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UN-Bericht : Mehr zivile Opfer in Afghanistan

  • Aktualisiert am

Kabul: einer von hunderttausenden afghanischen Kriegsversehrten Bild: AP

Ein UN-Bericht erklärt die Gewalteskalation in Afghanistan mit dem Truppenabzug des Westens. In den ersten sechs Monaten 2013 wurden 23 Prozent mehr Zivilisten verletzt oder getötet als im gleichen Zeitraum 2012.

          Im Zuge des Abzugs der internationalen Truppen eskaliert die Gewalt in Afghanistan. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten UN-Bericht wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 23 Prozent mehr Zivilisten bei Kampfhandlungen verletzt oder getötet als im gleichen Zeitraum 2012. Wie schon in der Vergangenheit gingen demnach drei Viertel der Todesopfer auf das Konto der Aufständischen. Nach einem Rückgang der Opferzahlen im vergangenen Jahr erreicht die Gewalt gegen Zivilisten damit wieder annähernd das Niveau von 2011, dem bislang schlimmsten Jahr seit dem Sturz der Taliban.

          Da die internationale Schutztruppe Isaf seit März keine eigenen Statistiken über Kampfhandlungen mehr veröffentlicht, gewährt der Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) wichtige, wenngleich indirekte Einblicke in die Dynamik des Krieges. So stieg etwa die Zahl der Zivilisten, die durch direkte Kämpfe zwischen Aufständischen und afghanischen Sicherheitskräften zu Schaden kamen, um 61 Prozent.

          Die Aufständischen seien zunehmend darum bemüht, in Gebieten, in denen internationale Militärbasen geschlossen worden seien, ihren territorialen Einfluss auszudehnen, heißt es in dem UN-Bericht. Vor allem afghanische Kontrollposten entlang strategisch wichtiger Hauptstraßen würden immer häufiger zum Ziel von Angriffen, bei denen Zivilisten ins Kreuzfeuer gerieten. In der Vergangenheit hatten die Taliban angesichts der Überlegenheit der Isaf-Truppen die direkte Konfrontation und das dauerhafte Halten von Gelände gemieden.

          Zunehmend „weiche“ Ziele im Visier

          Nach wie vor wurde aber die weitaus größte Zahl der Opfer durch asymmetrische Kriegführung, durch Sprengfallen und Selbstmordattentate verletzt oder getötet. Allerdings setzten die Taliban offenbar häufiger ferngesteuerte Sprengfallen und seltener solche Sprengsätze ein, die durch Druck - etwa durch darüber fahrende Fahrzeuge - ausgelöst werden. Da bei Letzteren eine Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen kaum möglich ist, hatte die Unama die Taliban in der Vergangenheit aufgefordert, diese nicht länger zu nutzen. Nach Einschätzung der Forschungseinrichtung Afghanistan Analysts Network in Kabul könnte der seltenere Einsatz solcher Waffen aber auch auf den Rückzug der internationalen Truppen zurückzuführen sein, die mit Störsendern das Auslösen von Sprengfallen per Fernbedienung verhindert hatten.

          Zudem nehmen die Aufständischen offenbar zunehmend sogenannte weiche Ziele ins Visier: Bei Anschlägen auf Regierungsgebäude und gezielten Attentaten gegen Staatsbediensteten wurden 76 Prozent mehr Zivilisten getötet oder verletzt als 2012. Erwartungen, der Abzug der Isaf-Truppen könne zu einer Deeskalation führen, wie sie von Präsident Hamid Karzai und zwischenzeitlich auch von der Isaf geäußert worden waren, haben sich bisher nicht bestätigt.

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