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Chinas Millionäre : Mein Ferrari, mein Parteibuch und ich

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Das protzige Ende des langen Marsches: Luxuskarossen sind das liebste Spielzeug von Chinas reichen Schnöseln. Bild: Imago

Nirgendwo wächst die Zahl der Milliardäre so schnell wie in China. Zum Entsetzen ihrer Väter tragen die neuen Erben ihren Reichtum demonstrativ zur Schau. Das schürt Neid und Hass.

          6 Min.

          Wenn Zhang Lei mit seinem golden glänzenden Sportwagen durch die Straßen der Provinzstadt Baoding fährt und zwischen zwei Ampeln einmal kurz beschleunigt, folgen ihm bewundernde Blicke. Kinder zeigen mit dem Finger auf das Gefährt, Passanten bleiben andächtig stehen. Parkplatzwächter zeigen sich besorgt: „Großer Bruder, dein Wagen liegt tief, fahre besser nicht über diese Kante.“ Zhang Lei parkt nicht auf dem Parkplatz, sondern direkt vor der Tür des Restaurants, wo ihn Bedienstete mit tiefer Verbeugung erwarten.

          „So ein Sportwagen ist der Traum eines jeden jungen Mannes in China“, sagt Zhang Lei stolz und zählt die technischen Vorzüge seines Schlittens auf. „Vollständig aus Deutschland importiert“, sagt er. Die Wagen, die in Teilen oder ganz in China gefertigt werden, seien lange nicht so gut.

          Umgerechnet 400.000 Euro mit Steuern hat ihn der Wagen aus Deutschland gekostet. Es sei nur einer von 30, die überhaupt hergestellt wurden, betont er. Zhang Lei liebt schnelle Autos, besonders die aus Deutschland. Schade nur, seufzt er, dass man in China nirgendwo schnell fahren darf.

          Eintrittskarte: Ein teures Auto

          Zhang Leis Heimatstadt Baoding ist eine für chinesische Verhältnisse kleinere Industriestadt in der Provinz Hebei, die sich in letzter Zeit hauptsächlich dadurch einen Namen gemacht hat, dass hier für die meiste Zeit des Jahres der dickste Smog von China in der Luft liegt. Der 30 Jahre alte Zhang Lei ist nicht der Einzige seines Alters, der sich in Baoding einen Luxus-Sportwagen leisten kann.

          Zhang Lei, Sohn eines erfolgreichen Privatunternehmers, hat vor drei Jahren den „Famous Car Club“ gegründet. Aufnahmebedingung für den Club ist der Besitz eines Autos im Wert von umgerechnet mindestens 120.000 Euro. 500 Mitglieder hat der Club jetzt, allein in der Stadt Baoding.

          Fahrer aller großen Automarken sind in dem „Famous Car Club“ vertreten. Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce, Ferrari und natürlich BMW, Mercedes und Audi. Aber tatsächlich hätten die Mitglieder nicht nur ein, sondern meist drei oder vier Autos, sagt Zhang Lei. Einen Sportwagen, ein SUV und dann noch ein Gefährt für die Fahrten in der Stadt oder einen kleineren Wagen für die Ehefrau. Wenn der Club sich zu einem Essen oder einem Ausflug trifft und alle mit ihren Luxuskarossen ankommen, dann seien so etwa Autos im Wert von 70 Millionen Euro beisammen, schätzt Zhang Lei. Der Club hat schon Ableger in anderen Städten.

          Verdienen und erben

          Die teuren Schlitten sind das liebste Spielzeug von Chinas neuer Klasse der „Fu er dai“, der Sprösslinge reicher Eltern (wörtlich: der zweiten Generation des Reichtums). Zum ersten Mal seit der Machtübernahme der Kommunisten in China vor 66 Jahren gibt es in der Volksrepublik eine Generation von jungen Leuten, die Zugriff auf große private Vermögen haben und diese erben werden.

          Nirgendwo wächst die Zahl der Milliardäre und Millionäre so schnell wie in China. 200 Dollar-Milliardäre hat die jüngste Zählung ergeben. Mehr gibt es nur in den Vereinigten Staaten. Die meisten chinesischen Reichen sind zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt. Das Luxusleben ihrer Söhne und Töchter ist Gegenstand hitziger Debatten im Land.

          Die Erben der Wohlhabenden verstecken nicht mehr, wie noch ihre Väter, ihren Reichtum mehr oder weniger verschämt, sondern geben laut damit an. Sie fahren die teuersten Sportwagen, wohnen in den größten Villen oder Penthäusern und zeigen sich in den teuersten Clubs. Die Männer erzählen in ihren Blogs ausführlich von Sex-Partys und Rennautos und die Frauen von neuesten Einkäufen von Schmuck und Designermode. Und manche stellen sogar Kopien von ihren Kontoauszügen in ihre Blogs, damit an ihrem Reichtum nur ja kein Zweifel aufkommt.

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