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Übergabezeremonie : Afghanen übernehmen Sicherheitsverantwortung

Stark genug für den Schutz ihres Landes? Afghanische Militärangehörige lauschen den Worten Karsais. Bild: dpa

Vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes haben die afghanischen Sicherheitskräfte offiziell im ganzen Land die Verantwortung übernommen. Präsident Karsai will eine Delegation zu Gesprächen mit Taliban nach Qatar entsenden.

          In Afghanistan übernehmen die einheimischen Sicherheitskräfte fortan im gesamten Land die Verantwortung. Präsident Hamid Karsai verkündete am Dienstag den Beginn der fünften Phase der sogenannten Transition, in der die internationale Schutztruppe Isaf die letzten elf Provinzen an die afghanische Armee übergeben soll. „Wenn die Menschen sehen, dass die Sicherheit an Afghanen übergeben wurde, werden sie die Armee und die Polizei mehr unterstützen als zuvor“, sagte Karsai auf einer Zeremonie in einer Militärakademie nahe Kabul.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Isaf-Kommandeur General Joseph Dunford sprach von einem „stolzen Tag“ für Afghanistan. „Das afghanische Volk braucht für seine Sicherheit nicht mehr die Koalitionstruppen. Afghanische Soldaten und Polizisten schützen nun ihre Landsleute.“ Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung läuft schon seit März 2011. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für die Beendigung des Kampfeinsatzes der Nato, das für Ende 2014 geplant ist. Ausgehend von Kabul wurden immer größere Teile des Landes an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben, die die Nato zu diesem Zweck seit Jahren ausbildet. Die am Dienstag zuletzt in die Transition entlassenen Provinzen liegen im unruhigen Osten und Süden des Landes, großteils an der Grenze zu Pakistan.

          Während des Übergangs sollen die afghanischen Kräfte, schrittweise die Planung, Ausführung und Führung von Einsätzen gegen die Aufständischen übernehmen, während sich die Isaf-Truppe auf Beratung und Unterstützung zurückzieht. Parallel werden die regionalen Wiederaufbauteams (PRT) aufgelöst, die über Jahre hinweg wichtige Stützpunkte der Nato in dem Land waren. Manche könnten geschlossen, andere von den Afghanen fortgeführt werden, hieß es bei der Nato. Das PRT Kundus, das die Bundeswehr betreibt, soll gegen Ende dieses Jahres übergeben werden. Die Isaf will bis Ende 2014 in Afghanistan bleiben, wird ihre Soldaten aber weiter abbauen.

          Karsai kündigt Friedensgespräche mit Taliban an

          Derzeit umfasst die Truppe 97.800 Soldaten, darunter 4400 Deutsche. Das afghanische Heer hat 183.000 Soldaten, die Luftwaffe 6700; die afghanische Polizei zählt 151.000 Mann. Die Nato will 2015 eine neue Ausbildungs- und Beratungsmission in dem Land einsetzen, die ausdrücklich keinen Kampfauftrag mehr hat. Die Nato lobt seit längerem die Leistungsfähigkeit der neuen afghanischen Armee, auch wenn gelegentlich Berichte über gescheiterte Einsätze bekannt werden. Die Befehlshaber der Isaf berichten, dass sich die Zahl der Kämpfe im Vergleich zu den Vorjahren nicht verändert habe, die Afghanen heute aber den Großteil davon führten. Die Taliban hätten immer höhere Verluste und könnten gegen die einheimischen Sicherheitskräfte nicht mehr gewinnen.

          Von der letzten Phase der Übergabe erhoffen sich die Kommandeure einen psychologischen Effekt in diesem Sommer. Die Taliban könnten nun nicht mehr behaupten, sie kämpften gegen Ausländer, was ihnen Sympathien in der Bevölkerung kosten und die Rekrutierung neuer Kämpfer erschweren werde. Karsai kündigte Friedensgespräche mit den Taliban an. Eine Delegation des „Hohen Friedensrates“ werde zu Gesprächen nach Qatar entsandt werden, wo die Aufständischen ein Büro eröffnen wollen. Der Rat gehören Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft an. Bei einem Bombenanschlag in Kabul wurden drei Zivilisten getötet und mindestens zwanzig weitere verletzt. Er galt einem Abgeordneten, der unverletzt blieb.

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