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Von der Leyen in Afghanistan : Lagebeurteilung mit Ministerin

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im afghanischen Camp Shaheen Bild: AFP

Der vorweihnachtliche Truppenbesuch Ursula von der Leyens in Masar-e Sharif fällt in eine Umbruchphase des militärischen Engagements. Die Lage in Afghanistan ist fragil - wie die Verteidigungsministerin selbst erlebt.

          2 Min.

          Die Sicherheitslage in Afghanistan sei „fragil“, heißt es in offiziellen Lagebeschreibungen der Bundeswehr seit einiger Zeit, wenn die Gefahr von Anschlägen und Attentaten im Land am Hindukusch geschildert wird. Was das praktisch bedeutet, erlebt die deutsche Verteidigungsministerin während ihres derzeitigen Vorweihnachtsbesuches beim deutschen Regionalkommando in Masar-e Sharif selbst.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Airbus A340 der Bundeswehr-Flugbereitschaft landet direkt auf dem Flughafen von Masar, der mittlerweile zu einem zivilen Drehkreuz im Luftverkehr Nordafghanistans geworden ist. Seit zwei Jahren werden die deutschen Soldaten und offiziellen Gäste nicht mehr über das usbekische Termez umgeleitet, wo sie früher in Transall-Militärflugzeuge umsteigen mussten. Die neue Generation der Regierungsflieger verfügt über ähnliche militärische Abwehr-Techniken wie die alten Militärtransporter.

          Der direkte Anflug auf den afghanischen Landeplatz wirkt dennoch bedrohlich: Schon eine Dreiviertelstunde vor der Landung wird die Kabinenbeleuchtung verdunkelt, der Kapitän weist seine Passagiere an, die Sonnenblenden vor die Fensteraugen zu ziehen, und fordert das Kabinenpersonal auf, Splitterschutzwesten anzuziehen, um „im Notfall handlungsfähig zu bleiben“.

          Von der Leyens Vorweihnachtsbesuch beim deutschen Truppenkontingent fällt in eine Umbruchphase des militärischen Engagements in Afghanistan. Der internationale Isaf-Einsatz, der ursprünglich vor allem der Befriedung des Landes dienen sollte, läuft zum Jahresende aus, die Nachfolgemission „Resolute Support“ trägt ihren Zweck, die entschlossene Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte, in ihrem Namen.

          Die Termine der Ministerin in Masar-e Sharif sollen diesen neuen Auftrag dokumentieren, nach dem deutsche Militärausbilder die Afghanen vor allem anweisen, beraten und ihnen assistieren sollen. Gleich nach ihrer Ankunft steigt sie in einen Hubschrauber um und lässt sich in das afghanische Militärcamp Shaheen fliegen, um dort die Ausbildung afghanischer Pioniere zu besichtigen und mit den deutschen Beratern zu sprechen, die den afghanischen Militärs zur Seite stehen.

          Anschließend soll es in geschützten Fahrzeugen hineingehen in die Großstadt; das Ziel ist das weitläufige Gelände des deutschen Generalkonsulats. Hier sieht das Programm Gespräche der Ministerin mit Studentinnen der lokalen Universität vor, unter ihnen vor allem auch angehende Juristinnen. Das Treffen soll den Erfolg des zivilen Wiederaufbaus dokumentieren und zeigen, wie sehr das Leben im Norden Afghanistans zur Normalität gefunden hat.

          Doch noch vor der Fahrt in die Stadt entsteht Unruhe im Sicherheitsteam der Ministerin. Der Fahrzeugkonvoi ihrer Begleiter stockt, noch bevor er das afghanische Militärcamp verlassen hat. Es gibt Nachrichten von einem Selbstmordanschlag in der Nähe der „Blauen Moschee“, im Zentrum der fast 300.000 Einwohner zählenden Großstadt. Erste Befehle lauten Umkehr zum Hubschrauber-Landeplatz. Dann geschieht nichts. „Lagebeurteilung“. Dann wieder lautet der Plan: Rückkehr im Fahrzeug ins deutsche Feldlager.

          Schließlich aber bleibt alles, wie ursprünglich geplant; nur die Studentinnen im Generalkonsulat müssen länger auf die Ministerin warten. Der deutsche Befehlshaber des Regionalkommandos im Norden, Brigadegeneral Harald Gante, teilt später mit, offenbar habe es gar keinen Anschlag gegeben, die Aufregung und Vorsicht hätten womöglich auf einer Fehlmeldung beruht. Die Bundeswehr meldet seit Wochen in ihren Berichten zur afghanischen Sicherheitslage, die Situation sei „fragil“.

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