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Trotz Verbots : Japan jagt weiter Wale

Vergangenen Donnerstag in Tokio: Die Pro-Walfang-Lobby am Walfleisch-Buffet Bild: AP

Japan will im nordwestlichen Pazifik weiter Walfang betreiben - trotz des kürzlich verhängten Verbots aus Den Haag. Diplomaten sind in Sorge, dass Japan sich dadurch weiter isolieren könnte.

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          Japan will die Jagd auf Wale im Pazifik trotz eines kürzlich verhängten Walfangverbots für die Antarktis fortsetzen. Wie der japanische Fischereiminister am Freitag in Tokio mitteilte, wird Japan auch in diesem Jahr seine Jagd auf Wale fortsetzen, zu Forschungszwecken – wie es offiziell hieß. Die Walfang-Fahrten in den nordwestlichen Pazifik und in die japanischen Küstengewässer sollen wie geplant stattfinden und weiter gejagt werden. Vor allem das Außenministerium habe von dem Schritt abgeraten, hieß es in Tokio.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Diplomaten sorgen sich, dass Japan weiter isoliert werden könnte, schließlich sieht sich das Land wegen der zunehmend nationalistischen Rhetorik der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe ohnehin im Abseits. Die Regierung fälle ihre Entscheidung, weiter Walfang zu betreiben, unter starkem Druck der Walfang-Lobby, aber auch einflussreicher Kreise der regierenden Liberaldemokratischen Partei, hieß es in Tokio.

          Das Walfang-Programm diene kommerziellen Zwecken

          In den vergangenen Tagen berichteten viele Medien mit Fotos, auf denen sich einflussreiche Abgeordnete Walfleisch schmecken lassen, über einen einstimmigen Beschluss des zuständigen Parlamentsausschusses, auch in Zukunft Wale für Forschungszwecke zu fangen.

          Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hatte Japan Ende März verboten, im Antarktischen Ozean weiter Wale zu fangen. Zur Begründung hieß es, das japanische Walfang-Programm diene nicht – wie vorgegeben – wissenschaftlichen, sondern kommerziellen Zwecken. Im Anschluss hatte Tokio erklärt, das Urteil zu befolgen und den Walfang zumindest für ein Jahr einzustellen. Jetzt wird in Tokio darauf hingewiesen, dass sich das Urteil allein auf antarktische Gewässer bezieht.

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