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Pakistan : Taliban verkünden Waffenstillstand

Pakistanische Taliban Bild: AP

Die pakistanischen Taliban haben am Wochenende einen einmonatigen Waffenstillstand verkündet. Das Militär Pakistans setzt seine Luftangriffe auf Stützpunkte der Taliban dennoch fort.

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          Die pakistanischen Taliban haben am Wochenende einen einmonatigen Waffenstillstand verkündet. Dieser gelte ab sofort, sagte der Sprecher der Tehrik-e-Taliban (TTP) am Samstag und rief alle TTP-Fraktionen dazu auf, sich daran zu halten. Die Regierung in Islamabad, die einen solchen Schritt als Bedingung für eine Fortsetzung der Friedensgespräche gefordert hatte, teilte mit, sie werde Anfang der Woche über das weitere Vorgehen beraten. Das Militär setzte seine Angriffe auf Stützpunkte der Taliban aber am Sonntag fort. Lokale Medien berichteten unter Berufung auf Sicherheitsbehörden, dass Kampfhubschrauber unter anderem das Hauptquartier des Milizenführers Mullah Tamanche angegriffen und fünf seiner Kämpfer getötet hätten.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Die Luftwaffe reagierte damit auf einen Anschlag der Miliz auf ein Impfteam, bei dem – wenige Stunden vor der Verkündung der Waffenruhe – zwölf Personen getötet worden waren. Das Militär handelte damit entsprechend der neuen Anti-Terror-Strategie von Ministerpräsident Nawaz Sharif, wonach jeder Anschlag durch Luftangriffe vergolten werden solle. In Pakistan werden regelmäßig Polio-Teams angegriffen, weil der Arzt Shakil Afridi im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes CIA versucht hatte, sich durch eine vorgetäuschte Impfkampagne Zugang zu einem Haus zu verschaffen, in dem Usama Bin Ladin vermutet wurde.

          Waffenruhe als Reaktion auf Luftangriffe

          Angesichts der fortgesetzten Luftangriffe vor allem in Nordwasiristan sind in den vergangenen Wochen nach UN-Angaben rund 20.000 Personen geflohen. Ein pakistanischer Militärvertreter wies im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aber Medienberichte zurück, wonach eine Bodenoffensive in Nordwasiristan bevorstehe. Vielmehr sei es Ziel der Regierung, durch „Strafmaßnahmen“ die Taliban an den Verhandlungstisch zu zwingen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass anders als bei früheren Großoffensiven im Swat-Tal und in Südwasiristan im Jahr 2009 keine langfristige Planung notwendig sei, da bereits mehr als zwei Divisionen in der Region stationiert seien. Eine Operation könne also starten, sobald die Regierung dafür den Befehl erteile, sagte der Militärvertreter. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Talibanführer sich über die Grenze nach Afghanistan in Sicherheit bringen könnten, wie dies etwa Mullah Fazlullah, dem heutigen TTP-Chef, während der Swat-Offensive gelungen war.

          Sicherheitsfachleute in Islamabad werteten die Verkündigung der Waffenruhe durch die Taliban als Reaktion auf die Luftangriffe der vergangenen Wochen. Der pensionierte General Talat Masood sagte der Zeitung „New York Times“, offenbar seien die Taliban von Seiten von des afghanischen Haqqani-Netzwerks dazu gedrängt worden, um einer Bodenoffensive zuvorzukommen. Washington wirft dem pakistanischen Geheimdienst vor, die afghanische Rebellengruppe zu unterstützen.

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