https://www.faz.net/-gq5-7oszc

Wahlkampf in Indien : Ein bisschen Heroin für jede Stimme

Rosenblütenschlacht: Unterstützer bejubeln Priyanka und Rahul Gandhi Bild: REUTERS

In Indien wird der Wahlkampf so erbittert geführt wie nie zuvor: Wähler werden mit Geld, Alkohol und Drogen bestochen, persönliche Angriffe auf die Kandidaten nehmen zu. Auch die Gandhis verlieren die Beherrschung.

          5 Min.

          Mancher wird als „Ratte“ beschimpft, als „Schlächter“ oder als „sanfter Faschist“. Im indischen Wahlkampf nehmen die persönlichen Angriffe zu. Die Schlammschlacht spiegelt wie durch ein Brennglas die Verhältnisse im Land – alles scheint denkbar, jeder Vorwurf könnte stimmen, Bestechung und Bereicherung grassieren. Dies ist aber auch die Stunde von Priyanka Gandhi – die geachtete Schwester des Spitzenkandidaten der Kongresspartei sieht sich gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Immer wieder hat die Tochter der Parteivorsitzenden Sonia Gandhi gesagt, an Politik habe sie kein Interesse. Nun aber musste Gandhi in den Wahlkampf eingreifen, weil ihr Ehemann Robert Vadra von politischen Gegnern bloßgestellt wurde. Seit Jahren kursiert über Vadra in Indien das Gerücht, der vor der Einheirat in Indiens führende politische Dynastie 1997 weitgehend mittellose Geschäftsmann habe sich bereichert.

          Bevor die von den Gandhis geführte Kongresspartei 2004 die Regierung übernahm, handelte Vadra mit billigem Modeschmuck. Dann aber soll der Schwiegersohn der Parteivorsitzenden mit Hilfe des Immobilienkonzerns DLF und dank extrem günstiger Kredite große Grundstücke von Bauern über Mittelsmänner aufgekauft haben. Allein in den vergangenen Monaten habe der 44 Jahre alte Vadra Immobilien für mehr als 12 Millionen Dollar verkauft. Er soll weiterhin über einen Landbesitz im Wert von rund 42 Millionen Dollar verfügen.

          „Das tut mir weh“

          Mit seinem Unternehmen Sky Light soll Vadra beispielsweise 2008 Land in Delhis Vorstadt Gurgaon für 1,3 Millionen Dollar gekauft haben. Vier Jahre später kaufte es ihm DLF für 9,7 Millionen ab. Auf anderen seiner preiswert erworbenen Grundstücke wurden kurze Zeit nach dem Kauf Sonnenenergiefarmen mit Hilfe der Regierung gebaut – der Wert des Landes stieg sprunghaft. Gerade die Antikorruptionspartei Aam Admi unterstellt Vadra, Geld von DLF genommen zu haben. Das passt ihr ins Bild: Die AAP wirft beiden großen Parteien des Landes vor, eine zu große Nähe zum reichsten Inder, dem Multimilliardär und Geschäftsmann Mukesh Ambani, zu unterhalten.

          Narendra Modi, der Spitzenkandidat der oppositionellen Bharatiya Janata Party (BJP), stellte den Fall Vadra in direkten Zusammenhang mit anderen großen Betrugsfällen der amtierenden Regierung. Das zwang Priyanka Gandhi, dagegenzuhalten: „Wenn Sie das Fernsehen anschalten – was sehen Sie? Harte Worte, meine Familie wird lächerlich gemacht. Vieles wird meinem Mann nachgesagt. Das tut mir weh. Mich schmerzt, welche Art von Politik wir in diesem Wahlkampf miterleben müssen. Es schmerzt mich, denn unser Wahlkampf sollte über Entwicklungsmodelle geführt werden, über die Not der Menschen, über Arbeit für die Jugendlichen – stattdessen wird versucht, Sie mit bedeutungslosem Gerede in die Irre zu leiten.“ Die Urenkelin von Indiens erstem Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru bezeichnete die gegnerische BJP als ein „Rudel panischer Ratten“.

          Weitere Themen

          Sorge vor Eskalationsspirale in Nahost

          F.A.Z. Frühdenker : Sorge vor Eskalationsspirale in Nahost

          Nach Raketenangriffen auf Jerusalem bombardiert Israel den Gazastreifen. In Deutschland verzeichnet die Polizei mehr Opfer häuslicher Gewalt. Und Jens Spahn warnt vor Übermut in der Corona-Krise. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Rettungskräfte in der südisraelischen Stadt Sderot versorgen eine Frau nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen am 12. Mai

          Angriffe in Israel und Gaza : Wenn man die Angst hören kann

          Die Heftigkeit der Angriffe der Hamas und des israelischen Militärs, aber auch der Gewalt in Israel selbst hat viele überrascht. Und alle fragen sich: Wird diese „Runde“ bald vorüber sein und wird sich etwas ändern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.