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Taliban-Angriff auf Schule : Tage der Trauer in Pakistan

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Tiefe Trauer: Frauen weinen nach dem Taliban-Anschlag in Peshawar um einen fünfzehnjährigen Jungen. Bild: Reuters

Nach dem blutigen Überfall auf eine Schule begeht Pakistan eine dreitägige Staatstrauer - und lässt die Todesstrafe wieder zu. Etwa 150 Menschen wurden bei dem Angriff islamistischer Taliban getötet. Die afghanische Taliban-Führung verurteilt die Tat.

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          Nach dem blutigen Überfall islamistischer Taliban auf eine vom Militär betriebene Schule in Pakistan hat im Land am Mittwoch eine dreitägige Trauer um die Toten begonnen. Insgesamt starben bei dem Angriff in Peshawar nach bisherigen Erkenntnissen rund 150 Menschen - die Zahl der Todesopfer schwankte nach unterschiedlichen Angaben zwischen 148 und 153, unter ihnen über 130 Kinder. Mehr als 250 weitere Menschen wurden verletzt, wie die Regierung der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa mitteilte. Armeechef Raheel Sharif kündigte am Abend Vergeltung „bis zur vollständigen Eliminierung“ der militanten Islamisten in Pakistan an. Die Luftwaffe flog am Abend nach Medienberichten mehrere Angriffe gegen Stellungen der Taliban.

          Die afghanischen Taliban verurteilten den Anschlag. Es verstoße gegen die „Grundsätze des Islam“, Unschuldige, Frauen und Kinder vorsätzlich zu töten, teilten die afghanischen Taliban mit. Daran müssten sich alle islamischen Regierungen und Bewegungen halten. Das „Islamische Emirat Afghanistan“ sprach den Betroffenen sein Beileid aus und „trauert mit den Familien der getöteten Kinder“, wie es in der Erklärung hieß.

          Pakistan ließ nach dem Überfall die Todesstrafe wieder zu. Bislang war sie ausgesetzt gewesen. Ein Regierungsausschuss habe ein Ende des Moratoriums vorgeschlagen und Ministerpräsident Nawaz Sharif habe dem zugestimmt, sagte Sharifs Sprecher am Mittwoch.

          Die Extremisten hatten nach Angaben des pakistanischen Militärsprechers Asim Saleem Bajwa bei dem Überfall nur ein Ziel: „Unschuldige Kinder zu töten“. „Sie wollten überhaupt keine Geiseln nehmen“, wurde der General in der Nacht zum Mittwoch von den pakistanischen Medien zitiert. Die insgesamt sieben Angreifer seien alle getötet worden.

          Am Dienstagabend (Ortszeit) beendete die Armee die Geiselnahme nach stundenlangen Gefechten. Die Extremisten waren vormittags in die vom Militär betriebene Schule eingedrungen und hatten das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet, die sich im Auditorium zu einer Prüfung versammelt hatten. Schüler flüchteten vor den Angreifern, versteckten sich unter Möbeln oder in den Rohren der Klimaanlage.

          Der Angriff sorgte weltweit für Entsetzen. „Die Geiselnahme und Ermordung von Kindern und Jugendlichen ist an Grausamkeit nicht zu überbieten“, schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Kondolenztelegramm. Bundespräsident Joachim Gauck sprach von einem „feigen Akt des Terrorismus“.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama verurteilte den „entsetzlichen“ Überfall auf das Schärfste. „Mit diesem abscheulichen Angriff auf Schüler und Lehrer haben Terroristen einmal mehr ihre Verdorbenheit gezeigt“, sagte er nach einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung. Außenminister John Kerry sprach dem pakistanischen Premier Nawaz Sharif am Abend das Mitgefühl der Vereinigten Staaten aus und bekräftigte die Solidarität Washingtons mit Pakistan im Kampf gegen den Extremismus.

          Ein Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) versuchte, den Angriff in örtlichen Medien als Vergeltung für eigenes Leid zu verteidigen. Die vom Militär betriebene Schule sei zum Ziel geworden, „weil sie auch unsere Familien angreifen. Wir wollen, dass sie den Schmerz fühlen, den wir fühlen.“

          Die Armee geht in den Stammesgebieten im Grenzgebiet zu Afghanistan massiv gegen radikalislamische Gruppen wie die Taliban oder das Terrornetz Al Qaida vor. Dabei wurden nach Regierungsangaben bereits tausende Extremisten getötet und vertrieben.

          Eine Lehrerin sagte, dass Schüler der oberen Klassen eine Prüfung schrieben, als die Terroristen das Feuer eröffneten. Im Fernsehen war zu sehen, wie Soldaten Schüler in Sicherheit brachten. Blutüberströmte Kinder und Lehrer wurden aus der Schule getragen. Verzweifelte Eltern drängten sich um die Rettungsautos und hinter Absperrungen vor der Schule und den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

          Ministerpräsident Nawaz Sharif nannte den Angriff eine nationale Tragödie und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Indiens Premier Narendra Modi telefonierte nach eigenen Angaben mit Sharif. „Habe ihm angesichts der niederträchtigen Terrorattacke in Peshawar mein tiefstes Beileid ausgedrückt“, teilte Modi im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Gespräche zwischen den Regierungschefs der beiden verfeindeten Atommächte sind äußerst selten.

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