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Wahl in Malaysia : Gegen den schnellen Wandel

Vereidigung des Wahlsiegers: Najib Razak am Montag in Kuala Lumpur Bild: Reuters

Der wiedergewählte Ministerpräsident Malaysias, Najib Razak, entstammt einer angesehenen Politikerfamilie und steht für einen behutsamen Wandel. Mit ihm hat sich die Mehrheit der Malaien gegen die Unsicherheit schneller Umbrüche entschieden..

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          Seine Ambition hat Najib Razak geerbt. Er ist der älteste Sohn des früheren malaysischen Ministerpräsidenten Abdul Razak. Der Vater hatte tiefe Fußstapfen hinterlassen. Nach den ethnischen Unruhen im Jahr 1969 hatte er eine Bevorzugungspolitik für Malaien und Ureinwohner eingeführt. Zudem hatte er das Regierungsbündnis „Barisan Nasional“ gegründet, das seither die Mehrheiten für die seit 56 Jahren dominierende Umno-Partei beschafft. Ein Onkel Najibs wurde außerdem der Nachfolger Abdul Razaks als Regierungschef. Das Talent liegt also in der Familie.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Najib absolvierte zunächst ein Wirtschaftsstudium an der Universität Nottingham und arbeitete nach seiner Rückkehr nach Malaysia für den nationalen Ölkonzern Petronas. Mit dem Tod des Vaters wurde ein Parlamentssitz frei. Im Alter von nur 23 Jahren wechselte Najib Razak in die Politik. Er war der jüngste Abgeordnete in der Geschichte seines Landes. Sein voller Name lautet Dato’ Seri Mohd Najib bin Tun Abdul Razak. Unter den offiziellen malaiischen Titel sticht „Tun“ als höchster heraus. Die Anrede wies ursprünglich auf eine königliche Abstimmung hin, wird aber seit geraumer Zeit für besondere Verdienste an der Nation verliehen. Diese Ehre würde ihm die Opposition sicher gern absprechen.

          Najib hat zwar weniger Charisma als der Oppositionsführer Anwar Ibrahim oder der frühere Ministerpräsident Mahathir Mohamad. Es folgte dennoch ein schneller Aufstieg in Regierungsämter. Ende der 1970er Jahre wurde Najib Stellvertreter für verschiedene Minister, dann Regierungschef seines Heimatstaates Pahang und im Alter von 32 Jahren Minister für Kultur, Jugend und Sport in der Zentralregierung. Danach war er Verteidigungsminister, Bildungsminister und wieder Verteidigungsminister. Im Jahr 2004 übernahm er zudem das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten unter Abdullah Badawi.

          Suche nach Ausgleich zwischen Ethnien

          Damit war klar, dass er auch dessen Nachfolger werden würde. Er musste nicht sehr lange warten. Bei den Wahlen im Jahre 2008 verlor „Barisan Nasional“ zum ersten Mal ihre Zweidrittelmehrheit. Zwar blieb Abdullah Badawi noch etwa ein Jahr im Amt, Najib wurde Finanzminister. Doch unter dem Druck Umnos und Mahathirs musste der Ministerpräsident abdanken. Als Nachfolger bemühte sich der heute 59 Jahre alte Malaie und Vater von fünf Kindern, das autokratische Image abzustreifen, das sich die Partei vor allem unter Mahathir erarbeitet hatte. Er schaffte den umstrittenen „Internal Security Act“ ab, der eine Vorbeugehaft ohne richterliche Anordnung erlaubte. Mit seiner Kampagne „One Malaysia“ versuchte er die Unterschiede zwischen den Ethnien auszugleichen.

          Sein „Neues Wirtschaftsmodell“ soll Malaysia bis zum Jahr 2020 zu einem Industrieland machen, die Wirtschaft wächst nach wie vor um mehr als fünf Prozent. Seine Beliebtheitswerte waren stets höher als die seiner Partei. Für viele junge Leute in den Städten ist Umno das Symbol für Korruption, Vetternwirtschaft und Stillstand. Vor allem die ethnischen Chinesen haben sich von der Koalition abgewendet. Ungeachtet, ob die Parlamentswahlen am Sonntag fair abgelaufen sind oder nicht, hat sich die Mehrheit der Malaien gegen die Unsicherheit eines schnellen Wandels entschieden. Najib wird in Zukunft aber mehr auf das Verlangen der modernen Wählerschichten nach wirklichen Veränderungen eingehen müssen.

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