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Aufrüstung in Asien : Wettrennen unter Wasser

China wird zur (Unter-)Seemacht: Präsentation eines U-Bootes in Hongkong Bild: Reuters

In den vergangenen Jahren hat China eine beachtliche U-Boot-Flotte aufgebaut. Aus Furcht ziehen nun viele südostasiatische Länder nach und rüsten ihre Seestreitkräfte ebenfalls auf.

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          Es sei lediglich eine Hypothese, sagte jüngst ein ehemaliger französischer General. Unrealistisch ist seine Theorie zu Chinas Territorialansprüchen im Südchinesischen Meer indessen nicht. Ein Grund, weshalb China ein paar unscheinbare Eilande so wichtig seien, dass es ihretwegen sogar einen befreundeten Nachbarn wie Vietnam düpiere, könne sein, dass es aus strategischen Gründen eine freie Passage für seine Schiffe und insbesondere seine U-Boote benötige, sagte der pensionierte General.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ein chinesisches Staatsunternehmen hatte da gerade eine Bohrinsel in das Gewässer nahe der Paracel-Inselgruppe verfrachtet, die auch von Vietnam beansprucht wird, und es war zu Zwischenfällen zwischen chinesischen und vietnamesischen Schiffen gekommen.

          Die Hypothese klingt plausibel. Denn ein Teil der 56 Unterseeboote der chinesischen Volksbefreiungsarmee ist in einer Marinebasis bei Sanya am südlichen Zipfel der chinesischen Tropeninsel Hainan untergebracht. Richtung Süden führt der Wasserweg nahe an den Paracel-Inseln vorbei.

          Auch Vietnam rüstet auf

          China hat in dieses Projekt viel Arbeit gesteckt. Aufgrund von Satellitenbildern vermuten Beobachter, dass die Unterseeboote von dort durch einen Unterwassertunnel, unbemerkt von den Augen der Welt, in das Meeresgebiet und wieder zurück gelangen können.

          Vieles bleibt geheim, und doch wissen die südostasiatischen Länder, von denen mehrere mit China überlappende maritime Gebietsansprüche haben, welche Fähigkeiten sich der Nachbar angeeignet hat. Immer mehr von ihnen schaffen sich daher eigene U-Boote an.

          Vietnam erwartet in diesen Wochen die HQ-184 Hai Phong; es ist sein drittes U-Boot der russischen „Kilo“-Klasse. Das Land hat sechs davon bestellt. Malaysia hat vor Jahren zwei französische Scorpène-U-Boote gekauft, die in Kota Kinabalu auf der Insel Borneo mit Zugang zum Südchinesischen Meer untergebracht sind. Nun erklärte Thailands Verteidigungsminister, der Kauf von U-Booten werde geprüft.

          Indonesien renoviert seine Seemacht

          Die U-Boot-Hersteller weltweit profitieren von dieser Aufrüstung, auch das deutsche Unternehmen Thyssen-Krupp Marine Systems. Bei ihm hat Singapur vor einem Jahr zwei U-Boote der HDW-Klasse 218SG bestellt, die nun auf der Werft in Kiel gebaut werden. Der reiche Stadtstaat besitzt zudem sechs ältere Modelle aus schwedischer Herstellung.

          Als einziges Land in Südostasien hat Indonesien bereits zwei deutsche U-Boote des Typs 209 in Betrieb. Sie waren Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre angeschafft worden. Indonesien war damit ein Vorreiter in Südostasien, hinkt bei der Entwicklung seiner Seestreitmacht heute aber hinter den anderen her.

          Angesichts der Neuanschaffungen der Nachbarn hat nun auch Indonesien beschlossen, seine Seestreitkräfte zu erweitern. Jakarta hat drei U-Boote der südkoreanischen Chang-Bogo-Klasse bestellt, bei denen es sich um von Deutschland lizenzierte Nachbauten handelt; bis zum Jahr 2020 sollen sie ausgeliefert werden.

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