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Militärpräsenz in Afghanistan : Nato gibt Kabul mehr Zeit, Obama drängt

  • Aktualisiert am

Beten für die Kameraden: Afghanische Soldaten in Kunar Bild: REUTERS

Die Nato gibt Afghanistan bis Oktober Zeit, das Truppenstatut und das Sicherheitsabkommen zu unterzeichnen. Amerikas Präsident Obama bringt unterdessen einen Abzug aller amerikanischer Truppen zum Jahresende ins Spiel.

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          Die Nato gewährt Afghanistan mehr Zeit, um zwei Abkommen über die künftige ausländische Militärpräsenz zu unterzeichnen. Im Brüsseler Hauptquartier des Bündnisses wird jetzt der Oktober als letztes Datum genannt, bis zu dem der afghanische Präsident einen bilateralen Sicherheitsvertrag mit Amerika und ein Truppenstatut mit der Nato unterschrieben haben sollte. Die beiden Dokumente sind die Voraussetzung dafür, dass die Nato nach dem Abzug ihrer Kampftruppen von 2015 an eine Ausbildungsmission in dem Land einsetzen kann.

          Allerdings erhöhte Präsident Barack Obama am Dienstag abermals den Druck auf den scheidenden afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. In einem Telefonat sagte Obama, je später das Sicherheitsabkommen unterzeichnet werde, desto wahrscheinlicher werde die amerikanische Mission von 2015 an „kleiner in Umfang und Zielen“ sein.

          Während die amerikanische Militärführung dafür plädiert, entweder 10.000 Mann im Land zu belassen oder ganz abzuziehen, wird im Weißen Haus auch erwogen, vom nächsten Jahr an nur noch 3000 Amerikaner dort zu stationieren. Das Pentagon bestätigte, dass es in Obamas Auftrag auch Planungen für einen Totalabzug ausarbeite.

          Kein Totalabzug geplant

          Das amerikanisch-afghanische Sicherheitsabkommen ist fertig ausgehandelt und von der Loja Dschirga genehmigt worden; die Verhandlungen über ein weitgehend inhaltsgleiches Abkommen zwischen der Nato und Afghanistan stehen vor dem Abschluss. Karzai weigert sich jedoch, das Abkommen mit Amerika zu unterschreiben. Er will das seinem Nachfolger überlassen; der erste Wahlgang ist für April geplant.

          Die Verzögerung hat großen Unmut unter den Nato-Verbündeten hervorgerufen und zu Drohungen geführt, sämtliche Truppen Ende 2014 abzuziehen und dem Land keine Finanzhilfen mehr zu gewähren. Die Nato begründete ihre Eile damit, dass die militärische und haushalterische Vorbereitung der Mission „resolute support“ Zeit in Anspruch nehme.

          Wie zu hören ist, entsprach der bisherige Zeitplan vor allem den Wünschen des Oberkommandos Shape und der Führung der Isaf-Schutztruppe in Kabul, wo man früh wissen wollte, welche Ausrüstung und Truppen aus Afghanistan abgezogen werden können und wie die neue Mission aussehen würde. Nun haben die Militärs, die anscheinend nicht die Verantwortung für ein Scheitern der Mission übernehmen wollen, erklärt, dass für ihre logistischen Arbeiten auch noch eine Entscheidung bis Oktober ausreichen würde. In Brüssel hieß es, die Nato plane keinen Totalabzug.

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