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Philippinen : Präsident im Blutrausch

Zum Schluss werden noch Fotos gemacht, mit einer Tafel vor dem Oberkörper, auf der das Datum, ihr Name und Wohnort verzeichnet sind. Alles geschieht unter den Augen der Nachbarn. „Es ist beschämend“, sagen die Männer, als die Polizei weg ist. Sie fühlen sich gedemütigt. „Sie sagen, alle Süchtigen seien böse, aber das stimmt doch nicht“, sagt einer der Männer. Die Polizei solle lieber versuchen, die großen Drogenbarone zu fassen, und nicht die kleinen Leute auf der Straße schikanieren.

„Wir waren nur zufällig in der Gegend!“

Mit ihren täglichen Kontrollen hat die Polizei umfangreiche Datenbanken angelegt, in denen Informationen über Tausende Personen gespeichert sind. Rund 12.000 Namen sollen allein in Manila auf den Listen der Polizei stehen. Nur hinter vorgehaltener Hand trauen sich die Leute, sich zu ihrer Sucht zu bekennen. Einer von ihnen ist ein Mann, den alle „Bong“ nennen. Er sitzt am frühen Nachmittag in seinem Haus in Manila im Rausch auf seinem Holzbett. Schlaftrunken schaut er vor sich hin. Im Gespräch schiebt er immer wieder seine Zahnreihen übereinander. Eine typische Angewohnheit von Crystal-Meth-Abhängigen.

Auf die Frage, ob er Drogen in seinem Zimmer habe, deutet er nur beiläufig hinter sein Bett. Er berichtet, dass er weiterhin kleine Mengen Crystal Meth an einen Kundenstamm von philippinischen Prominenten verkaufe. Er müsse das tun, um seine sieben Kinder zu ernähren, sagt er. Ihm ist klar, dass er damit sein eigenes Leben riskiert. „Wenn du umgebracht wirst, hast du eben Pech gehabt.“ Es sind meist die Benachteiligten, die der Krieg gegen die Drogen trifft.

So wie die 65 Verdächtigen, die die Polizei im Stadtteil Culiat festgenommen hat. Dicht an dicht sitzen sie in den Transportern, versuchen, ihre Gesichter vor den Scheinwerfern der Kameras zu verbergen. Einige sind mit Handschellen aneinander gekettet. Etwa zwei Kilometer entfernt werden sie wieder ausgeladen und in ein vergittertes Gebäude gebracht, in dem sie die Nacht verbringen sollen. Es gibt weder Licht noch Schlafplätze in dem Haus, nur den nackten Betonboden. Eine Frau streckt ihre Hände zwischen den Gitterstäben hindurch. Neben ihr steht ihr Ehemann. Tränen fließen ihre Wangen hinab. „Wir haben nichts getan, wir nehmen keine Drogen. Wir waren nur zufällig in der Gegend!“, klagt sie. Ein Polizist leuchtet ihr kurz mit seiner Taschenlampe ins Gesicht. Dann wendet er sich ab.

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