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Thailand : Thailand in der Gewaltspirale

  • -Aktualisiert am

Einer der Tatorte in der Statdt Hua Hin Bild: dpa

Die thailändische Militärregierung ist durch die Anschläge blamiert. Sie will nach eigenem Bekunden den Frieden in dem politisch zutiefst gespaltenen Land wiederherstellen. Und droht damit krachend zu scheitern.

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          Nicht zum ersten Mal ist Thailand von Anschlägen heimgesucht worden. Vor ziemlich genau einem Jahr explodierte eine Bombe vor einem beliebten Tempel in Bangkok und tötete 20 Personen. Diesmal war der unmittelbare Blutzoll zwar geringer. Aber allein die Zahl der Explosionen ist beunruhigend. Getroffen werde sollte damals wie heute vor allem der Tourismussektor, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Thailand.

          Noch ist weitgehend unklar, wer hinter der Anschlagsserie steckt. Und doch sah sich die Regierung genötigt, sehr schnell eine Verbindung zum internationalen Terrorismus auszuschließen. Woher will sie das so früh so genau wissen? Zwar deutet vieles darauf hin, dass die Täter einen Bezug zu Thailand und zur politischen Situation des Landes haben. Aber zu früh zu laut vorgetragene Selbstgewissheit kann sich bitter rächen.

          Einer der Anschlagsorte beherbergt die Lieblingsresidenz des Königs außerhalb der Hauptstadt Bangkok. Außerdem beging das Land am Freitag den Geburtstag der Königin. Die Attentäter konnten also ziemlich sicher sein, nicht nur ausländische, sondern auch zahlreiche einheimische Touristen mit ihren Mordinstrumenten zu treffen.

          Die Militärregierung ist durch die Anschläge blamiert. Damit ist genau das passiert, was die Täter mutmaßlich erreichen wollten. Denn die Militärs, die die demokratisch legitimierte Regierung 2014 gestürzt hatten, wollen nach eigenem Bekunden den Frieden in dem politisch zutiefst gespaltenen Land wiederherstellen. Nur tun sie das auf eine Weise, die schon in vielen Ländern krachend gescheitert ist. Auch Thailands Soldaten verwechseln nämlich Frieden mit Friedhofsruhe. Friedhöfe können Orte der Besinnung und Läuterung sein. Der Anblick von Gräbern kann aber auch Rachegelüste nähren. In Thailand sind in den vergangenen Jahren nach gewaltsamen politischen Auseinandersetzungen viele neue Gräber hinzugekommen.

          Es wäre tragisch, wenn das Land von einer Spirale der Gewalt erfasst würde. Zwar ist das politische Klima nachhaltig vergiftet, und zu großem Optimismus besteht kein Anlass. Aber vielleicht bringen die verfeindeten Gruppen angesichts des Bombenterrors ja doch in ausreichendem Maß Vernunft auf, damit es nicht zum Äußersten kommt.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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