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Tepco und Fukushima : Kommunikation ist etwas anderes

Blick auf das Reaktor-Gelände Bild: AP

Die Betreibergesellschaft wollte bislang glauben machen, dass die Lage unproblematisch sei. Von Abflüssen radioaktiven Wassers aus dem havarierten Kernkraftwerkskomplex Fukushima will Tepco nichts gewusst haben.

          Die Lage in den havarierten Atomreaktoren in Fukushima scheint dramatischer zu sein, als die Betreibergesellschaft die japanische Öffentlichkeit bislang glauben machen wollte. Die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco) meldeten am Wochenende in Tokio, dass das Grundwasser, das durch Lecks vom Gelände des Atomkraftwerks in den Pazifik fließt, genauso stark radioaktiv belastet sei wie das Wasser, das unmittelbar nach der Katastrophe im Frühjahr 2011 in den Ozean floss. Proben in den Kanälen unter dem havarierten Reaktor 2, wo Ingenieure von Tepco Lecks vermuten, hätten 750 Millionen Becquerel Caesium 134 und 1,6 Milliarden Becquerel Caesium 137 pro Liter gehabt, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Das entspreche nahezu den Größenordnungen, die im April 2011 gemessen worden waren.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Für Tepco und für die japanische Regierung bedeuten diese neuen Meldungen zusätzliche Probleme. Vor allem der in Tokio ansässige Energiekonzern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Pannen in Fukushima noch immer zu vertuschen und bewusst Unwahrheiten zu behaupten. So gestand Tepco erst am Montag vergangener Woche ein, dass unterhalb der havarierten Reaktoren, in denen es im März 2011 zur Kernschmelze gekommen war, radioaktiv belastetes Wasser in den Pazifik fließe. Das Tepco-Management hat angeblich erst am 18. Juli von diesen Dingen erfahren. Zu diesem Zeitpunkt war den Mitarbeitern des Konzerns an Ort und Stelle schon länger bewusst, dass hochbelastetes Wasser unkontrolliert abfließt. „Die Mitarbeiter vor Ort hatten die Daten, aber wir wurden nicht informiert“, hieß es bei Tepco.

          300.000 Tonnen belastetes Wasser

          Die Geschichte bekommt einen besonderen Geschmack, weil das Unternehmen den Vorfall erst dann bekanntgab, nachdem die neue japanische Nuklearaufsicht Anfang des Monats gemeldet hatte, es gebe den starken Verdacht, dass radioaktiv belastetes Wasser aus den Reaktoren in den Boden und von dort weiter in den Pazifik fließe. „Wir haben versucht zu verhindern, dass verseuchtes Wasser außerhalb des Geländes gelangt“, war die Antwort eines Tepco-Sprechers auf einer Pressekonferenz. Und dann, ganz auf die japanische Art, mit der sich das Unternehmen nach Pannen immer wieder herauszureden suchte: „Wir bieten unsere ernsthafte Entschuldigung an.“ Kurz zuvor hatte das Unternehmen ausländischen Journalisten noch vollmundig versichert, von dem Wasser gehe keine Gefahr aus, alles sei unter Kontrolle.

          Berichte über erste Leckagen in den unterirdischen Kanalsystemen waren bereits im April bekanntgeworden. Das Grundwasser ist derzeit das größte Problem beim Versuch, die Lage in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Auf dem gesamten Gelände stehen mittlerweile mehr als 1000 Container, von denen jeder zwischen 100 und 1000 Liter fasst. Rund 400 Tonnen Grundwasser fließen Tag für Tag in die durch das Erdbeben und den Tsunami im März 2011 zerstörten Reaktorgebäude. Hinzu kommen 300 bis 400 Tonnen Wasser, mit dem die teilweise geschmolzenen Reaktorkerne in den Reaktoren 1 bis 3 gekühlt werden. Vor allem die Elemente Caesium und Strontium hat Tepco in diesem Wasser gemessen. Das Wasser wird abgepumpt und in den Tanks gelagert. Um die Lagerkapazitäten ausweiten zu können, hat das Unternehmen im Süden des Geländes bereits einen Wald abholzen lassen.

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