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Philippinen : Begräbnis für einen verklärten Diktator

Das Begräbnis des ehemaligen philippinischen Diktators Marcos auf dem Heldenfriedhof von Manila wurde von einem starken Polizeiaufgebot bewacht. Bild: Reuters

Mit dem Segen des neuen Präsidenten Duterte ist der philippinische Kleptokrat Ferdinand Marcos 27 Jahre nach seinem Tod in aller Eile auf dem Ehrenfriedhof von Manila bestattet worden. Opfer und Gegner wurden überrumpelt.

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          Der frühere philippinische Diktator Ferdinand Marcos ist am Freitag überraschend auf dem Heldenfriedhof von Manila beigesetzt worden. Der Marcos-Clan hatte den Termin bis zum Schluss geheim gehalten. Die Familie wollte offenbar nicht, dass die Opfer und Gegner des früheren Präsidenten ein Begräbnis mit ihren Protesten stören. Immerhin haben sie 27 Jahre lang dafür gekämpft, dass ihr Oberhaupt sein Begräbnis auf dem Heldenfriedhof in Manila bekommt, wo auch andere frühere Präsidenten begraben liegen. Doch erst die Regierung des neuen Präsidenten Rodrigo Duterte hatte den Weg für das Begräbnis frei gemacht. Eine Klage vor dem Obersten Gericht gegen seine Entscheidung war gescheitert.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Tochter des Diktators und Gouverneurin seiner Heimatprovinz Ilocos Norte, Imee Marcos, bedankte sich bei dem Präsidenten, dass er die Beisetzung auf dem Heldenfriedhof ermöglicht hatte. Erst einige Zeit nach der Trauerfeier präsentierte sich die Familie, komplett in weiß gekleidet, der Presse. Sie hatte sich ein privates Begräbnis ohne Öffentlichkeit und Pomp erbeten. Damit blieben den Filipinos immerhin die Bilder einer tränenreichen Imelda Marcos erspart. Unvergesslich sind die  Bilder der heute 87 Jahre alten Diktatorenwitwe von vor ein paar Jahren, auf der sie den Glassarg küsste, der den einbalsamierten Leichnam ihres Ehemannes enthielt.

          Imelda Marcos war für ihren extravaganten Lebensstil bekannt, darunter ihre Schuhsammlung aus 3000 Paaren. Die frühere Schönheitskönigin und ihr Gatte hatten Reichtümer in Höhe von vielen Milliarden Dollar angehäuft, während viele Bewohner des Landes in Armut lebten. Trotz der Geheimhaltung kam es daher auch zu Protesten gegen das Begräbnis in Manila. Insbesondere für die Opfer des Diktators, die unter dem Vorwand des Ausnahmezustands zu Tausenden verschleppt, gefoltert und getötet worden waren, ist es unerträglich, dass Marcos nun auf diese Weise geehrt wird. „Wie ein Dieb in der Nacht“ habe die Familie das klammheimliche Begräbnis abgehalten, sagte ein Kritiker der philippinischen Presse. Es zeige, wie wenig sich im Denken des Clans geändert habe.#

          Marcos regierte von 1965 bis 1986.

          Die Beisetzung des Leichnams an diesem symbolischen Ort scheint aber nun denjenigen Recht zu geben, die das Marcos-Regime zum „Goldenen Zeitalter“ der Philippinen verklären. Vor allem junge Leute auf den Philippinen wissen nichts oder nur sehr wenig über das Ausmaß der Verbrechen, die unter ihm begangen worden waren. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, wie leicht sich der neue Präsident Duterte schon in den ersten Monaten getan hat, die Demokratie auf den Philippinen in seinem Sinne zu verbiegen. Sein blutiger Krieg gegen die Drogen hat schon 3000 bis 4000 Menschen das Leben gekostet. Kritiker werden mit  Schmähungen und Anschuldigungen überhäuft.

          Die Befürchtung, dass Duterte die Philippinen zurück in eine autoritäre Phase ähnlich wie in der Marcos-Ära zurückführen könnte, sind daher nicht ganz unbegründet. In diesen Tagen schwadronierte Duterte etwa darüber, wie sich sein Land, anstatt sich an Amerika zu orientieren, einer von Russland und China angeführten neuen politischen Ordnung anschließen könnte.

          Nach seinem Tod lag Marcos in einem Glassarg, der an seinem 85. Geburtstag von seiner Witwe Imelda geküsst wurde.

          Dabei zeigte sich nun auch seine Regierung überrascht darüber, wie schnell die Marcos-Familie Tatsachen geschaffen hatte, nachdem das Gericht erst vor einigen Tagen den Weg für das Begräbnis freigemacht hatte. Der Familienclan spielt in der Politik des Inselstaats bis heute eine herausragende Rolle. Der Sohn des Diktators hatte bei der Wahl im Mai für das Amt des Vizepräsidenten kandidiert und nur knapp verloren. In Ilocos Norte, wo all die Jahre auch seine sterblichen Überreste kühl gelagert worden waren, wehten die Flaggen an den Regierungsgebäuden auf Halbmast.

          Nach Marcos´ Beerdigung zeigte sich seine Familie bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit.

          Die Marcos-Familie war nach einem Volkaufstand im Jahr 1986 ins Exil nach Hawaii geflohen. Jedoch konnten Imelda und ihre Kinder nach dem Tod des Familienoberhaupts schon im Jahr 1991 wieder zurückkehren. Das Heldenbegräbnis für ihren Ehemann, das der frühere Schauspieler und damalige Präsident Joseph Estrada im Jahr 1998 genehmigt hatte, war wegen der umfangreichen Proteste abgesagt worden. Die späteren Regierungen, insbesondere von Dutertes Vorgänger, Benigno Aquino, waren gegen ein Heldenbegräbnis für den Diktator. Aus dem Aquino-Clan stammten die schärfsten Widersacher und Kritiker der Diktatorenfamilie.

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