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Nordkorea : Eine Predigt voller Hass

  • -Aktualisiert am

Nichts ficht den Führer an: Kim Jong-un bei der Eröffnung eines Waisenhauses Bild: dpa

Mittlerweile rücken selbst engste Verbündete langsam von Nordkorea ab - das daher hoffnungsvoll nach Deutschland blickt. Beim Besuch einer deutschen Delegation kam es indes zum Eklat.

          Nordkorea hat sich bekanntlich mit seiner Atompolitik und ständigen Provokationen in eine fast vollständige Isolation begeben. Die Vereinigten Staaten lehnen Gespräche ohne Zugeständnisse ab, Südkorea bleibt sehr zurückhaltend. Und selbst die bisherige Schutzmacht China rückt vom kriegslüsternen Nachbarn langsam ab. Angesicht dieser Lage schaut das Regime von Staatsführer Kim Jong-un mit Hoffnung nach Deutschland.

          So wurde dem Vorsitzenden der deutsch-koreanischen Parlamentarier-Gruppe, dem CSU-Politiker Hartmut Koschyk dieser Tage in Pjöngjang ein recht freundlicher Empfang bereitet. Kim Yong-nam, das 87 Jahre alte nominelle Oberhaupt des kommunistischen Staates, der tatsächlich vom jungen Führer Kim Jong-un geleitet wird, nahm sich sogar eine ganze Stunde Zeit für den Gast aus Deutschland.

          Heiliger Krieg gegen Südkorea

          Doch es passierte in dem Programm für Koschyks Delegation auch ein peinlicher Ausrutscher: Die deutsche Gruppe besuchte die Changchun-Kirche der staatlichen katholischen Gemeinschaft in Pjöngjang. Dort sollte mit einem nordkoreanischen Gemeindevorsteher und dem aus Deutschland mitgereisten Benediktiner-Pater Tassilo Lenger eine Andacht gefeiert werden. Doch statt für Frieden und Versöhnung zu beten, hörten die deutschen Besucher und einige nordkoreanische Gläubige eine erschreckende Hasspredigt. Der Prediger rief sogar zu einem „heiligen Krieg“ gegen Südkorea auf. Er habe sich zutiefst getroffen gefühlt, berichtet Koschyk nach dem Ende seiner Reise aus Südkorea der F.A.Z. Die Hasspredigt in der Kirche vor umworbenen deutschen Besuchern verdeutlicht abermals, wie Nordkorea zwischen diplomatischen Offensiven und harten ideologischen Forderungen wechselt und mögliche gute Eindrücke in kürzester Zeit wieder durch aggressive Ausfälle zunichte macht.

          Nordkorea hofft auf das Engagement der deutschen Wirtschaft. Staatsführer Kim Jong-un hat die Einrichtung mehrerer Wirtschaftssonderzonen mit Vorzugsbedingungen für ausländische Investoren angeordnet. Eine davon soll in Hamhung entstehen, einer Stadt, die von der DDR zu einem Industriezentrum ausgebaut wurde. Man hofft offenbar, dass Deutschland sich hier wieder engagieren wird. Deutschlands humanitäre Hilfe für Nordkorea wurde gegenüber Koschyk gewürdigt. Freilich hat diese Wertschätzung die nordkoreanische Führung auch nicht davon abgehalten, erst kürzlich zwei Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe des Landes zu verweisen, weil sie angeblich die politische Führung des Landes beleidigt hatten. Koschyk bedeutete seinen nordkoreanischen Gesprächspartnern, dass so ein Vorgehen nicht akzeptabel sei und dass sichergestellt werden müsse, dass die Welthungerhilfe in Nordkorea ihre Aufgaben erfüllen kann.

          Der deutsche Benediktinerpater Tassilo Lengger vor der Gemeinde in Pjöngjang - hier sollte eine Messe als Geste der Versöhnung und Öffnung gefeiert werden. Bilderstrecke

          Der Abgeordnete Koschyk hat nach seinen Gesprächen in Nordkorea den Eindruck gewonnen, dass die politische Lage in Pjöngjang als äußerst gespannt angesehen wird. Die nordkoreanische Führung hatte offensichtlich gehofft, dass eine Charmeoffensive die Vereinigten Staaten davon abhalten würde, gemeinsame Manöver mit Südkorea abzuhalten, sagte Koschyk der F.A.Z.. Nachdem die Manöver aber doch stattfanden, sei die Lage verhärtet.

          Der stellvertretende Außenminister Kung Sok-ung erklärte gegenüber Koschyk, dass Nordkorea sich nicht mehr mit den Vereinigten Staaten an einen Tisch setzen wolle, auch nicht zu den seit Jahren auf Eis liegenden „Sechser-Gesprächen“ über Nordkoreas Atomprogramm. Als er nach einer möglichen Vermittlung durch die Volksrepublik China fragte, die als Gastgeber bei den Sechser-Gesprächen aufgetreten war, antworteten die nordkoreanischen Politiker nur, dazu gäbe man keinen Kommentar.

          Koschyk, der Nordkorea seit mehreren Jahren regelmäßig besucht, berichtet von reger Bautätigkeit in Pjöngjang. Nahe dem Flughafen der Hauptstadt sei ein neues Stadtviertel entstanden und in der Hauptstadt würden neue Wohnblocks für Wissenschaftler gebaut. Außerdem sei deutlich, dass die privat genutzten kleineren landwirtschaftlichen Flächen und die Schattenwirtschaft insgesamt an Bedeutung gewinnen.

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