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Unruhen in Hongkong : Das Zittern der Zehntausend

  • -Aktualisiert am

Tausende Studenten in Hongkong halten am Dienstag vor dem Regierungsgebäude der Stadt ihre Smartphones mit angeschalteten Taschenlampen hoch. Am dritten Tag in Folge demonstrieren sie für Demokratie. Bild: dpa

Am dritten Tag der Occupy-Central-Bewegung in Hongkong ist von der Polizei kaum etwas zu sehen. Trotzdem macht sich unter den jungen Demonstranten leise Nervosität breit. Am Mittwoch ist Nationalfeiertag - wird die chinesische Regierung den Protest trotzdem noch zulassen?

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          Die Studenten unter der Brücke unter dem Queensway in Hongkong sind für die Nacht vorbereitet. „Unterstützer aus der Bevölkerung haben uns alles vorbeigebracht, was wir brauchen“, sagt Student Ken, der den Umschlag der Versorgung organisiert. Er zeigt seine Vorräte, kistenweise Wasserflaschen, aber auch Milch, Klarsichtfolien und Schwimmbrillen. Und viele, viele Regenschirme.

          Das ist gegen Tränengas und Pfefferspray erklärt Ken, der wie die meisten jungen Leute in Hongkong am liebsten bei seinem englischen Namen genannt werden will. Ken hat vor zwei Tagen bei der Besetzung von Hongkongs Regierungsgebäude eine kräftige Ladung Pfefferspray abgekommen. Das tat sehr weh, sagt er, aber mit Milch könnte man die Schmerzen lindern. Die Studenten auf den Straßen von Hongkong sind noch jetzt empört über den Polizeieinsatz und Pfefferspray. „Wir sind friedlich und unbewaffnet“, sagt Kens Freundin Cathy, „wir haben nichts getan, was so einen Einsatz rechtfertigen könnte. Wir haben die Polizei nicht provoziert.“

          Am Dienstag, dem dritten Tag der Occupy-Central-Bewegung in Hongkong, ist von der Polizei kaum etwas zu sehen. Die großen Straßen, die zu den Zentren der Sit-ins der Studenten führen, sind noch immer mit Barrikaden gesichert, doch keine Uniformierten zeigen sich in ihrer Nähe. Dafür sind die Absperrung mit massenhaft Regenschirmen dekoriert. Die Regenschirme waren eigentlich als Schutz vor Tränengas und Pfefferspray gedacht, jetzt haben sie sich zum Symbol der Bewegung entwickelt. Von einer „Regenschirm-Revolution“ schreiben schon viele Hongkonger Zeitungen. Ab und an schlendert ein Verkehrspolizist durch die Seitenstraßen, hält sich von den Demonstranten fern, gibt sich betont entspannt und freundlich.

          Hongkong: eine riesengroße Fußgängerzone

          Die Studenten sagen, sie fänden es merkwürdig, dass die Einsatzpolizei verschwunden ist. Je mehr sich der Tag neigt, desto mehr verbreitet sich leise Nervosität unter den Zehntausenden von jungen Hongkongern, die in der brütenden Hitze auf den Straßen und Brücken der Stadt lagern. In der Nacht, so läuft ein Gerücht über Facebook und die anderen sozialen Netzwerke, soll etwas passieren. Vielleicht kommen die Sondereinsatzkräfte mit ihren Schlagstöcken, ihrem Tränengas doch zurück.

          Fußgängerzone Hongkong: Mit ihren Demonstrationen gegen die aufoktroyierte Wahlreform legen die Studenten die Stadt lahm.

          Auch Ken ist besorgt. „Am Mittwoch ist der chinesische Nationalfeiertag, da will die chinesische Zentralregierung bestimmt keine Demonstranten mehr auf den Straßen von Hongkong haben.“ China hat die Proteste in Hongkong als illegale Versammlung verurteilt, und die chinesischen Zeitungen und offiziellen Medien beschreiben vor allem, wie Hongkongs Finanzwelt, Tourismus und Einzelhandel unter den Protesten zu leiden haben.

          Tatsächlich bereitet die Blockade von Teilen Hongkongs vielen Ungemach. Die Hauptverkehrsadern von Central, dem Banken- und Geschäftsbezirk von Hongkong, gleichen in diesen Tagen einer riesigen Fußgängerzone. Über die sonst mit Autos verstopften Straßen wie den Queensway und die Connaught Road schlendern Fußgänger, selbst in den angrenzenden Straßen gibt es kaum Verkehr. Die öffentlichen Busse fahren kaum noch, einige Linie sind ganz eingestellt.

          Geschlossene Geschäfte in Hongkongs Innenstadt

          Dies sollte die Hochsaison des Tourismus sein, denn ganz China hat eine Woche Ferien, um den Nationalfeiertag zu feiern, und Hongkong ist ein beliebtes Reiseziel für Festlandchinesen. Doch in der Umgebung der Demonstrationen sind die Juweliergeschäfte, die sonst die chinesische Kundschaft anziehen, jetzt geschlossen, Cafés und Geschäfte öffnen ihre Türen kaum, selbst einige der riesigen Shopping Malls mit ihren Hunderten von Geschäften bleiben zu.

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