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Ehemalige Zwangsprostituierte : Späte Genugtuung für die geschändeten Frauen

Langer Kampf um Gerechtigkeit: Ehemalige „Trostfrauen“ auf einer Pressekonferenz am Montag in Gwangju Bild: Reuters

Tokio hat sich erstmals öffentlich bei den koreanischen Zwangsprostituierten in japanischen Kriegsbordellen entschuldigt. Umgerechnet 7,6 Millionen Euro fließen an eine koreanische Stiftung. Von einer wirklichen Aussöhnung kann jedoch noch nicht die Rede sein.

          Die Außenminister verbreiteten großen Optimismus. „Endgültig und unwiderruflich“ hätten sie ein Problem gelöst, das die Beziehungen zwischen Südkorea und der ehemaligen Kolonialmacht Japan seit Jahrzehnten schwer belastete. Der japanische Außenminister Fumio Kishida trug in Seoul eine persönliche Entschuldigung von Ministerpräsident Shinzo Abe an die Frauen vor, die während des Zweiten Weltkriegs von der japanischen Armee in Frontbordellen als Zwangsprostituierte festgehalten worden waren.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Für die in Japan beschönigend „Trostfrauen“ genannten Opfer – in Korea leben heute noch 46 von ihnen – zahlt Tokio aus staatlichen Mitteln umgerechnet 7,6 Millionen Euro an eine von der koreanischen Seite zu gründende Stiftung. Diese solle, sagte der südkoreanische Außenminister Yun Byung-se, Projekte finanzieren, „um die Ehre und Würde der Frauen wiederherzustellen und die Wunden auf ihren Seelen zu heilen“. Südkorea und Japan verpflichten sich, künftig auf internationaler Ebene, zum Beispiel bei den Vereinten Nationen, auf wechselseitige Vorwürfe zu diesem Thema zu verzichten.

          Für Südkorea besonders wichtig bei dieser Vereinbarung ist zum einen die persönliche Entschuldigung Shinzo Abes sowie zum anderen die Zahlung aus dem Staatshaushalt an die Stiftung. Letzteres, so die südkoreanische Lesart, bedeute, dass der japanische Staat zum ersten Mal ausdrücklich die Verantwortung für die Missetaten der Armee während des Krieges übernehme. Schon 1995 hatte Japan einen Entschädigungsfonds für Opfer aus Korea und anderen asiatischen Staaten eingerichtet. Das Geld kam damals allerdings aus privaten Quellen, was in Korea immer als Versuch Japans verstanden wurde, sich als Staat aus der historischen Verantwortung zu stehlen.

          Die Übereinkunft ist offenbar so gefasst, dass sie in dieser Frage jeder Seite Raum für Interpretationen lässt. In Japan wird hervorgehoben, dass es sich bei den Millionen nicht um Reparationen, sondern um eine aus humanitären Gründen geleistete Zahlung handele. Damit könnte Abe die nationalistische Rechte im Land befrieden, die ihm seine Entschuldigung sicher persönlich übelnehmen wird, obwohl er diese – was wiederum nur in Japan erwähnt wird – ausdrücklich nur „als Ministerpräsident“ abgab.

          Symbol der Unterdrückung

          Wie Abe, der durchaus als überzeugter Nationalist gelten darf, die Dinge persönlich sieht, ist nicht bekannt. Seine offizielle Position bekräftigte Abe am Abend in einem Telefonat mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye. Ein Treffen beider am 2. November hatte den Weg für die Vereinbarung vom Montag geebnet. Park hatte auf eine Lösung für das „Trostfrauen“-Problem bis Jahresende gedrungen. 2015 hätte eigentlich ein Jubiläumsjahr sein sollen. Die beiden großen Demokratien in Nordostasien hatten nämlich vor 50 Jahren normale diplomatische Beziehungen aufgenommen.

