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Nordkorea : Staatsmedien melden Lebenszeichen von Kim Jong-un

Bild: AFP

Seit Wochen hatte der nordkoreanische Machthaber sich nicht mehr blicken lassen und so Spekulationen über seine mögliche Entmachtung befeuert. Nun haben staatliche Medien offenbar aktuelle Bilder von Kim Jong-un veröffentlicht.

          Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap war es am Dienstag früh um 6 Uhr 14 Ortszeit sogar eine Eilmeldung wert. „Nordkoreas Führer Kim Jong-un hat nach 40 Tagen seinen ersten öffentlichen Auftritt.“ Er ist wieder da.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nachdem in südkoreanischen und westlichen Medien seit Wochen über eine Entmachtung des nordkoreanischen Staats- und Parteichefs spekuliert worden ist, zeigte sich der junge Führer am Dienstag in den nordkoreanischen Medien gleich zwei Mal in der Öffentlichkeit. Zuerst besuchte er eine neue Wohnsiedlung für Wissenschaftler, den „Wisong Scientists Residential District“ mit 24 Wohnblöcken, Schulen, Kindergärten, Kulturzentrum und Krankenhaus. „Unsere Wissenschaftler sind Patrioten“, sagte Kim, deswegen kümmere sich die kommunistische Arbeiterpartei gut um sie.

          Fotos der Staatszeitung Rodong Sinmum zeigen den Mann - sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, er soll 31 Jahre alt sein - entspannt, etwas dünner und lächelnd. Es sieht so aus, als habe Kim all die Aufregung im Ausland über sein Verschwinden amüsiert verfolgt. Im Gefolge hatte er einige hochrangige Vertreter von Partei und Militär. Auch das ist eine Botschaft der Bilder: Kim Jung-un sitzt in Pjöngjang sicher im Sattel.

          Kim Jong-un mit Gehstock Bilderstrecke

          Offenkundig war der Politiker nur wegen einer Beinverletzung zur Rehabilitation. Bei seinen Auftritten am Dienstag benötigte Kim einen Krückstock für das linke Bein. All die vielen Meldungen über seinen ungesunden Lebensstil, seine allzu große Liebe zu Schweizer Emmentaler, möglichen Diabetes - die seine Gesundheit dramatisch gefährdeten, strafte Kim mit breitem Lächeln als reine Kaffeesatzleserei. Entsprechend aufgeräumt zeigte sich der starke Mann Nordkoreas. Erst vor wenigen Tagen, als er bei der zentralen Zeremonie zum 69. Gründungstag der herrschenden Arbeiterpartei gefehlt hatte, waren weltweit die Spekulationen wieder hoch gekocht, er sei ernsthaft erkrankt und lenke die Geschicke des Landes nicht mehr.

          Nordkorea nennt sich zwar eine kommunistische Volksrepublik. Es zeigt sich in der heimischen und in der westlichen Berichterstattung aber eher als monarchische Herrschaft der Familie Kim. Auch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Reha ehrte Kim Jung-un seinen Vater und den Staatsgründer und Großvater, Kim Jong-Il und Kim Il-sung. Ihre Denkmäler stehen vor dem neuen Wohnkomplex, in dem die Wissenschaftler künftig komplett eingerichtete Wohnungen bekommen - vom Farbfernseher bis zum Federbett, wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete. „Sehr attraktiv“ soll Kim gesagt haben, als er die neuen Wohnungen besichtigte. „Es gibt nichts, an dem wir für sie sparen sollten. Es ist notwendig, Wissenschaftler mit Vorrang zu behandeln und sich um sie zu kümmern“, erklärte er später beim Besuch eines neuen Forschungszentrums. Dass mit dem neuen Wohnkomplex gerade Wissenschaftler belohnt werden, die am Langstreckenraketen- und am Atomprogramm des Landes mitarbeiten, meldete die staatliche Agentur allerdings nicht.

          Kim Jong-un tritt seit 2010 in offizieller Eigenschaft in den Staatsmedien auf. Damals hatte sein Vater ihn zum Nachfolger erkoren. Schon einmal, im Sommer 2011, war er 29 Tage von der öffentlichen Bühne verschwunden. Damals lebte allerdings sein Vater noch. Im Durchschnitt der vergangenen zwei Jahre hat sich Kim Jung-un im Monat zwischen 15 und 25 Mal bei öffentlichen Auftritten gezeigt. Sein letzter und einziger Auftritt im September war am Anfang des Monats bei einem Konzert, das er mit seiner Frau Ri Sol-ju und seiner Schwester Kim Yo-jong besuchte.

          Schon vor dem überraschenden Auftritt Kims am Dienstag, hieß es aus Nordkorea, der Staats- und Parteichef habe sich lediglich bei einer militärischen Übung eine Beinverletzung zugezogen. Der übergewichtige Kim soll dabei alle Generäle angewiesen haben, aktiv beim Manöver mitzumachen. Er sei dann selber über den Boden gerobbt und gelaufen. Dabei habe er einen Bänderriss erlitten. Er ließ sich anfangs noch hinkend in der Öffentlichkeit sehen. Sein Krückstock deutet darauf hin, dass diese Erklärung für sein 40 Tage langes Fernbleiben von öffentlichen Auftritten am schlüssigsten ist.

          Wie auch aus südkoreanischen Quellen zu hören ist, hat der junge Machthaber das Land weiter fest unter Kontrolle. Kim Jong-un hatte vor drei Jahren nach dem plötzlichen Tod seines Vater im Alter von knapp 30 Jahren die Macht übernommen. Weil er unerfahren ist, zudem auch körperlich nicht dem Idealbild eines dynamischen großen Führers entspricht, hat es in den letzten Jahren immer wieder Gerüchte gegeben, nach denen es im Parteiapparat, vor allem aber im Militär, dem wahren Machtzentrum Nordkoreas, Widerstände gegen Kim gibt. Vor einem Jahr ließ Kim seinen Onkel Jang Song-taek hinrichten, der zweite Mann nach dem Staats- und Parteichef. Viele der Gefolgsleute Jangs wurden von ihren Machtpositionen entfernt. Gerüchte über eine Entmachtung Kims beruhten vor allem auf der Annahme, dass der interne Machtkampf in Pjöngjang hinter den Kulissen weitergeht.

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