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Wahl in Afghanistan : Der Gewalt trotzen

Stimmenabgabe in einem Wahllokal in Kabul Bild: AFP

Die Organisation der Wahl durch die Behörden und die Entschlossenheit vieler Afghanen bieten Anlass zur Hoffnung: Trotz aller Anschläge lassen sich viele Wähler an diesem Samstag nicht davon abhalten, ihre Stimme abzugeben.

          Die Präsidentenwahl in Afghanistan an diesem Samstag ist wohl einer der letzten Momente, an dem sich die internationale Aufmerksamkeit noch einmal ungeteilt auf Afghanistan richten wird. Das wollten die Mörder der deutschen Fotojournalistin Anja Niedringhaus offenbar nutzen, um den Eindruck zu erwecken, das Land sei dem Untergang geweiht. Es ist nicht alles gut in Afghanistan. Aber die Organisation der Wahl durch die afghanischen Behörden und der Enthusiasmus vieler Wähler bieten Anlass zur Hoffnung.

          Suche nach Waffen vor einem Wahllokal in Kabul: Tausende Soldaten und Polizisten versuchen die Wähler in Afghanistan vor Anschlägen der Taliban zu schützen.

          Der Angriff auf Anja Niedringhaus und ihre kanadische Kollegin wird die afghanischen Wähler, die schon viel Gewalt erlebt haben, kaum davon abhalten, heute ihre Stimme abzugeben. Zweifellos wird Gewalt die Wahlen überschatten, und ganz sicher werden sehr viele Afghanen zu Hause bleiben, weil sie fürchten, von den Taliban ermordet zu werden. Problematisch wird das vor allem dann, wenn ganze Regionen nicht wählen können und deshalb das Abstimmungsergebnis nicht anerkennen. Bislang ist es den Aufständischen nicht gelungen, den Wahlprozess als Ganzes zu stören.

          Trotzhaltung nach Anschlägen

          Manche Angriffe konnten die Sicherheitskräfte sogar nutzen, um in der Bevölkerung Ansehen zu gewinnen. Und bei manchen Bürgern, die aus Mangel an Vertrauen in den Staat gar nicht ihre Stimme abgeben wollten, hat das Blutvergießen zu einer Trotzhaltung geführt. Sie betrachten die Abstimmung nun als Votum gegen die Gewalt. Die größte Gefahr für die Wahl, mit der erstmals in der Geschichte des Landes ein halbwegs demokratischer Machtwechsel eingeläutet werden soll, sind nicht die Taliban, sondern jene Kandidaten, die schon jetzt damit drohen, ihre Niederlage nicht anzuerkennen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

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