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Nordkorea : Wo ist Kim Jong-un?

  • -Aktualisiert am

Keine Bilder jüngeren Datums: Kim Jong-un Ende August bei einer Militärübung Bild: dpa

Mehr als einen Monat ist es her, dass der „geliebte Führer“ Nordkoreas sich zum letzten Mal öffentlich gezeigt hat. Nun wuchern die Spekulationen: Wurde Kim Jong-un entmachtet?

          Seit mehr als einem Monat ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Unüblich für ein Land, in dem die Führer gottgleich sind und keine menschliche Schwäche zeigen, übertrug das nordkoreanische Fernsehen vor zehn Tagen Bilder, die zeigten, dass der „geliebte Führer“ humpelt. Er sei unpässlich und arbeite doch mit aller Kraft weiter für das Wohlergehen der Massen, hieß es in der Sendung. Doch folgte einige Tage später ein ungewöhnliches Dementi von ganz hoher Stelle. Der Führer Kim Jong-un habe gar keine Gesundheitsprobleme, sagte der nordkoreanische Vize-Marschall Hwang Pyong-so in einem vertraulichen Gespräch mit dem südkoreanischen Wiedervereinigungsminister Ryoo Kihl-jae am Wochenende.

          Das sollte wohl die Spekulationen, die schon überall in Südkorea und China wuchern, beruhigen. Doch am Tag darauf erschien der für gesund erklärte Führer nicht bei der großen Siegesfeier für Nordkoreas Sportler. Hunderttausend Menschen säumten die Straßen von Pjöngjang, um die Sportler willkommen zu heißen, die gerade bei den Asienspielen in Südkorea erfolgreich gewesen waren, doch der geliebte Führer war wieder nicht dabei.

          Der neue starke Mann in Pjöngjang: Vizemarschall Hwang Pyong-so in Begleitung von Leibwächtern am Flughafen Incheon

          Kim Jong-un, der sich mehrmals als Sport-Fan bezeichnet hat und den amerikanischen Basketball-Star Rodman seinen Freund nennt, würde solch eine Gelegenheit nicht freiwillig auslassen, mutmaßen die Auguren. Sicherlich würde auch er sich gern im Glanz der sportlichen Erfolge sonnen. „Wenn Kim Jong-un keine Gesundheitsprobleme hat, dann bedeutet das, dass Nordkorea große Probleme hat“ orakelte die auslandschinesische Webseite Duowei.

          Kim unter Hausarrest?

          Dieselbe Seite hatte schon vor eine Woche unter Bezug auf Gerüchte aus Pjöngjang vermeldet, dass es in der nordkoreanischen Führung Machtkämpfe gebe und Kim Jong-un unter Hausarrest gestellt worden sei. Kim Jong-un hatte nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Kim Jong-il vor knapp drei Jahren im Alter von nur 30 Jahren die Macht in Nordkorea übernommen. Es gab seitdem immer wieder Gerüchte, wonach es Widerstände im Apparat, besonders im Militär gegen die Inthronisation eines so jungen und unerfahrenen Führers gebe.

          Vor einem Jahr hatte Kim Jong-un seinen Onkel Jang Song-taek, der bis dahin die Nummer Zwei in der Nomenklatura gewesen war, hinrichten lassen. Ihm wurde vorgeworfen, einen Coup gegen die Führung geplant zu haben. An die hundert Gefolgsleute Jang Song-taeks verschwanden in einer anschließenden Säuberungswelle. Es ist nicht auszuschließen, dass die Machtkämpfe hinter den Kulissen dennoch weitergehen.

          Überraschende Reise nach Südkorea

          Neuer starker Mann in Nordkorea soll der Vize-Marschall Hwang Pyong-so sein, der jetzt erklärt hat, Kim Jong-un habe keine Gesundheitsprobleme. Hwang war erst im 25. September in der letzten Sitzung des Parlaments zum Stellvertreter Kim Jong-uns in der mächtigen Verteidigungskommission befördert worden. Da Kim Jong-un bei der Sitzung des Parlamentes nicht anwesend war, mutmaßten einige, dass Hwang Pyong-so den de facto entmachteten Kim Jong-un gezwungen habe, ihn zu befördern.

          Für weiteres Rätselraten sorgte dann die Tatsache, dass völlig überraschend eine nordkoreanische Delegation unter der Führung von Hwang Pyong-so und zwei weiteren Mitgliedern der Nomenklatura am Wochenende zur Schlussfeier der Asien-Spiele in Südkorea reiste. Die Delegation blieb nur einen Tag lang, traf aber zu einem Mittagessen mit Südkoreas Minister für die Wiedervereinigung Ryoo Kihl-jae und anderen Regierungsmitgliedern zusammen. Das Gespräch ergab sogar das Versprechen, dass es zum Ende des Jahres wieder ein ranghohes innerkoreanisches Treffen geben solle. Nordkorea zeigt sich also wieder freundlicher gegenüber dem viel geschmähten Süden. Ob auf Geheiß Kim Jong-uns oder anderer, bleibt vorläufig noch offen.

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