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Philippinen : Mit Hilfe der Todesschwadronen

Der „Dirty Harry“ der Philippinen: Rodrigo Duerte Bild: AP

Der aussichtsreichste Kandidat bei der Präsidentenwahl auf den Philippinen hat angekündigt, 100.000 Kriminelle hinrichten zu lassen. Das kommt bei vielen gut an.

          4 Min.

          In dem Kiosk in Davao ist schon klar, wer die Präsidentenwahl der Philippinen am Montag gewinnen wird. In der Stadt im Süden des Landes stehen an einer Maschine, aus der ein klebriges Süßgetränk mit dem Namen „Gulp“ sprudelt, gestapelte Pappbecher mit den Gesichtern der Kandidaten. Die Kunden können mit der Wahl des Bechers ihre politische Vorliebe kundtun. Über der Kasse wird das Ergebnis auf einem Schild verkündet. Die Nummer eins: Rodrigo Duterte, ein verknautscht aussehender Mann mit schwarzem Kurzhaarschnitt. Die Nummer zwei: die Option „weiß nicht“. Erst danach folgen die anderen Kandidaten.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Repräsentativ ist die Limonaden-Umfrage natürlich nicht. Aber auch die ernstzunehmenden Umfrageinstitute sehen den 71 Jahre alte Duterte in der Abstimmung auf dem ersten Platz – sogar mit einigem Abstand vor der Senatorin Grace Poe. Seit er als letzter der Kandidaten und gewissermaßen als Außenseiter ins Rennen ging, wurde Duterte auf einer Welle der Zustimmung nach oben getragen. Es ist vor allem das Image als Law-and-Order-Politiker, das ihn im Volk beliebt gemacht hat. So hatte Duterte etwa angekündigt, er werde als Präsident 100000 Kriminelle hinrichten lassen und ihre Leichen den Fischen in der Bay von Manila zum Fraß vorwerfen, bis sie fett würden.

          „Er kommt aus dem Volk und spricht auch wie das Volk“

          Ausländische Beobachter und auch die Elite in der Hauptstadt Manila mögen bei solchen Aussagen besorgt die Stirn in Falten legen. Immerhin hat Duterte auch schon selbst anklingen lassen, dass er Verbindungen zu den Todesschwadronen hat, die für die Ermordung von mehr als 1400 Kleinkriminellen und Straßenkindern in Davao verantwortlich sein sollen. Zudem könnte sich noch herausstellen, dass der wegen seiner Methoden als „Dirty Harry“ bekannte Politiker als Präsident nicht nur in der Verbrechensbekämpfung hart vorgehen wird. Manche befürchten, dass mit seiner Wahl auch eine Rückkehr zu einem autoritären Führungsstil verbunden sein könnte. Zumal einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten kein Geringerer als Ferdinand „Bongbong“ Marcos ist, der Sohn des früheren philippinischen Diktators.

          Doch in der Bevölkerung, die von der sechs Jahre währenden Regierung des amtierenden Präsidenten Benigno Aquino III. enttäuscht ist, kommt die Art Dutertes gut an. Nirgendwo ist das so deutlich zu erkennen wie in Davao, einer der flächenmäßig größten Städte der Welt auf der Insel Mindanao. Hier ist Duterte seit 1988 mit kurzer Unterbrechung Bürgermeister. Während seiner fast 30 Jahre andauernden Amtszeit hat er Davao von der einstigen „Mörderhauptstadt“ zu einer der angeblich sichersten Städte der Philippinen gemacht. „Sie können in Davao zu jeder Tages- und Nachtzeit auf die Straße gehen. So sicher ist es hier“, sagt Jesús Melchor Quitan, der als eine Art Verwaltungschef der Stadt die Geschäfte führt, wenn sein alter Schulfreund Duterte verhindert ist.

          Hartes Durchgreifen : Präsidentenwahl auf den Philippinen

          Der Verwaltungschef sitzt im Rathaus, nebenan auf dem Flur stehen Bürger Schlange, die um Hilfe für ihre Probleme bitten. „Er wird ein sehr guter Präsident, trotz seines losen Mundwerks“, sagt Quitan. Man solle nicht alles so ernst nehmen, was der streitbare Kandidat so von sich gebe. „Er kommt aus dem Volk und spricht auch wie das Volk“, sagt Quitan. Auch als Präsident werde Duterte streng gegen Kriminalität vorgehen. Der Bürgermeister verfüge aber auch über ein weiches Herz. In „seiner“ Stadt habe er etwa Programme für benachteiligte Kinder und Frauen auf den Weg gebracht.

          Geschmacklose Äußerung über Gruppenvergewaltigung

          Tatsächlich wirkt Davao aufgeräumter als andere Städte in den Philippinen. Zumindest in dem Gebiet um das Rathaus fehlt der übliche Wirrwarr oberirdischer Stromkabel an den Masten. Hier wurden die Kabel in den Boden verlegt. Auch die Straßen sind ordentlich gefegt. Bis auf ein paar ausgewiesene Plätze herrscht Rauchverbot. Der Bürgermeister hat einen lokalen Rettungsdienst für Notfälle eingeführt, der deutlich effizienter sein soll als anderswo. Auch eine Einrichtung zur Rehabilitierung von Drogenabhängigen wurde geschaffen.

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