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Obama auf dem Subkontinient : Atomkraft und Waffen für Indien

Gegen das Protokoll: Modi umarmt Obama schon am Flughafen. Bild: Reuters

Barack Obama und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi haben sich zwei wichtige Vereibarungen getroffen. Sie wollen gemeinsam die Atomkraft aufbauen und Waffen entwickeln. Amerikanische Konzerne freuen sich.

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          Nach mehr als sechs Jahren voll von Missverständnissen und Verhandlungen wollen Amerika und Indien nun gemeinsam die Atomkraft auf dem Subkontinent ausbauen. Zugleich wollen Amerikaner und Inder auch Waffen entwickeln und fertigen. Dies sind die Kernpunkte der Vereinbarungen zwischen Amerikas Präsident Barack Obama und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi. Obama traf am Sonntag in Delhi ein. Er ist der erste amerikanische Präsident, der Indien während seiner Amtszeit zweimal besucht.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Von Beginn an bemühten sich Obama und Modi, Vertrauen und Freundschaft zu demonstrieren. So wie Modi schon bei seinen Zusammentreffen mit Chinas Präsident Xi und Japans Ministerpräsident Abe auf starke Bilder für die Weltpresse setzte, so umarmte er nun auch Obama – entgegen den Regeln des Protokolls – schon am Flughafen. Lange Zeit nahm er ihn danach an die Hand. Dass die indische Ehrengarde von einem weiblichen Offizier angeführt wurde, sollte der Weltöffentlichkeit die Bedeutung der Frauen in Indien demonstrieren, und damit die schlechten Nachrichten der vergangene Jahre kontern.

          Obama und Modi zeigen sich als Problemlöser: „Sechs Jahre nach der Unterzeichnung des gemeinsamen Abkommens kommen wir nun zur Phase der kommerziellen Nutzung“, der Atomenergie, sagte Indiens Ministerpräsident Narendra Modi mit Blick auf das ursprüngliche Abkommen von 2008. Obama sprach etwas zurückhaltender von einem „Durchbruch auf dem Weg zur vollen Umsetzung der Abkommen“.

          Modi und Obama erzielten Einigkeit in zwei Fragen: Zum einen bei derjenigen nach der Übernahme von Verantwortung der Hersteller im Fall eines nuklearen Unfalls. Aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahr 2010 muss in Indien der Lieferant bei etwaigen Störfällen haften. Die indische Regierung und indische Versicherungsunternehmen werden aber nun einen Versicherungspool gründen, um Lieferanten und Betreiber gegen Megarisiken abzusichern. Die Amerikaner beraten sie dabei. Zum anderen erzielten sie Einigkeit bei der Frage, wie weit die Lieferungen an Indien von den Amerikanern nachverfolgt werden können. Für amerikanische Zulieferer wie General Electric oder Westinghouse geht es um künftige  Verträge über viele Milliarden Dollar. Beteiligen wollen sich die Amerikaner auch an der Solarinitiative, mit der Indien in wenigen Jahren 100 Gigawatt Sonnenkraft gewinnen will.

          Im Rüstungssektor planen Amerikaner und Inder vier Entwicklungs- und Produktionsprojekte, zwei mit amerikanischen Unternehmen, zwei mit der Regierung. Unter anderem geht es um Triebwerke für Flugzeuge und die Ausrüstung von Flugzeugträgern. Das derzeitige Handelsvolumen von nicht mehr als 100 Milliarden Dollar zwischen Amerika und Indien könnte in relativ kurzer Zeit auf das Fünffache ausgebaut werden, erklären amerikanische Firmen. Am Montag findet in Delhi ein Gipfel amerikanischer und indischer Firmen statt.

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