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Pakistan : Extremisten töten zehn ausländische Bergsteiger

  • Aktualisiert am

Die Provinz Gilgit-Baltistan liegt an der Grenze zu China. Bild: AFP

Bewaffnete haben gegen Mitternacht das Basislager am Nanga Parbat überfallen. Es ist der erste Angriff auf Touristen in einer Provinz, die als relativ sicher galt.

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          Taliban-Kämpfer haben im Norden Pakistans das Basislager am Nanga Parbat (8125 Meter) gestürmt und zehn ausländische Alpinisten getötet. Fünf Ukrainer, drei Chinesen, ein Russe und ein Nepalese seien ermordet worden, teilten die Behörden am Sonntag mit. Auch ein pakistanischer Helfer sei im Hochgebirge des Bezirks Diamir in der Region Gilgit-Baltistan getötet worden. Es ist der erste Angriff auf ausländische Bergsteiger in der Gegend.

          Ein Chinese habe den Angriff überlebt, sagte Innenminister Chaudry Nisar Ali Khan, ohne Details zu nennen. Zu dem Mordanschlag bekannten sich die Dachorganisation der pakistanischen Taliban (TTP). Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan erklärte in einer Textnachricht an Journalisten, die TTP-Untergruppierung Jundullah Hafsa haben den Angriff ausgeführt. „Die Touristen wurden von den Taliban getötet.“

          „Die Ausländer sind Ungläubige“

          Ehsan nannte das Blutbad einen Racheaktion für die Tötung von Wali ur Rehman. Der Vizechef der pakistanischen Taliban war Ende Mai bei einem Drohnenangriff in der Region Nord-Waziristan getötet worden. „Wir haben damit eine Nachricht an die internationale Gemeinschaft gesandt, dass die Vereinigten Staaten mit den Drohnenangriffen aufhören muss.“

          Die schiitenfeindliche Jundullah begründete den Anschlag anders: „Sie (die Ausländer) sind Ungläubige. Sie wollen dem Islam schaden und wir werden sie angreifen, wo immer wir können“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. In Gilgit-Baltistan kommt es oft zu Zusammenstößen zwischen sunnitischen Extremisten und der schiitischen Minderheit.

          Nach Angaben der Polizei drangen die Täter in Uniformen paramilitärischer Einheiten gegen Mitternacht in das Basislager in der Region nahe der Grenze mit China ein und töteten die Bergsteiger. Nach Angaben von Veranstaltern der Expeditionen waren die Opfer in Zelten untergebracht und warteten auf den Aufstieg auf den neunthöchsten Berg der Welt. Die Leichen wurden in die Hauptstadt Islamabad übergeführt.

          Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. „Wir tun alles, um Pakistan sicher für Touristen zu machen“, erklärte Sharif. Die neu gewählte Regierung bezeichnet die amerikanischen Drohnenangriffe als „kontraproduktiv“ und fordert ihr Ende.
          Die Region Gilgit-Baltistan ist beliebt bei ausländischen Bergsteigern. Wie der pakistanische Alpinclub mitteilte, wurde Gilgit-Baltistan im Vorjahr von 90 Expeditionen besucht. Etwa 90 Prozent der Bergsteiger seien Europäer.

          Das Auswärtige Amt hat für Pakistan eine „Teilreisewarnung“ erlassen. Darin wird vor Reisen in die Provinz Khyber-Pakhtunkhwa, in die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan und in die Provinz Balochistan gewarnt. Zu Gilgit-Baltistan hieß es vor dem Anschlag, dort führten „latente Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten gelegentlich zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Westliche Ausländer sind bislang nicht Ziel der streitenden Gruppen.“

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