https://www.faz.net/-gq5-8gi4p

Spionageverdacht : Nordkorea verurteilt Amerikaner zu langer Zwangsarbeit

  • -Aktualisiert am

Zehn Jahre Zwangslager: Bei seiner Festnahme soll der Verurteilte Geheiminformationen bei sich gehabt haben. Bild: AP

Das Regime in Nordkorea gibt sich aggressiv: Ein amerikanischer Staatsbürger wird beschuldigt, für Südkorea spioniert zu haben. Das könnte ein Vorzeichen auf den anstehenden Parteikongress sein – den ersten seit 36 Jahren.

          Nach seinen jüngsten Raketentests hat Nordkorea am Freitag seine Serie der Provokationen mit einer abermaligen Verurteilung eines amerikanischen Staatsbürgers fortgesetzt. Der in Südkorea geborene Kim Dong-chul wurde wegen Umsturzversuches und Spionage zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er soll für Südkorea spioniert haben. Der 62 Jahre alte Kim Dong-chul war im Oktober 2015 festgenommen worden. Vor einem Monat führte ihn Nordkorea in Pjöngjang Journalisten vor. Er bezichtigte sich selbst der Spionage für den südkoreanischen Geheimdienst. Bei seiner Festnahme in der nordkoreanischen Wirtschaftssonderzone Rason soll er einen USB-Stick mit Geheiminformationen bei sich gehabt haben.

          Erst im März hatte Nordkorea den amerikanischen Studenten Otto Warmbier zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil dieser angeblich in einem Touristen-Hotel in Pjöngjang ein Propagandaplakat gestohlen hatte. Nordkorea hat in der Vergangenheit versucht, durch die Verurteilung von amerikanischen Staatsbürgern mit der Regierung der Vereinigten Staaten ins Gespräch zu kommen. Derzeit zeigen die Vereinigten Staaten aber offenbar kein Interesse, Unterhändler nach Nordkorea zu schicken. 

          Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist gespannt, nachdem der kommunistische Staat am Donnerstag zwei Mittelstreckenraketen gestartet hat, die aber beide nach südkoreanischen Angaben kurz nach dem Start ins Meer stürzten. Getestet wurden offenbar Raketen des Typs Musudan, die mit einer Reichweite von 3000 bis 4000 Kilometern das amerikanische Territorium Guam und Alaska erreichen könnten. Eine Musudan-Rakete kann einen nuklearen Sprengkopf tragen. Wenige Tage zuvor hatte Nordkorea den Start einer Rakete von einem U-Boot aus bekanntgegeben. Diese Rakete flog etwa 30 Kilometer weit. Mit den Raketenstarts verstößt Nordkorea gegen Resolutionen der Vereinten Nationen, die dem kommunistischen Staat die Entwicklung eines Atom- und Raketenprogramms verbieten.

          Anzeichen für einen Atomtests während des Parteikongress

          Das aggressive Gebaren des nordkoreanischen Staates steht offenbar im Zusammenhang mit dem Parteikongress der kommunistischen Arbeiterpartei, der Ende der kommenden Woche in Pjöngjang zusammentreten soll. Es ist das erste Mal seit 36 Jahren, dass die Parteidelegierten einberufen werden. Vor dem Kongress will Führer Kim Jong-un, der seit vier Jahren an der Macht ist, die Stärke seines Militärs zeigen und Erfolge demonstrieren. In Südkorea wird jetzt befürchtet, dass Nordkorea nach den fehlschlagenen Raketentests einen fünften Atomtest ausführen könnte. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye sagte vor ihrem Nationalen Sicherheitsrat, dass es Anzeichen gebe, dass Nordkorea vor dem Parteikongress einen Atomtest plane. Nordkorea hatte erst im Januar einen Atomtest ausgeführt.

          Wegen der Raketen und Atomtests unterliegt Nordkorea harten Sanktionen der Vereinten Nationen. Diese verurteilten die Raketentests als äußert besorgniserregend und appellierten an Pjöngjang sein provokatives Verhalten zu beenden und seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Die Außenminister Russlands und Chinas, Sergej Lawrow und Wang Yi, kritisierten bei einem Treffen am Freitag in Peking die Pläne der amerikanischen Regierung, angesichts der Drohgebärden Nordkoreas ein Raketenabwehrsystem in Südkorea zu stationieren.

          „Wir sind beide sehr besorgt über die wahrscheinliche Stationierung des Thaad-Systems in Südkorea“, sagte der Wang. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte bei einem Treffen asiatischer Außenminister am Donnerstag in Peking gesagt, China werde weder Krieg noch Chaos auf der koreanischen Halbinsel zulassen.

          Weitere Themen

          Eine Girlband für Kim Jong-un

          Nordkorea : Eine Girlband für Kim Jong-un

          Der nordkoreanische Diktator hält zwar an der Machtpolitik seiner Vorväter fest, setzt aber neue ästhetische Akzente: im Pop. Exklusiver Vorab-Auszug aus dem Buch „Der Spieler. Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält“.

          Woidke will Ministerpräsident bleiben Video-Seite öffnen

          Brandenburg : Woidke will Ministerpräsident bleiben

          Seit sechs Jahren ist Dietmar Woidke Ministerpräsident von Brandenburg. Das möchte der 57-jährige SPD-Politiker auch bleiben. Und das, obwohl die Umfragewerte für die Sozialdemokraten alles andere als günstig aussehen.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.