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„Offshore-Leaks“ : Chinas Briefkästen in der Karibik

  • -Aktualisiert am

Alle Branchen von Öl bis Waffenhandel sind vertreten

22.000 Kunden mit Adressen in der Volksrepublik fanden die Journalisten. Alle Branchen von Öl bis Bergbau und Waffenhandel sind in den Unterlagen vertreten, die in Deutschland der „Süddeutschen Zeitung“ und dem Sender NDR vorliegen. China sei zu einem der größten Kunden für das Offshore-Geschäft aufgestiegen, heißt es in den Medienberichten. Erste Enthüllungen aus den „Offshore-Leaks“ waren schon im vergangenen Jahr veröffentlicht worden, nun geht es erstmals auch um asiatische Offshore- Geschäfte.

Bei den Vermögen in den Steueroasen muss es sich nicht unbedingt um illegal erworbene Gelder oder Bestechungsgelder handeln. Die Masse der Briefkastenfirmen chinesischer Prominenter zeigt jedoch zumindest an, in welchem Ausmaß die Familien der Pekinger Parteiführer in Wirtschaftsaktivitäten engagiert sind, und deuten an, wie in China die Nähe zur Macht zur persönlichen Bereicherung, wenn nicht von den Parteifunktionären selbst, dann doch von ihren Familienangehörigen genutzt wird.

Die enthüllten Daten machen auch deutlich, dass die Parteiprominenten und der rote Adel, die offiziell viel von Patriotismus und der Überlegenheit des chinesischen Systems sprechen, offenbar selbst nicht genügend Vertrauen in die Zukunft Chinas haben, um ihre Vermögen dort anzulegen und ihre Finanzgeschäfte dort abzuwickeln. Offenbar sind sie auch nicht patriotisch genug, um dort Steuern zu bezahlen. Selbst nach offiziellen chinesischen Angaben gehen die Gelder, die illegal aus China abfließen, in die Milliarden.

Die Deutsche Bank half bei der Einrichtung von Fonds

Der Bericht enthüllt auch, dass internationale Finanzorganisationen und Banken, darunter die Deutsche Bank und die Schweizer UBS, den chinesischen Prominenten bei der Einrichtung von Fonds und Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln, Samoa und in anderen Steueroasen geholfen haben. So habe Credit Suisse dem Sohn von Wen Jiabao geholfen, ein Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln zu gründen.

Wen Jiabaos Frau und sein Sohn sowie andere Familienmitglieder waren bereits in einer Recherche der „New York Times“ aus dem Jahr 2012 erwähnt worden. Die Zeitung fand damals heraus, dass die Familienangehörigen Wens, der im vergangenen Jahr turnusgemäß vom Amt des Ministerpräsidenten abtrat, in dessen Amtszeit über Beteiligungen und Finanztransaktionen ein Vermögen angehäuft hatten. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg ermittelt, dass die Familie von Parteichef Xi Jinping über große Vermögen verfügt. Beiden Politikern selbst wurde kein persönliches Vermögen und kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Die chinesische Regierung hatte auf diese Berichte überaus verärgert mit Sanktionen gegen die beiden Medien reagiert. Die chinesische Website der „New York Times“ ist in China nicht mehr zugänglich, und den Journalisten beider Medien wurde damit gedroht, dass ihre Visa nicht verlängert würden. Sie bekamen sie erst in letzter Minute ausgehändigt, nachdem auch die amerikanische Regierung interveniert hatte.

Die meisten Chinesen wissen nichts von den Vorwürfen

Die neuen Enthüllungen über versteckte Reichtümer der Mächtigen sind, wie die alten, in China nicht veröffentlicht worden. Die meisten Chinesen kennen die Vorwürfe gegen ihre Führer nicht. Nur wer Zugang zu den blockierten ausländischen Websites hat, kann sich über die Enthüllungen informieren. Sie sind besonders peinlich für Xi Jinping selbst, dessen groß angekündigte Kampagne gegen die Korruption in der Partei damit weiter an Glaubwürdigkeit verliert.

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