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Nordkorea-Konflikt : Amerika will mehr wissen

Eine amerikanische Drohne vom Typ „Global Hawk“ Bild: dpa

Nordkoreas Ultimatum an diplomatische Vertretungen in Pjöngjang lässt die Entsendestaaten unbeeindruckt. Die deutsche Vertretung blieb am Samstag arbeitsfähig. Washington stationiert angesichts der Drohungen derweil erstmals eine Aufklärungsdrohne in Japan.

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          Die angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel hat zu keinem Exodus ausländischer Diplomaten aus Pjöngjang geführt. Der Aufforderung Nordkoreas, das Land zu verlassen, kamen am Samstagvormittag keine der angeschrieben diplomatischen Vertretungen nach. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte am Vormittag, man befinde sich in einem „laufenden Abstimmungsprozess mit den internationalen Partnern, die vor Ort vertreten sind“. Die Sicherheitslage werde laufend überprüft. Bis auf Weiteres bleibe die Botschaft arbeitsfähig. Zu den EU-Ländern, die in Nordkorea Botschaften unterhalten, zählen neben Deutschland auch Großbritannien, Schweden, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien.

          In einem Empfehlungsschreiben, das an eine Reihe von Botschaften gegangen war, hatte Pjöngjang in einer Art Ultimatum den Angehörigen der Vertretungen Zeit bis Mittwoch eingeräumt, die Stadt zu verlassen. Danach, hieß es, könne man von Nordkorea bei der Evakuierung keinerlei Unterstützung mehr erwarten. Pjöngjang, das schätzungsweise 1,2 Millionen Soldaten unter Waffen hält und in der Vergangenheit mehrfach Atombomben testete, droht Südkorea und Amerika seit Wochen mit Angriffen.

          Nachdem das Land am Freitag zunächst mehreren westlichen Botschaften und Russland die Evakuierung ihrer Angehörigen empfohlen hatte, wurde am Samstag bekannt, dass Pjöngjang auch Diplomaten des Nachbarn Chinas die Ausreise nahelegt. Es gebe noch keine Entscheidung, ob Peking der Empfehlung nachkommen werde, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf chinesische Regierungskreise. China, das im Südosten an Nordkorea angrenzt und als Verbündeter Chinas gilt, hatte in den vergangenen Wochen die Drohgebärden des nordkoreanischen Staatsführers Kim Jong-un scharf verurteilt.

          Unterdessen stationieren die Vereinigten Staaten offenbar ein weiteres Militärsystem in der Krisenregion. Wie die japanische Zeitung „Sankai Shimbun“ am Samstag schrieb, werde kurzfristig ein ferngesteuerter Langstreckenaufklärer in Japan stationiert. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten die Verstärkung ihrer Raketenabwehr im Pazifik angekündigt und Tarnkappenbomber vom Typ B-2 nach Südkorea entsandt.

          Die Aufklärungsdrohnen vom Typ „Global Hawk“ sollen laut Angaben der Zeitung auf der amerikanischen Basis Misawa, im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu stationiert werden. Die US-Armee habe die japanische Regierung bereits im vergangenen Monat über die Absicht informiert, die Drohne im Sommer vor Ort zu stationieren. Nun sei der Termin vorgezogen worden.

          Die amerikanische Langstreckendrohne kann bis zu 40 Stunden in der Luft bleiben und dient dazu, aus bis zu 20 Kilometern Höhe hochauflösende Bilder großer geographischer Gebiete zu erstellen. Ihr Einsatz ist ein starkes Indiz dafür, dass die Vereinigten Staaten sich kurzfristig in die Lage versetzen wollen, mehr Informationen über Truppenkonzentrationen in Norden Koreas in Erfahrung bringen zu können.

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