach Jahren frostiger Beziehungen nach Damaskus gereist, um Syrien langsam aus der iranischen Umklammerung zu lösen. Die Idee zu dem gemeinsamen Auftritt in Beirut ist am 18. Juli geboren worden, als Hariri zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt im November 2009 in Damaskus zu Konsultationen bei Assad war. Anwesend war auch Abdalaziz Bin Abdullah, der Sohn des saudischen Königs, dessen Mutter eine Syrerin ist und den mit Assad eine Freundschaft verbinden soll.

          König Abdullah war aus Ägypten kommend in Damaskus gelandet. Im Badeort Scharm al Scheich hatte er mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Mubarak konferiert. Es war es ihm offenbar nicht gelungen, das Eis zwischen Mubarak und Assad zu brechen. Zu weit liegen die Interessen der beiden auseinander. Bei den Palästinensern setzt Mubarak auf Palästinenserpräsident Abbas, Assad auf die Hamas. Ägypten geht auf maximale Distanz zu Iran, Syrien ist offiziell weiter mit Iran liiert.

          Am frühen Freitagnachmittag kamen Assad und Abdullah in Beirut an. Im Präsidentenpalast konferierten sie während eines Arbeitsessens mit dem libanesischen Staatspräsidenten Sulaiman. Anwesend waren Hariri und der schiitische Parlamentssprecher Berri sowie zahlreiche Minister und Abgeordnete, die alle großen politischen Gruppen des Landes vertreten. Assad und Abdullah sollen, so libanesische Quellen, darauf gedrungen haben, Konflikte friedlich beizulegen und nicht zur Waffe zu greifen. Während des Essens soll es zu einem ersten Kontakt des saudischen Königs mit der Hizbullah gekommen sein, als er mit dem Vorsitzenden der Hizbullah im Parlament sprach. Bemerkenswert war ebenfalls das erste Gespräch zwischen Sethrida Geagea, deren Mann Samir Geagea während des Bürgerkriegs die antisyrische Miliz der Forces Libanaises befehligt hatte, und Assad.

          Die Beziehungen zwischen Syrien und der Hizbullah haben sich verschlechtert

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