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Dalai Lama : Peking verordnet die Wiedergeburt

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Buntes China: Der von Peking ernannte Panchen Lama bei der Politischen Konsultativkonferenz in Peking Bild: AP

Peking hat große Pläne für Tibet. Die chinesische Führung beschimpft deshalb den Dalai Lama für seine Aussage, er sei womöglich der letzte seiner Art. Die tibetische Exil-Regierung spottet nun: Wenn China den Dalai Lama bestimmen wolle, sei das etwa so, als wenn Fidel Castro den Papst küren würde.

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          Auf den Bildern vom Volkskongress darf der junge Mann in der roten Mönchsrobe der Tibeter nicht fehlen. Gern präsentiert man den jungen Mönch als Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt und Harmonie in China. Aber anders als die anderen Prominenten mit Ehrenposten bei der Versammlung darf Gyaltsen Norbu keine Interviews geben. Er wird auch nicht zu Pressekonferenzen gebeten. Denn auf den Schultern des 25 Jahre jungen Mönches ruhen die Pläne Chinas für die künftige Herrschaft über Tibet, und da darf es keine Ausrutscher geben.

          Gyaltsen Norbu ist der von Peking gekürte 11. Panchen Lama, nach dem Dalai Lama der zweithöchste Würdenträger im tibetischen Buddhismus. Aber längst nicht alle Tibeter erkennen ihn als die Reinkarnation des verstorbenen 10. Panchen Lamas an. Als dieser im Jahr 1989 starb, hatte der Dalai Lama mit Hilfe ihm treuer Mönche in Tibet einen anderen Jungen als Reinkarnation des 10. Panchen Lamas identifiziert. Die chinesische Regierung lehnte diesen aber ab und kürte mit Gyaltsen Norbu ihren eigenen Kandidaten. Den vom Dalai Lama bestimmten Jungen ließ sie verschwinden. Bis heute gibt es keine Auskunft über seinen Verbleib.

          Der von der Regierung gekürte Panchen Lama, Gyaltsen Norbu, wurde in einem Kloster in Peking erzogen. In Tibet und seinem Stammkloster Tashilhunpo war er, seit er erwachsen ist, nur zu kurzen Besuchen. Vor fünf Jahren gab die Regierung ihm den Ehrenposten in der Beraterkonferenz. Öffentliche Äußerungen des Panchen Lamas gab es bislang nur wenige. Jetzt scheint sich aber herauszustellen, dass er nicht der Ja-Sager ist, den Peking gerne hätte. In einer Eingabe hat der junge Panchen Lama die mangelnde Ausbildung und die Beschränkungen für Mönche in Tibet beklagt. Das muss die chinesische Führung aufschrecken. Wenn der junge Panchen Lama aus der Reihe tanzt, könnte dies zu einem Hindernis für Pekings Tibet-Politik werden. Denn der Panchen Lama wird eine wichtige Rolle im tibetischen Buddhismus spielen, sobald der jetzt 80 Jahre alten Dalai Lama stirbt. Der zweithöchste buddhistische Würdenträger soll den tibetischen Buddhismus, seine Mönche und Klöster im Sinne der kommunistischen Regierung in Peking leiten und endlich den Einfluss der Exil-Tibeter beenden.

          Nach Pekings Plan sollte der Panchen Lama auch die Suche nach einer Reinkarnation des Dalai Lamas nach dessen Tod leiten. Doch der im indischen Exil lebende Dalai Lama hat die chinesischen Planungen durchkreuzt, als er davon sprach, dass er vielleicht gar nicht wiedergeboren werden will. Es könne sein, dass die Institution des Dalai Lamas sich überlebt habe, sagte er in Interviews. Schon früher hatte er ausgeschlossen, dass er in China wiedergeboren werden könnte. Einer der leitenden Funktionäre von Tibet zeigte sich beim Volkskongress erbost über die Idee, dass es keine weiteren Wiedergeburten mehr geben könnte. Dies sei keine Entscheidung, die der Dalai Lama treffen könne, schimpfte Padma Choling. Das sei eine Herabwürdigung des tibetischen Buddhismus. Es gebe genaue Vorschriften in der Sache, die chinesischen Religionsbehörden würden über die Inkarnation bestimmen. Die tibetische Exil-Regierung reagierte mit Spott. Wenn China den Dalai Lama bestimmen wolle, sei das etwa so, als wenn Fidel Castro den Papst küren würde.

          Beschimpfungen aus Peking

          Peking reagierte mit Beschimpfungen des Dalai Lamas. Der Tibet-Beauftragte der chinesischen Regierung, Zhu Weiqun, kritisierte am Rand des Volkskongresses die Äußerungen des Dalai Lamas zu seiner Wiedergeburt als unverantwortlich und respektlos. Seine Bemühungen um einen dritten Weg – weder Unabhängigkeit noch gänzliche Unterordnung unter China – bezeichnete der Funktionär als betrügerisch. Es sei klar, dass der Dalai Lama seine religiöse Stellung dazu benutze, um Tibet von China abzuspalten. Tibet erfreue sich großen wirtschaftlichen Wachstums und sei nach den gewaltsamen Ausschreitungen des Jahres 2008 heute ruhig und stabil.

          Nicht ohne Genugtuung stellte er fest, dass immer weniger ausländische Politiker noch mit dem Dalai Lama zusammentreffen, sein internationaler Einfluss sei deutlich im Schwinden. Und Zhu Weiqun schreckte auch nicht davor zurück, den Rückgang der Selbstverbrennungen von Tibetern als eine „Niederlage“ des Dalai Lamas darzustellen. Früher habe dieser noch Tibeter zur Selbstverbrennung aufstacheln können. Aber selbst das schaffe er jetzt nicht mehr.

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