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Nordkorea : Washington warnt Pjöngjang vor weiteren Provokationen

  • Aktualisiert am

Alarmbereit: Südkoreanische Soldaten nahe der Demarkationslinie Bild: dpa

Amerikas Verteidigungsminister spricht von einer „entflammbaren Situation“. Washington sei vorbereitet, auf jede Entwicklung zu reagieren. Seoul erwartet gleich mehrere neue Raketentests Nordkoreas.

          Die amerikanische Regierung hat ihre Warnung an das Regime in Pjöngjang vor weiteren Provokationen verschärft. Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, Pjöngjang bewege sich „sehr nahe an einer gefährlichen Linie“. Die südkoreanische Regierung appellierte an den Norden, die Spannungen nicht weiter zu verschärfen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

          Wie Südkorea erwartet man auch in Washington, dass Pjöngjang aus Anlass des 101. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il-sung am 15. April bald einen neuen Raketentest unternehmen dürfte. Worte und Taten des nordkoreanischen Regimes „haben nicht geholfen, eine entflammbare Situation zu entschärfen“, sagte Hagel. Amerika sei vorbereitet, auf jede Entwicklung zu reagieren.

          Der Kommandeur des Pazifik-Kommandos der amerikanischen Streitkräfte, Admiral Samuel Locklear, bezeichnete bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Senats die Nuklearwaffen und Langstreckenraketen Pjöngjangs als „direkte Gefahr“ für die Vereinigten Staaten sowie für Frieden und Stabilität in der Region. Locklear sprach sich aber gegen den Versuch aus, eine nordkoreanische Rakete mit einer amerikanischen Abfangrakete abzuschießen. Ein solcher Einsatz sei nur dann zu erwägen, wenn als Ziel einer nordkoreanischen Rakete das amerikanische Festland oder der amerikanische Militärstützpunkt auf der Pazifik-Insel Guam identifiziert werden könne.

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          Zum Appell der südkoreanischen Führung sagten Regierungsvertreter dieser Zeitung, sie hätten wenig Hoffnung, dass Pjöngjang diesen Schritt schnell gehen werde. Vielmehr deuteten Geheimdienstberichte darauf hin, dass Nordkorea den Start von Mittelstreckenraketen, die Japan und sogar amerikanische Stützpunkte in Guam erreichen könnten, sowie den Start von Kurzstreckenraketen weiter vorantreibe. Raketen auf den mobilen Startrampen seien in aufgerichteter, startbereiter Stellung geortet worden, hieß es. Bereits am Vortag hatte Außenminister Yun Byung-se gesagt, mit den Raketenstarts - die ein weiterer Schritt in der Eskalationsstrategie Pjöngjangs wären - sei „von nun an jederzeit“ zu rechnen.

          Kerry in Seoul

          In Regierungskreisen in Seoul hieß es, der erwartete neue Start einer Mittelstreckenrakete werde das dominierende Thema der Gespräche des amerikanischen Außenministers John Kerry an diesem Freitag in Seoul sein. „Auf der Tagesordnung der Gespräche stehen alle Themen im Zusammenhang mit der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel und die Fragen, wie mit den Drohungen aus Nordkorea umgegangen und wie auf die Provokationen des Norden reagiert wird“, sagte ein Sprecher. Für den Fall, dass nordkoreanische Raketen bei ihrem erwarteten Testflug südkoreanisches Territorium und die Bevölkerung bedrohten, drohte Seoul entsprechende Vergeltung an.

          Kriegsvorbereitungen: Amerikanische Truppen im südkoreanischen Yeoncheon

          Pjöngjang verschärft seine Kriegsdrohungen gegen Südkorea und gegen die Vereinigten Staaten seit Wochen. Nordkorea versuche so, Furcht und Schrecken zu säen, hieß es in Seoul. Diese Rechnung geht bislang allerdings nicht auf. Trotz der Aufforderungen Pjöngjangs an alle Ausländer in Südkorea, das Land zu verlassen, verlief das Leben in Seoul in normalen Bahnen - die Hotels sind weitgehend ausgebucht mit Touristen. Ausländische Unternehmen haben am Donnerstag demonstrativ bekräftigt, weiter in Südkorea zu investieren.

          Erhöhte Wachsamkeit haben wegen der erwarteten Raketenstarts nicht nur die amerikanischen und südkoreanischen, sondern auch die japanischen Streitkräfte ausgerufen. Nordkorea hatte unter anderem gedroht, amerikanische Militärstützpunkte in Japan anzugreifen. Japans Regierungschef Shinzo Abe wies die Streitkräfte an, jeden Flugkörper Nordkoreas, der Japan bedrohe, abzuschießen.

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