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Nach Festnahmen in Australien : IS-Terror macht den Asiaten Angst

Polizisten patrouillieren an einer Haltestelle in Brisbane, Australien. Nach Festnahmen mehrerer Terror-Verdächtiger in Sydney und Brisbane soll die Polizeipräsenz an öffentlichen Orten erhöht werden. Bild: dpa

Gerade in muslimischen Ländern der Region, aber auch in Australien und Indien rekrutieren radikale Islamisten Anhänger. Einige wollen ein Kalifat von Indien bis Burma schaffen, andere eines von Südthailand über Singapur bis zu den Philippinen.

          Die Region Asien-Pazifik wird von der Angst vor dem Terror des Islamischen Staates (IS) erfasst. Am Donnerstagmorgen kam es in Australien zu mehreren Festnahmen Verdächtiger in Sydney und Brisbane. In Brisbane werden im November die Staats- und Regierungschefs der führenden Länder zum Gipfel der G-20 Staaten erwartet. Der australische Ministerpräsident Tony Abbott hatte die Terroralarmstufe in seinem Land gerade von «mittel» auf «hoch» angehoben. Der Inlandsgeheimdienst Asio schätzt, dass ein Terroranschlag nicht mehr nur eine Möglichkeit, sondern wahrscheinlich sei. Die höchste Alarmstufe – „extrem“ – würde bedeuten, dass ein Anschlag unmittelbar bevorsteht. Derzeit hat Asio Kenntnis von 60 bis 70 Australiern, die in Syrien und im Irak Seite an Seite mit Terrormilizen wie jener des IS unter Führung von Abu Bakr al-Baghdadi kämpfen; hinzu kommen schätzungsweise 100 Personen, die die Mördertruppe von Australien aus aktiv unterstützen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Doch auch ganz im Westen der Region herrscht Sorge. Der frühere Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, erklärte gerade, dass bis zu 200 Personen von den Malediven in Irak und Syrien in den Reihen von IS kämpften. Das wäre ein sehr hoher Prozentsatz – denn die Bevölkerung des südasiatischen Inselstaates besteht insgesamt nur aus gut 330.000 sunnitischen Muslimen. „Der radikale Islam wird auf den Malediven sehr, sehr stark“, warnte Nasheed in einem Gespräch mit der britischen Zeitung „Independent“. „Im Militär und in der Polizei halten die Islamisten strategische Positionen.“ Die Chinesen haben die Stärke der Terroristen schon bitter erfahren müssen: 2007 starben acht Mitglieder einer chinesischen Touristengruppe bei einem Bombenanschlag von islamistischen Militanten in Male.

          Al Qaida hat Indien im Visier

          So dürfte IS auch zum Thema in den Gesprächen zwischen dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Delhi an diesem Donnerstag werden. Denn in beiden Ländern schließt sich der Kreis der Terroristen: Al-Qaida-Führer Aiman al-Sawahiri hat die Gründung eines weiteren Ablegers seines Terrornetzes auf dem indischen Subkontinent bekannt gegeben. Ziel sei die Errichtung eines „Kalifats“ in Burma (Myanmar), Bangladesch und den muslimisch dominierten Gebieten Indiens. Sawahiri sagte, die geplante Terrorzelle werde alle Grenzen durchbrechen, die die Briten errichtet hätten. Er bezog sich damit auf die Teilung des Subkontinents nach dem Ende der Kolonialzeit.

          Die bislang unbekannte Organisation „Al Qaida auf dem indischen Subkontinent“ (Aqis) werde „die Flagge des Dschihad“ über Indien und seinen Nachbarländern hissen, hieß es. Sie solle für die Ausbreitung des islamischen Rechts sorgen und Muslime vor Ungerechtigkeit und Unterdrückung schützen. Allein in Indien leben mehr als 160 Millionen Muslime. In Burma fühlen sie sich von der buddhistischen Mehrheit bedroht und unterdrückt. Al Qaida will mit seiner Offensive auf dem Subkontinent verlorenen Boden gegen IS gutmachen. Die indische Polizei schätzt, dass mehr als 300 Inder aufgebrochen seien, um für den mit Al Qaida konkurrierenden IS in Syrien und im Irak zu kämpfen.

          Loyalitätsschwur per Video

          Auf der anderen Seite wurden gerade im südostasiatischen Indonesien vier Männer festgenommen, die muslimische Uighuren aus der chinesischen Aufstandsprovinz Xinjiang sein sollen. Sie waren den Behörden nach auf dem Weg, sich den Terrorzellen indonesischer IS-Anhänger in Sulawesi anzuschließen. Wahrscheinlich wollten sie sich der Gruppe der Eastern Indonsian Mujahidin (Mit) unter dem gesuchten Militanten Santoso angliedern. In einem Video haben Santoso und seine Leute dem IS ihre Loyalität geschworen.

          Neben den Indonesiern finden auch Malaysier und Philippinos ihren Weg in die Reihen des IS. Rund 50 Malaysier und mehr als 100 Leute philippinischer Staatsangehörigkeit sollen in seinen Reihen kämpfen. Die Malaysier haben inzwischen vier Terrorzellen ausgemacht. Deren Ziel soll es sein, in Südostasien ein Kalifat zu errichten, das sich unter dem Namen Daulah Islamiah Nusantara über Malaysia, Indonesien, Singapur, Südthailand und die südlichen Philippinen erstrecken soll.

          Auch auf den Philippinen haben sich mindestens vier Zellen herausgebildet. Immer wieder tauchen Videos im Internet auf, in denen Männer auf IS, dessen schwarze Fahne und dessen Führer schwören. Noch scheinen die Gruppen auf sich selbst gestellt zu agieren – sie sollen sich aber alle an der Ideologie von IS orientieren. Zudem scheinen sie Mitglieder aus den unterschiedlichen traditionellen Befreiungs- und Terrorbewegungen im Süden des Inselstaates anzuwerben. Damit drohen alte Konflikte in der bodenschatzreichen Region Mindanao wieder aufzuflammen – nur möglicherweise noch radikaler als zuvor.

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