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Ehemalige Zwangsprostituierte : Späte Genugtuung für die geschändeten Frauen

Aus der Welt, zumindest aber außer Sichtweite möchte Japan ein Symbol der Unterdrückung der Frauen geschafft sehen. Vor der japanischen Botschaft in Seoul hatten Unterstützer der Opfer im Dezember 2011 eine Statue errichtet. Diese zeigt ein junges Mädchen und sollte Japan für alle Zeit an seine historische Verantwortung und Schuld erinnern.

Kein ungeteilter Jubel

Der japanische Außenminister sagte am Montag, sein Land erwarte, dass die Statue „in angemessener Weise“ an einen anderen Ort verlegt werde. Südkorea habe Verständnis für die japanische Position geäußert, wonach die Sicherheit des Botschaftsgebäudes in Gefahr sei. Seit mehr als zwanzig Jahren protestieren Überlebende der Frontbordelle und ihre Unterstützer jeden Mittwoch gegen die ehemalige Kolonialmacht, die Korea von 1910 bis 1945 kontrollierte. Dabei geht es zuweilen sehr emotional zu.

Zurückhaltend äußerte sich zum Thema „Statue“ der südkoreanische Außenminister. Yun Byung-se versprach dem japanischen Besucher, seine Regierung werde in Konsultationen mit Organisationen, die mit dem Thema befasst seien, eine „angemessene Lösung“ suchen.

Diese Zurückhaltung der Regierung in Seoul ist möglicherweise sehr angebracht. Zwar hat Japan überraschend viele Zugeständnisse gemacht, mehr jedenfalls, als nach den Berichten der vergangenen Tage zu erwarten gewesen war. Aber trotzdem ist in Südkorea nach Bekanntwerden des Abkommens kein ungeteilter Jubel ausgebrochen. Einige Opfer äußerten sich enttäuscht. Ihnen sei es nie um Geld gegangen. Vielmehr hätten sie stets größten Wert darauf gelegt, dass Japan offiziell juristisch die Verantwortung für die Versklavung der Frauen übernehme. Das sehen sie durch die Übereinkunft vom Montag nicht gewährleistet. In diesem Sinne äußerten sich auch Vertreter der parlamentarischen Opposition in Seoul.

Hindernis für gute Beziehungen seit Kriegsende

Das Thema „Trostfrauen“ ist zwar seit Kriegsende ein Hindernis für wirklich gute Beziehungen zwischen Japan und Südkorea. Eine größere Öffentlichkeit nimmt aber erst seit den neunziger Jahren, seit diese ihre großangelegten Proteste begannen, Notiz vom Schicksal der Frauen. Erst seit dieser Zeit zahlt der südkoreanische Staat den Opfern eine monatliche Rente. Die andauernden Proteste führten letztlich auf beiden Seiten zu einer Verhärtung der Positionen.

Das offizielle Japan, das sich sowieso schwertut mit der kriegerischen Vergangenheit des Landes, wollte sich auf keinen Fall von Korea in eine Position manövrieren lassen, die weitgehende Ansprüche an den Staat begründet hätte. Alle südkoreanischen Regierungen seit 1993 standen andererseits unter dem wachsenden Druck einer emotionalisierten Öffentlichkeit, die durch den japanischen Umgang mit dem Thema „Trostfrauen“ ihr negatives Bild des ehemaligen Unterdrückers der koreanischen Nation bestätigt sah.

Die Übereinkunft vom Montag, die womöglich demnächst bei einem Treffen von Präsidentin Park Geun-hye mit Ministerpräsident Shinzo Abe in den Vereinigten Staaten bestätigt werden soll, könnte den Weg zu einer nachhaltigen Entspannung weisen. Aber Aussöhnungsprozesse zwischen Nationen brauchen ihre Zeit.

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