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Nordkorea : Warten auf den Zusammenbruch

Mit griffbereitem Fernglas: Kim Jong-un (rechts) noch bei bester Laune Bild: AFP

Untergangspropheten sehen wieder einmal das Ende des Regimes in Nordkorea nahe – doch der Kim-Clan hat ein einzigartiges System des Machterhalts geschaffen. Wie stabil ist es?

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          Viel Schönes kommt einem nicht in den Sinn, wenn man auf Nordkorea blickt. Angenehm für manche Beobachter ist allerdings die Tatsache, dass man vergleichsweise wenig über das Land sicher weiß, was dann weitgehende Interpretationen auf der Basis von Informationsschnipseln erlaubt. Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist im Reich des Kim Jong-un, darf man annehmen. Aber das ist weder neu noch gar irgendwie sensationell.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          In den vergangenen Tagen ist aber ein Element zum üblichen Gestochere im Informationsnebel hinzugekommen, das für längere Zeit verschwunden gewesen war: Die Endzeitpropheten sind wieder da. Begründet wird die Vorhersage einer womöglich unmittelbar bevorstehenden existentiellen Krise des Systems mit der Flucht mehrerer Diplomaten in jüngster Zeit. Wenn schon die Elite – und Diplomaten dürfen sich durchaus dazu zählen – das Schiff verlasse, dann müsse dieses ja wohl am Sinken sein, heißt es.

          Umsturz durch Luxusentzug

          Man kann sicher sein, dass die Flucht zum Beispiel des zweiten Mannes an der nordkoreanischen Botschaft in London, Thae Yong-ho, dem Regime im höchsten Maße peinlich ist, denn der Mann weiß offenbar sehr viel über die Methoden, mit denen die Herrscherfamilie sich ihr Luxusleben auf Kosten der Allgemeinheit ermöglicht. Entsprechend fiel auch die offizielle Reaktion aus Pjöngjang auf die Flucht aus. Da sei ein Krimineller aus Angst vor Strafverfolgung in der Heimat zum Feind übergelaufen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur.

          Wenn dieser Mann nun „auspackt“ über die Beschaffungsmethoden der Kims, könnte das im Ausland durchaus die Bereitschaft stärken, weitere gezielte Sanktionen zu verhängen, also den Verkauf von Luxusgütern nach Nordkorea wirklich zu stoppen. Ein solcher Schritt träfe Familie Kim sehr direkt, garantiert aber nicht das sogenannte einfache Volk. Dann wäre es für die Familie auch schwerer, den kleinen Kreis derer, die wirklich wichtig sind für das Überleben des Regimes, zu versorgen und auf diese Weise ruhigzustellen.

          So betrachtet, erschiene es also relativ einfach, durch Luxusentzug einen Umsturz herbeizuführen. Und in dieses Bild würden die Absetzbewegungen der Diplomaten ebenso gut hineinpassen wie die – nicht bestätigten – Berichte über die Hinrichtung eines stellvertretenden Ministerpräsidenten. Letzteres könnte zeigen, dass sich Kim Jong-un nur noch durch die Drohung mit nacktem Terror behaupten kann.

          Widerstand aus der Führungsriege

          Diese Sichtweise verkennt allerdings die einzige wirkliche Lebensleistung der Herrscherfamilie. Kim I. bis Kim III. haben es geschafft, das ursprünglich einmal stalinistische System des Landes zu einer Erbmonarchie zu machen. Das zeigt sich auch in symbolischen Akten. Kürzlich hielt der offizielle Jugendverband nach einer beachtlichen Pause von 23 Jahren wieder einmal einen seiner Jubelkongresse ab. Bei dieser Gelegenheit beschlossen die Berufsjugendlichen eine Namensänderung. Aus dem „sozialistischen“ Jugendverband Kim Il-sung wurde der „kimilsungistisch-kimjongilistische“ Jugendverband. Die Familie ersetzt den Sozialismus. Man könnte sogar sagen, dass sich der Daseinszweck von Staat und Regierung auf den Unterhalt der allerhöchsten Familie reduziert, die sich dafür mit immer neuen Forderungen nach noch mehr Arbeit „bedankt“.

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