          Mit dem 1965 geschlossenen Abkommen, so die japanische Lesart bis jetzt, seien alle wechselseitigen Ansprüche abgegolten. Südkorea hatte sich gegen diese Interpretation stets gewehrt und argumentiert, die Versklavung von Frauen sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das nicht durch eine allgemeine Übereinkunft zweier Staaten aus der Welt geschafft werden könne.

          Aus der Welt, zumindest aber außer Sichtweite möchte Japan ein Symbol der Unterdrückung der Frauen geschafft sehen. Vor der japanischen Botschaft in Seoul hatten Unterstützer der Opfer im Dezember 2011 eine Statue errichtet. Diese zeigt ein junges Mädchen und sollte Japan für alle Zeit an seine historische Verantwortung und Schuld erinnern.

          Kein ungeteilter Jubel

          Der japanische Außenminister sagte am Montag, sein Land erwarte, dass die Statue „in angemessener Weise“ an einen anderen Ort verlegt werde. Südkorea habe Verständnis für die japanische Position geäußert, wonach die Sicherheit des Botschaftsgebäudes in Gefahr sei. Seit mehr als zwanzig Jahren protestieren Überlebende der Frontbordelle und ihre Unterstützer jeden Mittwoch gegen die ehemalige Kolonialmacht, die Korea von 1910 bis 1945 kontrollierte. Dabei geht es zuweilen sehr emotional zu.

          Zurückhaltend äußerte sich zum Thema „Statue“ der südkoreanische Außenminister. Yun Byung-se versprach dem japanischen Besucher, seine Regierung werde in Konsultationen mit Organisationen, die mit dem Thema befasst seien, eine „angemessene Lösung“ suchen.

          Diese Zurückhaltung der Regierung in Seoul ist möglicherweise sehr angebracht. Zwar hat Japan überraschend viele Zugeständnisse gemacht, mehr jedenfalls, als nach den Berichten der vergangenen Tage zu erwarten gewesen war. Aber trotzdem ist in Südkorea nach Bekanntwerden des Abkommens kein ungeteilter Jubel ausgebrochen. Einige Opfer äußerten sich enttäuscht. Ihnen sei es nie um Geld gegangen. Vielmehr hätten sie stets größten Wert darauf gelegt, dass Japan offiziell juristisch die Verantwortung für die Versklavung der Frauen übernehme. Das sehen sie durch die Übereinkunft vom Montag nicht gewährleistet. In diesem Sinne äußerten sich auch Vertreter der parlamentarischen Opposition in Seoul.

          Hindernis für gute Beziehungen seit Kriegsende

          Das Thema „Trostfrauen“ ist zwar seit Kriegsende ein Hindernis für wirklich gute Beziehungen zwischen Japan und Südkorea. Eine größere Öffentlichkeit nimmt aber erst seit den neunziger Jahren, seit diese ihre großangelegten Proteste begannen, Notiz vom Schicksal der Frauen. Erst seit dieser Zeit zahlt der südkoreanische Staat den Opfern eine monatliche Rente. Die andauernden Proteste führten letztlich auf beiden Seiten zu einer Verhärtung der Positionen.

          Das offizielle Japan, das sich sowieso schwertut mit der kriegerischen Vergangenheit des Landes, wollte sich auf keinen Fall von Korea in eine Position manövrieren lassen, die weitgehende Ansprüche an den Staat begründet hätte. Alle südkoreanischen Regierungen seit 1993 standen andererseits unter dem wachsenden Druck einer emotionalisierten Öffentlichkeit, die durch den japanischen Umgang mit dem Thema „Trostfrauen“ ihr negatives Bild des ehemaligen Unterdrückers der koreanischen Nation bestätigt sah.

          Die Übereinkunft vom Montag, die womöglich demnächst bei einem Treffen von Präsidentin Park Geun-hye mit Ministerpräsident Shinzo Abe in den Vereinigten Staaten bestätigt werden soll, könnte den Weg zu einer nachhaltigen Entspannung weisen. Aber Aussöhnungsprozesse zwischen Nationen brauchen ihre Zeit.

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