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Papst-Besuch in Südkorea : Auf den Spuren des Konfuzius

Franziskus Superstar: Überall in Südkorea kündigen Plakate den bevorstehenden Papstbesuch an. Bild: dpa

Der Papst reist nach Südkorea, wo die Zahl der Katholiken rascher wächst als in jedem anderen Land in Asien. Präsidentin Park hat aber ein zwiespältiges Verhältnis zur Kirche.

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          Wer in diesen Tagen durch die südkoreanische Hauptstadt Seoul schlendert, trifft dort auf einen Star, den er in Ostasien nicht erwartet hätte. Ob im Fernsehen, in den Buchhandlungen oder in den Museen: Überall sind seit Tagen Bilder von Papst Franziskus allgegenwärtig. An diesem Donnerstag schließlich wird er selbst in Seoul erwartet.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Es ist die erste Reise eines katholischen Kirchenoberhaupts nach Südkorea seit 25 Jahren. Offizieller Anlass ist der sechste Asiatische Jugendtag, der am Mittwoch begonnen hat. Zu den Höhepunkten des fünftägigen Besuchs in dem Land mit dem drittgrößten katholischen Bevölkerungsanteil in Asien gehört am Samstag die Seligsprechung von 124 katholischen Märtyrern direkt vor dem Kaiserpalast in Seoul – also ausgerechnet im Zentrum der Hauptstadt, wo der Konfuzianismus symbolisch seine anhaltende Stärke demonstriert. Bis zu einer Million Teilnehmer und Schaulustige werden zu der Messe erwartet. Mit der Seligsprechung ehrt Franziskus Katholiken, die im streng konfuzianischen Korea zwischen 1791 und 1888 hingerichtet wurden. Nach Schätzungen der katholischen Kirche starben in Korea im 18. und 19. Jahrhundert mehr als 10.000 gläubige Katholiken den Märtyrertod. Schon Papst Johannes Paul II. hat bei seinen beiden Besuchen in Südkorea 1984 und 1989 betont, wie wichtig es sei, den Ortskirchen über Seligsprechungen eigene Vorbilder zu geben. Franziskus setzt diesen Weg jetzt fort.

          „Der Papst ist der Propagandist der Armen“

          Die Erwartungen der Bevölkerung – auch der nichtchristlichen Südkoreaner –, an den Papstbesuch sind groß. Er fällt in eine Zeit, in der die Gesellschaft tief gespalten ist. Das Fährunglück im April, bei dem die „Sewol“ vor der Südküste Koreas sank und fast 300 Menschen in den Tod riss – darunter viele Schulkinder – hat die sozialen Spannungen in Südkorea dramatisch verschärft. „Das Unglück der Sewol war ein Ergebnis der sozialen Krankheit Koreas – Geld, Lügen und Korruption“, sagt der Bischof der Diözese Daejon, Yoo Heung-sik. „Der Papst kommt in schweren Zeiten nach Korea.“ Yoo erhofft sich vom Papstbesuch Orientierung für die zerrissene Gesellschaft.

          Südkorea : Papst beginnt Asienreise

          Mit seinen Aussagen zu den Armen und Schwachen hat Franziskus Hoffnungen bei den linken Kräften der katholischen Kirche geweckt. „Der Papst ist der Propagandist der Armen“, sagt auch der 52 Jahre alte Katholik Lee Jae-sook. Deswegen hoffe er, „dass alle Koreaner ungeachtet religiöser Unterschiede den Besuch des Papstes willkommen heißen und dadurch eins werden“. Einheit, Appelle an soziale Gerechtigkeit – das sind die Erwartungen vieler Südkoreaner an den Papstbesuch. Sie erhoffen sich Hilfe bei der Suche nach sozialem Ausgleich in einer Gesellschaft, in der die Kluft zwischen Arm und Reich wächst und das politische und wirtschaftliche System vor allem in der Jugend dramatisch an Zustimmung verliert. Bischof Yoo macht den Konkurrenzdruck dafür verantwortlich. Der gnadenlose Wettbewerb beginne schon in der Schule, „das verdirbt den Charakter“, sagt er. In Korea gehören Nachhilfe und Zusatzunterricht bis nach zehn Uhr abends für viele Jugendliche zum Alltag. Die Regierung, die Älteren und die Wirtschaftsführer seien verantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen, sagt der Bischof. „Ich erwarte, dass der Papst das bei seinem Besuch in Korea anspricht.“

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