https://www.faz.net/-gq5-8f80p

Rückeroberung von Palmyra : „Die erste große Niederlage für den IS“

  • Aktualisiert am

Syrische Soldaten feiern bei Palmyra Bild: Reuters

Der „Islamische Staat“ wurde nach syrischen Angaben aus Palmyra vertrieben. Sein Rückzug aus der antiken Wüstenstadt, in der er mehrere Tempel gesprengt hatte, gilt als wichtiger Sieg im Kampf gegen die Terrormiliz.

          Die syrischen Regierungstruppen haben die Oasenstadt Palmyra vollständig zurückerobert und der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) damit eine schwere Niederlage beigefügt. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen nächtlichen Kämpfen gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

          Die Dschihadisten hätten sich zurückgezogen. Sowohl die als Weltkulturerbe gelisteten Ausgrabungsstätten als auch die angrenzenden Wohngebiete seien wieder unter Kontrolle der Armee, sagte der Militärvertreter einem AFP-Korrespondenten in Palmyra. Die IS-Kämpfer seien in ihre Hochburgen Suchnah, Raqqa und Deir el Zor im Osten und Norden Syriens zurückgewichen. Experten der Armee seien dabei, Dutzende Sprengsätze und Minen in der antiken Stadt zu entschärfen.

          Die Einnahme von Palmyra ist ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrische Armee und eine schwere Niederlage für die Dschihadisten. Diese hatten Palmyra im vergangenen Mai erobert. In den folgenden Monaten schockierten sie die Welt durch brutale Hinrichtungen in den Ruinen der antiken römischen Stadt und die Zerstörung mehrerer Tempel, Grabmäler und Skulpturen. Palmyra wird von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt.

          „Kulturelle Säuberung“ in Palmyra

          Am 7. März startete die syrische Armee dann mit Unterstützung der libanesischen Hiizbullah-Miliz und der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der nordöstlich von Damaskus gelegenen Stadt. Die Unesco-Direktorin Irina Bokova hatte die Offensive auf Palmyra begrüßt. „Seit einem Jahr ist die Plünderung von Palmyra das Symbol der kulturellen Säuberung, welche der Mittlere Osten erlebt“, sagte Bokova. „Wenn wir gewinnen, ist es die erste große Niederlage, die die Armee Daesch zufügt“, hatte ein Militärvertreter am Samstag unter Verwendung der arabischen Bezeichnung der IS-Miliz gesagt. Die Einnahme von Palmyra sei eine ähnliche Niederlage für die IS-Miliz wie der Verlust der kurdischen Stadt Kobane im Norden Syriens, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

          Laut der oppositionsnahen Organisation, deren Angaben für Medien meist kaum zu überprüfen sind, wurden seit Beginn der Offensive in Palmyra mindestens 400 Dschihadisten getötet. „Es sind die schwersten Verluste für den IS in einer einzigen Schlacht seit seiner Entstehung“ im Jahr 2013, sagte Abdel Rahman. Mit Palmyra verliere die IS-Miliz „automatisch die große syrische Wüste“ bis zur Grenze zum Irak.

          Auch im Irak zunehmend unter Druck

          Auch dort stehen die Dschihadisten zunehmend unter Druck: Nach langer Vorbereitung startete die irakische Armee kürzlich eine Offensive auf die IS-Hochburg Mossul. Neben Mossul kontrollieren die Dschihadisten noch die syrische Stadt Raqqa und Teile von Deir al Zor, doch mussten sie in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Niederlagen hinnehmen. Als Nächstes will die syrische Armee Raqqa ins Visier nehmen.

          Syrische Soldaten am Sonntag nahe Palmyra

          Die russische Luftwaffe war mit hunderten Angriffen an der Offensive auf Palmyra beteiligt. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau flogen Kampfflugzeuge allein zwischen Freitag und Samstag Angriffe auf 158 Ziele. Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche überraschend den Abzug des Großteils der russischen Truppen angeordnet, doch bleibt weiterhin ein bedeutendes Kontingent im Land.

          Vor Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ausgrabungsstätten von Palmyra. Die IS-Miliz hat in der antiken Oasenstadt mehrere Grabtürme sowie die berühmten Tempel von Baal und Baalschamin gesprengt, bevor sie den Triumphbogen der mehr als 2000 Jahre alten Stadt zerstörte.

          Weitere Themen

          Die da oben

          FAZ Plus Artikel: Populismus : Die da oben

          Populisten geben sich gerne als Männer und Frauen des Volkes. Am Beispiel der AfD kann man jedoch sehen: Kritiker der „Elite“ sind meist elitärer, als ihre Rhetorik vermuten lässt.

          Topmeldungen

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Einer für alles: Aktuelle Samsung-Fernseher haben auch die Apple-TV-App installiert.

          Video-Streaming im Überblick : Was gibt es da zu glotzen?

          Netflix, Amazon, Sky und jetzt noch Apple: Video-Streaming ersetzt immer mehr das klassische Fernsehen. Das Angebot wird vielfältiger und der Zugang komfortabler.
          Stephan E. soll den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet haben.

          Geheimpapier : Falsche Angaben im Fall Lübcke?

          Der hessische Verfassungsschutz soll im Vorfeld mehr über Lübckes mutmaßlichen Mörder gewusst haben, als zunächst zugegeben wurde. Ein Geheimpapier belastet die Behörde.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.