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Zwischen China und Japan : Tauwetter?

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Ein unentspannter Handschlag: Shinzo Abe (links) und Xi Jinping Bild: AP

Der Handschlag zwischen Xi Jinping und Shinzo Abe darf nicht eine leere Geste bleiben, denn der Streit zwischen China und Japan hat immer noch das Potential für einen großen internationalen Konflikt.

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          Man musste den beiden Herren nur ins Gesicht schauen, um zu sehen, wie wenig Gefallen sie an dem fanden, was ihnen das Protokoll auferlegt hatte. Aber es geschah für einen guten Zweck. Denn vor der Begegnung ihrer Spitzenrepräsentanten hatten China und Japan zwei Jahre lang nur übereinander geredet, nicht mehr miteinander.

          Diese diplomatische Eiszeit soll mit dem Treffen von Staatschef Xi Jinping und Ministerpräsident Shinzo Abe beendet sein. Man muss hoffen, dass es nicht nur bei einer leeren Geste bleibt, denn der Streit zwischen China und Japan hat immer noch das Potential für einen großen internationalen Konflikt, an dem niemand ein Interesse haben kann.

          Symbolische Gemeinheiten

          Wie vergiftet die Atmosphäre trotz allem noch ist, konnte man an einer kleinen Gemeinheit ablesen, die sich die chinesischen Gastgeber nicht verkneifen mochten. Der Gast musste vor laufenden Kameras warten, bis sich der Gastgeber einfand, um sich im Blitzlichtgewitter einen Händedruck abzuringen. Versuche Abes, ein kurzes Gespräch anzufangen, wehrte Xi Jinping ab. Dass es hinter verschlossenen Türen wesentlich entspannter zugegangen sein soll, kann man sich kaum vorstellen.

          Japan zahlt jetzt einen hohen diplomatischen Preis für das zuweilen instinktlose Verhalten seiner führenden Repräsentanten in Bezug auf die kriegerische Vergangenheit des Landes. Es hat anerkennen müssen, dass es einen Streit um die Senkaku-Inseln gibt, die China als Diaoyu-Inseln für sich beansprucht. Das wird den Chinesen, die sich in solchen Konflikten dadurch auszeichnen, dass sie geduldig jede sich bietende Chance nutzen, erst einmal reichen.

          Der Händedruck mit Abe ist ein Signal Xi Jinpings an die Außenwelt, die nur zu gerne daran glauben möchte, dass China nichts als Frieden im Sinn hat. Der unfreundliche Gesichtsausdruck soll den Nationalisten in China zeigen, dass Xi in entscheidenden Fragen nicht nachgeben wird.

          Durch die Zustimmung zu Gesprächen mit Tokio schafft es China vielleicht auch, die Amerikaner zu beruhigen, die die Expansionsbestrebungen Pekings kritisch sehen. Eine Entspannungsgeste hatte auch Präsident Obama im Gepäck. Neue Visaregelungen sollen Chinesen und Amerikanern das Reisen erleichtern. Es läuft zur Zeit ziemlich gut für Peking. Als Gegenleistung für symbolische Gesten bekommt es handfeste Vorteile.

          Peter Sturm
          (pes.), Politik

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