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Proteste in Kambodscha : Aufstand der Unterbezahlten

Arbeitskampf: Vor den Textilfabriken in Phnom Penh Bild: AP

Kambodschas Polizei schießt scharf auf streikende Textilarbeiter. Die Arbeiter fordern mehr Lohn als die bisher gezahlten umgerechnet 60 Euro monatlich. Mindestens drei von ihnen wurden getötet.

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          Der zuständige kambodschanische Befehlshaber hatte die Rechtfertigung schnell parat. „Wir können ihnen nicht gestatten, die Straße zu blockieren und müssen gegen sie vorgehen“, sagte der Generalmajor Roth Srieng, Kommandeur der Polizei von Phnom Penh in Richtung der streikenden Textilarbeiter. „Wir haben keine Wahl.“ Zuvor hatten Einsatzkräfte scharf auf Arbeiter geschossen, die am „Canadia Industrial Park“ in einem Vorort der Hauptstadt für höhere Löhne protestiert hatten.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dabei waren mindestens drei Menschen getötet worden. Am Ende der Nacht, in der die Militärpolizei versucht hatte, den Streik aufzulösen, hatten hunderte junge Männer und einige Frauen ihre Angriffe auf die Polizei verstärkt, berichtete die Zeitung. Sie seien mit Knüppeln, Steinen und Molotow-Cocktails auf die Einsatzkräfte losgegangen.

          Die Polizisten sollen mit automatischen Gewehren, Schutzschilden und Schlagstöcken ausgestattet gewesen sein. Die Schüsse auf die Demonstranten seien laut Augenzeugenberichten anhaltend und gezielt gewesen. Die Textilarbeiter hatten eine Straße blockiert, auf der noch am Nachmittag brennende Reifen und andere Trümmer herumlagen. In den Obergeschossen eines Wohngebäudes der Arbeiter seien Einschusslöcher zu sehen gewesen. Schon in der Nacht seien nach Angaben eines Gewerkschaftlers zunächst 200 Militärpolizisten auf das Gelände des Industrieparks gestürmt. Sie sollen zehn Arbeiter verletzt haben. Videos der „Phnom Penh Post“ zeigten, wie Protestler in der Nacht Reifen ins Feuer warfen und Barrikaden aus Wellblech und anderen Gegenständen bauten. Danach war zu sehen, wie die Polizisten in einem unübersichtlichen Handgemenge Menschen abführten und von einem Gebäude aus mit Flaschen beworfen wurden. Auch auf Seiten der Polizei hatte es mehrere Verletzte gegeben.

          Abnehmer: Gap, Banana Republic, Wal Mart

          Die Streiks der Textilarbeiter in Kambodscha dauern schon mehr als zwei Wochen an. Die Arbeiter verlangen eine Verdopplung des Lohns auf 160 Dollar (rund 115 Euro). Zunächst wurde ihnen aber nur eine Erhöhung von 80 Dollar auf 95 Dollar (rund 70 Euro) zugesagt. Danach lenkte die Regierung ein und versprach eine Lohnerhöhung von weiteren fünf Dollar. Das genügt den Arbeitern nicht. In dem armen südostasiatischen Land sind etwa eine halbe Million Menschen in der Textilbranche beschäftigt, unter teilweise fragwürdigen Bedingungen. Kambodschas Wirtschaft ist stark von dem Industriezweig abhängig, der für 85 Prozent der kambodschanischen Exporte verantwortlich ist. Sie erreichen jährlich einen Wert von etwa fünf Milliarden Dollar. Die derzeitigen Zusammenstöße sollen sich nahe des koreanischen Textilunternehmens Yak Jin konzentriert haben, das seiner Website nach unter anderem die Marken Gap, Banana Republic und Wal Mart beliefert. Auch Firmen wie H&M, Adidas und Nike sollen ihre Produkte zum Teil aus Kambodscha fertigen lassen.

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