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Putsch in Thailand : Armee hält frühere Regierungschefin gefangen

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Die ehemalige thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra wird von der Armee festgehalten. Bild: picture alliance / dpa

Nach dem Putsch befindet sich Thailands frühere Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra in Gewahrsam der Militärs. Im Umfeld ihres Bruders Thaksin wird die Bildung einer Exilregierung erwogen. Das Militär bestellt unterdessen drei Dutzend Akademiker zum Rapport.

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          Thailands Ex-Regierungschefin Yingluck Shinawatra wird an einem unbekannten Ort vom Militär festgehalten. „Es wurde bestätigt, dass sie von der Armee festgenommen wurde, nachdem sie sich gestern der Militärführung gestellt hatte“, sagte ein hochrangiges Mitglied ihrer Puea-Thai-Partei am Samstag. „Wir kennen ihren Aufenthaltsort nicht, da sie und ihre Begleiter ihre Mobiltelefone abgeben mussten.“ Ein Militärsprecher sagte, die inhaftierten Politiker würden bis zu sieben Tage lang festgehalten, „je nachdem, wie direkt sie in die Krise verwickelt waren“.

          Nach dem Militärputsch hatten die Streitkräfte am Freitag mehr als 150 führende Politiker zum Rapport bestellt. Zudem wurden sie mit Ausreiseverboten belegt. Yingluck und ihr Nachfolger Niwattumrong Boonsongpaisan meldeten sich bei einem Militärposten in Bangkok. Seitdem wurde Yingluck in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen. Einer ihrer Berater äußerte die Vermutung, Yingluck könne in ein Militärcamp außerhalb der Hauptstadt gebracht worden sein. Auch ihre Schwester und ihr Schwager, die beide einflussreiche Posten unter Yingluck inne hatten, seien inhaftiert worden, sagte ein Militärvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

          Am Samstag bestellte das Militär zudem etwa drei Dutzend Akademiker ein. Wer sich nicht bis 16 Uhr Ortszeit stelle, müsse mit Verhaftung rechnen, teilte der Militärrat mit. Menschenrechtsorganisationen reagierten empört: „Die Menschenrechtssituation in Thailand ist unter der Militärherrschaft in freiem Fall“, sagte Brad Adams von Human Rights Watch.

          Thaksins Berater äußert sich besorgt über Verhaftungen

          In Thailand sind bei Protesten seit vergangenem November 28 Menschen getötet und 700 verletzt worden. Hintergrund des Konflikts ist ein seit fast zehn Jahren andauernder Machtkampf zwischen Anhängern des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra - er ist Yinglucks älterer Bruder - und der königstreuen Mittelschicht. Thaksin wird von der armen Landbevölkerung unterstützt. Aus dem Exil hat er nach wie vor großen Einfluss - zuletzt durch seine Schwester als Regierungschefin.

          Nach dem Militärputsch wurden aus Thaksins Umfeld Überlegungen über die Bildung einer Exilregierung laut. „Der Militärputsch durch die thailändische Armee besitzt keine Legitimität“, sagte Robert Amsterdam, ein enger Berater Thaksins am Freitagabend. „Diejenigen, denen das thailändische Volk das Mandat im Rahmen freier und fairer Wahlen erteilt hat, ziehen jetzt die Bildung einer Exilregierung in Erwägung.“ Zudem verurteilte er die Festnahmen durch das Militär. „Angesichts des schlechten Rufs der thailändischen Armee in Bezug auf Menschenrechte machen wir uns große Sorgen um die Verhafteten.“

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