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Kernwaffen : Wasserstoffbombentest Nordkoreas löst internationalen Aufschrei aus

  • Aktualisiert am

Die Nordkoreanische Regierung verkündet den erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe. Bild: dpa

Erstmals testete Nordkorea nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe. Die Regierungen von Südkorea und Japan verurteilten den Schritt und kündigten Gegenmaßnahmen an. Dabei kämen vor allem internationale Sanktionen in Betracht.

          Nordkorea hat am Mittwoch nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet und damit international scharfe Kritik auf sich gezogen. Der Test sei erfolgreich gewesen, hieß es in einer Erklärung im staatlichen Fernsehen. Es habe sich um eine „strategische Entscheidung“ unter Leitung des Staatsführers Kim Jong Un gehandelt. Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre das eine neue Eskalationsstufe in dem Konflikt um das nordkoreanische Kernwaffenprogramm. Als Reaktion sollte nach Angaben von Diplomaten noch an diesem Mittwoch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Chinas Außenministerium berief den nordkoreanischen Botschafter ein.

          Südkoreas Regierung kündigte an, alle erforderlichen Schritte einzuleiten, um sicherzustellen, dass das Regime in Nordkorea bestraft werde. Dabei kämen vor allem internationale Sanktionen in Betracht, sagte Präsidentin Park Geoun Hye. Die japanische Regierung erklärte, Nordkoreas Vorgehen bedrohe auch die Sicherheit Japans und werde eine klare Antwort nach sich ziehen. Die amerikanische Regierung rief die Führung in Pjöngjang auf, sich an internationale Vereinbarungen zu halten.

          EU kritisiert Nordkorea für "schweren Verstoß"

          Die EU hat den Test als schweren Verstoß gegen UN-Resolutionen verurteilt. Wenn sich bestätigen sollte, dass es sich tatsächlich um einen Atomwaffentest gehandelt habe, dann sei dies „ein schwerer Verstoß“ gegen Nordkoreas Verpflichtung, „keine Atomwaffen zu produzieren oder zu testen“, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Mittwoch in Brüssel. Dies sei durch „mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates festgelegt“. Der Test sei zudem eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit in ganz Nordostasien.

          Ähnlich äußerte sich Russland. Sollten sich die Angaben Nordkoreas bestätigen, dann handele es sich um einen „neuen Schritt Pjöngjangs auf dem Weg zur Entwicklung von Atomwaffen“, erklärte das Außenministerium in Moskau. Dies sei ein offenkundiger Verstoß gegen internationales Recht und bestehende UN-Resolutionen.

          Paris und London kritisieren mutmaßlichen Kernwaffentest

          Die Atommächte Frankreich und Großbritannien haben mit scharfer Kritik auf den mutmaßlichen Test reagiert. Der Kernwaffenversuch sei „eine inakzeptable Verletzung von Beschlüssen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen“, hieß es in einer an diesem Mittwoch vom Élyséepalast in Paris verbreiteten Mitteilung. Gleichzeitig forderte Frankreich eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft, ohne dies näher zu beschreiben.

          Die britische Regierung nannte den mutmaßlichen Atomversuch eine Provokation. „Wenn die Berichte über den nordkoreanischen H-Bomben-Test wahr sind, ist das ein schwerer Bruch der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und eine Provokation, die ich ohne Einschränkung verurteile“, twitterte Außenminister Philip Hammond an diesem Mittwoch von China aus.

          Test ist „schwerer Rückschlag“

          Nach Einschätzung des deutschen Nordkorea-Experten und CSU-Abgeordneten Hartmut Koschyk ist das Vorgehen Nordkoreas „ein schwerer Rückschlag“ für die innerkoreanische Annäherung und den gewünschten Friedensprozess. Ein Hintergrund könnte sein, dass der junge Führer Kim Jong Un seine Machtbasis noch nicht hinreichend gefestigt habe und sich dem Militär gegenüber beweisen müsse, sagte Koschyk der Deutschen Presse-Agentur.

          Nordkoreas Vorgehen werde auch dazu führen, dass Deutschland und die EU ihre Politik der Einbindung Nordkoreas zurückfahren und sich der Reaktion der Weltgemeinschaft mit verschärften Sanktionen voll und ganz anschließen werden.

          Zweifel an Echtheit der Wasserstoffbombe

          Nach Angaben der nordkoreanischen staatlichen Nachrichtenagentur wurde eine Mini-Wasserstoffbombe gezündet. Wasserstoffbomben verfügen über eine deutlich höhere Sprengkraft als Atomwaffen herkömmlicher Bauart. In einer Miniaturversion könnten sie zudem auf Marschflugkörpern transportiert werden, das wäre eine neue Bedrohung für Amerika und seine Verbündeten Japan und Südkorea.

          Südkoreanische Geheimdienstler und mehrere Beobachter bezweifelten jedoch, dass es sich um eine echte Wasserstoffbombe handelte. Die Bombe hatte nach Angaben eines südkoreanischen Abgeordneten und Geheimdienst-Experten in etwa die Sprengkraft der Bombe, die beim dritten Atomtest im Jahr 2013 gezündet wurde. „Es könnte ein Zwischending zwischen Atombombe und Wasserstoffbombe gewesen sein, aber wenn sie keine Beweise vorlegen, können wir ihren Angaben nicht glauben“, sagte der südkoreanische Sicherheitsexperte Yang Uk.

          Nordkorea will Atomkapazitäten weiter ausbauen

          Zwischen dem kommunistischen Norden und dem demokratischen Süden herrscht seit Jahrzehnten formell noch Kriegszustand. Ende November hatten beide Länder erklärt, einen neuen Anlauf zur Entspannung nehmen zu wollen. Die Vereinten Nationen haben wegen des Atom- und Raketenprogramms Sanktionen gegen das verarmte und abgeschottete Nordkorea verhängt.

          Nach dem Test an diesem Mittwoch hieß es im staatlichen Fernsehen, Nordkorea werde seine Atom-Kapazitäten weiter ausbauen. Solange die Rechte des Landes geachtet würden, würden aber keine Atomwaffen eingesetzt. Es gehe allein um Selbstverteidigung. Solange die Vereinigten Staaten ihre feindliche Politik gegenüber Nordkorea nicht aufgebe, werde das Land auch sein Atomprogramm nicht beenden. Nordkorea hatte bereits Mitte September angekündigt, sein Atomwaffen-Arsenal auszubauen.

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