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Südchinesisches Meer : Auf ziemlich verlorenem Posten

Die BRP Sierra Madre hat schon den Zweiten Weltkrieg erlebt. Bild: Reuters

Die Philippinen verteidigen ihre Ansprüche auf Teile der Spratly-Inseln von einem verrotteten Schiffswrack aus. Die Erfahrung zeigt, dass selbst ein zeitweiser Rückzug den Verlust des Seegebietes bedeuten könnte.

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          Die BRP Sierra Madre sieht aus wie die Kulisse für einen Blockbuster über die Zeit nach der Apokalypse. Man denke etwa an „Mad Max“ mit Mel Gibson oder „Waterworld“ mit Kevin Costner. Auf Fotos und Filmaufnahmen ist zu sehen, wie das von der Sonne und der salzigen Seeluft schwer angegriffene Kriegsschiff auf einer etwa 1,5 Meter flachen Untiefe im Südchinesischen Meer sitzt, umspült von türkisfarbenem Wasser. Die graue Stahlhülle ist übersät von dicken roten Rostflecken, die aussehen wie Seepocken auf der Haut eines Buckelwals. Im Rumpf klaffen Löcher, in die das Meereswasser hereinströmt, und durch das morsche Oberdeck tropft tropischer Regen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch weder handelt es sich um ein Geisterschiff noch um ein Requisit eines Endzeitspielfilms – sondern um einen militärischen Vorposten in einem geopolitischen Gerangel über territoriale Ansprüche im fisch- und ressourcenreichen, für die internationale Seeschifffahrt bedeutenden Südchinesischen Meer. Das 100 Meter lange Schiff stand einst im Dienst der Marine der Vereinigten Staaten und war schon im Zweiten Weltkrieg und dann im Vietnam-Krieg im Einsatz. Danach hatte die philippinische Marine es übernommen und im Jahr 1999 mit Absicht auf Grund laufen lassen. Denn die international als Second Thomas Shoal und in den Philippinen als Ayungin Shoal bekannte Untiefe, auf der die BRP Sierra Madre sitzt, gehört zu den Spratly-Inseln. Auf Teile der Inselgruppe erheben neben den Philippinen und China auch Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan teilweise überlappende Ansprüche.

          Doch während das philippinische Schiff, auf dem eine Handvoll bemitleidenswerter Soldaten Dienst tut, langsam auseinanderfällt, hat China in der Umgebung in den vergangenen Monaten schon mehrere künstliche Inseln aufgeschüttet. Sie wurden mit modernen Hafenanlagen, Leuchttürmen und einer Start- und Landebahn für Flugzeuge ausgestattet. Unter anderem auf dem nahe gelegenen Mischief Reef ist damit eine Infrastruktur entstanden, die China eine zunehmend effektivere Kontrolle der Seegebiete erlaubt. So fürchten die Philippinen laut ihrem Generalstabschef Gregorio Catapang, dass China die Versorgungsroute zur BRP Sierra Madre in Zukunft vollständig abschneiden könnte.

          Vor einigen Tagen hat das philippinische Militär angekündigt, zumindest die allernötigsten Reparaturen an dem Wrack in Angriff zu nehmen. Ziel sei es, „wenigstens ein Mindestmaß an Bewohnbarkeit sicherzustellen“, sagte der Marinesprecher Colonel Edgard Arevalo. „Wir sind moralisch dazu verpflichtet, unsere dortigen Truppen zu versorgen“, sagte der Colonel. Das Schiff habe, auch im Zuge internationaler Berichterstattung, wegen seines heruntergekommenen Zustands „traurige Berühmtheit“ erlangt. Einen Pressebericht, wonach ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Schiff eingerichtet werden solle, wollte der Sprecher allerdings nicht bestätigen.

          China unterwirft sich keinem Schiedsgericht

          Das klang nun so, als ginge es Manila mehr darum, einen peinlichen Schandfleck zu beseitigen, als seine militärische Position zu stärken. Pekings Reaktion auf die Ankündigung ließ trotzdem nicht lange auf sich warten. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums verdammte die „illegalen Aktivitäten“. Sie forderte die Philippinen auf, das Schiff endlich abzuschleppen. Denn schon seit einigen Jahren versucht China mit zunehmendem Erfolg, die Philippinen und die anderen Anrainerstaaten aus den von ihnen beanspruchten Gebieten herauszudrängen. So kontrolliert China seit dem Jahr 2012 das Scarborough Shoal und hat auch seinen Zugriff auf das Second Thomas Shoal verstärkt.

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